Die Präsenz der Frauen im Organgramm des Vatikan.
Wie viel die andere Hälfte des Himmels zählt
von Gianni Cardinale

Schwestern in der Telefonzentrale des Vatikan.
Apostolischer Palast. Besonders stark vertreten sind die Frauen im Papstapartment. Dort arbeiten die vier Laienschwestern der Memores Domini (Carmela, Cristina, Emanuela und Loredana), die für den Haushalt zuständig sind. Ihre Namen scheinen jedoch nicht im Päpstlichen Jahrbuch auf, wie dagegen der einer historischen Sekretärin von Papst Ratzinger schon seit den Zeiten des ehemaligen Heiligen Offiziums. Gemeint ist Birgit Wansing, vom Schönstatt-Institut; legendär ihre Fähigkeit, die winzige Handschrift des derzeitigen Papstes zu entziffern, dessen ellenlange Bibliographie sie peinlich genau auf dem Laufenden hält. Großer Bekanntheit erfreut sich die Musikprofessorin Ingrid Stampa, ehemalige Haushälterin in der Wohnung von Kardinal Ratzinger an der „Piazza der Città Leonina“ und heute in der deutschsprachigen Sektion des Staatssekretariats tätig. Im Päpstlichen Jahrbuch findet sich auch der Name der Sekretärin von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, Schreibkraft seines Vertrauens schon seit der Zeit, in der er noch die rechte Hand von Kardinal Ratzinger war: Eurosia „Rosi“ Bertolassi, aus den Reihen der Fokolarini.Ihr wurde im Juli vergangenen Jahres bei der Pressekonferenz, bei der eine stärkere weibliche Präsenz im Vatikan angekündigt wurde, ein öffentliches Lob von ihrem Vorgesetzten zuteil („eine ausgezeichnete und mir so unentbehrliche Mitarbeiterin, dass sie aus der Kongregation für die Glaubenslehre mit mir ins Staatssekretariat wechseln wird“). Die dienstälteste Frau im Apostolischen Palast, und folglich auch der erste Name in der Personalliste des Staatssekretariats, ist Schwester Maria Sebastiana Posati, die in dem Büro, das sich mit den administrativen Fragen befasst, eine wichtige Rolle hat. Im Statistischen Jahrbuch scheint auch Frau María Isabel Tellería Tapia auf, die sich seit mehr als 20 Jahren in der Zweiten Sektion um die Belange der Europäischen Gemeinschaft kümmert. Ihre Kompetenz und ihr resolutes Wesen sind derart sprichwörtlich geworden, dass sie ein Vorgesetzter einmal als eine Frau definierte, die „die Hosen anhat…“.
Dikasterien. Ein Blick auf die Kongregationen und Räte der Römischen Kurie zeigt, dass auch hier Frauen vertreten sind, wenn auch nicht sehr viele und mit Ausnahme des Dikasteriums, das sich mit dem Gottesdienst und der Sakramentenordnung beschäftigt. Nur sehr wenige Frauen haben jedoch formale verantwortungsvolle Ämter inne. Abgesehen von Sr. Enrica Rosanna – bisher einziger „Untersekretär“ einer Kongregation – sind noch Sr. Sharon Holland, Bürovorsteherin des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens, und Frau Paola Fabrizi, „Bürovorsteherin“ des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, zu nennen. Auch in der Dombauhütte St. Peter gibt es eine Bürovorsteherin, Frau Maria Cristina Carlo-Stella, die dieses Amt zuvor in der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter inne hatte.
Anderswo. Die Päpstliche Akademie der sozialen Wissenschaften wurde bisher von Frau Professor Mary Ann Glendon geleitet, sollte der Senat jedoch ihrer Ernennung zur Botschafterin der Vereinigten Staaten beim Hl. Stuhl zustimmen, dem sie von Präsident George W. Bush zugeteilt wurde, muss sie ihr hohes Amt natürlich niederlegen. In der Internationalen Theologenkommission sind drei Frauen vertreten: Sr. Sara Butler und Frau Professor Barbara Hallensleben. Dann haben wir noch die Päpstliche Fakultät „Auxilium“, die von den Don-Bosco-Schwestern geleitet wird (auch wenn der Großkanzler nicht die Generaloberin der Don-Bosco-Schwestern, sondern der Großrektor der Salesianer ist). Für die Frauen tabu bleiben – außer Rollen, für die auf der Grundlage des kanonischen Rechtes die Figur eines Priesters oder eines Bischofs vorgesehen ist – auch die Schweizer Garde, die Gendarmerie und die Päpstliche Musikkapelle. Aber die angekündigte Verstärkung der weiblichen Präsenz im Vatikan könnte sehr gut den Kommunikationssektor betreffen. Es stimmt zwar, dass die Redaktion des L’Osservatore Romano bisher rigoros in männlicher Hand war, aber der neue Chefredakteur, Giovanni Maria Vian, scheint mehr als gewillt, mit dieser Tradition zu brechen. Ganz abgesehen davon, dass – wenn erst der richtige Zeitpunkt gekommen ist – eine Frau auch ein verantwortungsvolles Amt im vatikanischen Presseamt innehaben wird.