DIE IN DEN KLÖSTERN VERSTECKTEN JUDEN
Mit den Augen eines kleinen Mädchens
Die Geschichte einer jüdischen Familie aus Turin, die von den Augustinerinnen des Klosters „Santi Quattro Coronati“ gerettet wurde, erzählt von einer der Töchter. Die damals, als die Familie in dem alten Kloster Zuflucht fand, acht Jahre alt war.
von Amalia Viterbo
Ich wurde am 18. August 1935
in Turin geboren: meine Mutter war Grundschullehrerin, mein Vater handelte
mit Pelzwaren. Ich habe noch drei jüngere Geschwister: Laura (geboren
1938), Davide (1939) und Silvio (1946).
Trotz der Judenverfolgung und der Kriegswirren konnte ich dank der harmonischen Atmosphäre, die meine Eltern um uns herum schufen, eine relativ ungetrübte Kindheit verleben.
Im Herbst 1938 mußte meine Mutter aus dem Schuldienst ausscheiden, weil sie Jüdin war; unser Vater konnte seine freiberufliche Tätigkeit weiter ausüben. Er war oft auf Reisen; wenn er aber zuhause war, fand er immer die Zeit, sich uns zu widmen, mit uns zu spielen. Als ich ca. drei Jahre alt war, schenkte er mir ein Fahrrad mit Stützen, mit dem ich im Korridor herumfahren durfte: am schönsten war es für mich aber, wenn er sich selbst auf das winzige Rad setzte; ich konnte mich dann vor Lachen gar nicht mehr einkriegen.
Kurz nach Kriegsbeginn wurde unsere Stadt bombardiert. Die Sirenen heulten oft mitten in der Nacht, und dann mußten wir unser warmes Bett verlassen und in den Keller flüchten: mehr als einmal trugen die Eltern uns schlafende, nur hastig in eine Decke gewickelte Kinder dort hinunter.
Die Fenster verdunkelte man damals, damit die Piloten der feindlichen Flugzeuge kein Licht sehen konnten. Nicht selten gingen die Fensterscheiben durch die von den Bombardierungen ausgelösten Vibrationen zu Bruch, und man mußte sich mit Sperrholz behelfen. Schon bald war dies in allen Häusern der Stadt ein gewohnter Anblick.

1941 konnte ich meinen sechsten Geburtstag feiern. Als
Jüdin durfte ich die öffentliche Schule in unserem Viertel nicht
besuchen. So ließen mich meine Eltern in der ersten Klasse einer
jüdischen Schule einschreiben. Jeden Morgen stieg ich mit meinem Vater
in die Straßenbahn Nr. 13, die damals nicht weit von uns zuhause, in
der Via San Donato, vorbeifuhr. Meine Lehrerin war Fräulein Bianca
Amar. Sie brachte uns auch Hebräisch bei, war stets freundlich und
gerecht – dennoch habe ich keine gute Erinnerung an dieses erste
Schuljahr. Es hat mich aber sehr gefreut, ihr nach dem Krieg wieder zu
begegnen, ganz besonders in der letzten Phase ihres Lebens, die sie in
einem jüdischen Altersheim zubrachte.
1942 waren die Bombardierungen immer intensiver geworden, und mein Vater, der wie durch ein Wunder einen Fliegerangriff auf einen Zug überlebt hatte (der Waggon, in dem er saß, war unter einem Tunnel stehengeblieben), beschloß, die Familie aus Turin fortzubringen. So kamen wir in eine kleine Ortschaft im Lanzo-Tal, Fé. Meine Großeltern wollten nicht mitkommen und blieben in Turin, aber dort wurden die Bombardierungen immer bedrohlicher und so zahlreich, dass wir vom Lanzo-Tal aus das Leuchten der Brandbomben sehen konnten. Mama machte sich um ihre Eltern große Sorgen, und eines Tages fuhr sie einfach mit mir nach Turin und bedrängte sie so lange, bis sie doch mit uns kamen. Großmutter Gemma und Großvater Marco lebten dann bis zum Ende des Krieges bei uns.
Ich hätte inzwischen eigentlich die zweite Volksschulklasse besuchen müssen, durfte aber nicht bei meinen Klassenkameraden sitzen, weil ich Jüdin war. Die Lehrerin war sehr freundlich und verständnisvoll, kam jeden Samstag aus dem 2km entfernten Precaria, wo sie wohnte, zu mir nach Hause. Sie brachte mir die Hausaufgaben für die ganze Woche und erklärte mir die Unterrichtsstunden. An ihren Namen kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an ihre Güte und an die Geduld, die sie mit mir hatte. Ich weiß gar nicht, wie ich dann doch die Zulassung zur dritten Volksschulklasse bekam.
Der Winter war in jenem Jahr besonders streng; wir mußten mit Nägeln beschlagene Schuhe tragen, um auf den vereisten Gehwegen nicht auszurutschen.
Bald kamen noch andere Verwandte zu uns nach Fè: die Mutter meiner Großmutter, die wir „Oma zwei“ nannten, zwei junge Neffen von ihr, unsere Cousins Ugo und Franco, eine Schwester meines Vaters, Tante Gina, mit Tochter Editta und Sohn Bruno, der verheiratet und Vater eines kleinen Jungen war. Unsere Urgroßmutter ging trotz ihres hohen Alters jeden Tag aus dem Haus. Um ihre Hände vor der Kälte zu schützen, wickelte sie einen Pelzmuff darum. Sie war eine starke Frau, die nichts erschüttern konnte. Sie sprach fast immer im Dialekt, und wenn sie verärgert war, entluden sich wahre Schimpfkanonaden über uns. Urgroßmutter, Ugo und Franco blieben aber nur kurze Zeit und gingen dann nach Mattie, ins Susatal.
Bei uns im Ort kannte jeder jeden, die Leute gingen sehr freundlich miteinander um. Unsere Spielkameraden waren die Kinder der Bauern und anderer, heimatlos gewordener Turiner Familien. Wir hielten zusammen wie Pech und Schwefel; in Ermangelung an Spielsachen kannte unsere Phantasie keine Grenzen. Wir hatten auch an den einfachsten Dingen die größte Freude. So „kreierten“ wir beispielsweise Kleider aus großen Kastanienblättern, zum Malen benutzten wir Kreide- oder Ziegelstücke, die wir auf der Straße gefunden hatten. Manchmal zerstießen wir sie auch – das ergab dann jenen weißen oder roten Puder, den wir als Schminke benutzten. Da wir nun auf dem Land wohnten, hatten auch wir Stadtkinder endlich Kontakt zur Natur und zu Tieren, im Haus und auf dem Feld. All das war sehr aufregend für uns, was kümmerte uns da der Krieg?
Doch dann, im Jahr 1943, war es damit schlagartig vorbei, besonders nach dem 8. September. Die deutschen Soldaten waren überall, auch unsere Oase des Friedens Fè war nicht mehr sicher. Überall wurde den Juden nachgestellt. Mein Vater erkannte die Gefahr und wollte sobald wie möglich nach Süditalien fliehen, wo die in Sizilien gelandeten anglo-amerikanischen Truppen ihren Marsch gen Norden begonnen hatten. Zunächst trug er sich mit dem Gedanken, nach Neapel zu fahren, aber das war leider nicht mehr möglich, weil inzwischen alle Kommunikationswege abgeschnitten waren. So wurde Rom zum Ziel bestimmt, dort hatten meine Eltern gute, zuverlässige Freunde. Da wir zu siebt waren, hatten wir natürlich sehr viel Gepäck. Die Zugfahrt verlief ohne Zwischenfälle – wenn sie uns auch unendlich lang vorkam, da der Zug sehr oft Halt machte, stundenlang stehenblieb. Der Abschnitt in der Toskana war sehr lang und gefährlich, weil die Deutschen dort Männer und Waffen konzentriert hatten und jeder ihrer Züge vor dem unsrigen Vortritt hatte. In Florenz blieb der Zug sehr lange stehen; vom Fenster aus konnten wir die deutschen Soldaten beobachten, wie sie dort beieinander saßen, aßen oder eine Zigarette rauchten.
Am Abend des 16. Oktober kamen wir endlich am römischen Bahnhof Termini an. Obwohl meine Eltern genug von der langen Reise hatten, beschlossen sie, diese Nacht noch im Zug zu verbringen.
Eine mehr als glänzende Idee, wie sich schon bald herausstellen sollte. In der Stadt wurden nämlich gerade Razzien durchgeführt, Tausende von Juden nach Deutschland deportiert. Und nur wenige kehrten zurück.

Am nächsten Morgen begaben wir uns zur beim
Bahnhof gelegenen Pension Massimo D’Azeglio. Wo uns ein gewaltiger
Schreck in die Glieder fuhr, als das Zimmermädchen, das unser
Gepäck aufs Zimmer tragen sollte, beim Anblick meiner Großmutter
Gemma erfreut ausrief: „Frau Levi! Erinnern Sie sich nicht an mich?
Ich war doch Verkäuferin in der Metzgerei Costa in der Via
Cibrario!“ Großmutter wurde kreidebleich, antwortete mit kaum
vernehmbarer Stimme und bedeutete dem Zimmermädchen zu schweigen. Der
Familienname Levi ist nämlich ein typisch jüdischer Name, der
einen jeden unweigerlich als Juden verriet – auch den Deutschen
gegenüber. Als wir endlich auf unserem Zimmer waren, erklärte
Großmutter dem zerknirschten Zimmermädchen, wie die Dinge
standen, und dieses entschuldigte sich.
Natürlich konnten wir nicht lange in der Pension bleiben; wir mußten noch oft einen neuen Unterschlupf suchen – bis wir schließlich in einem Nonnenkloster Aufnahme fanden. Viele Menschen halfen uns, besonders Professor Onorato Tescari, der gute Beziehungen zum Vatikan hatte. Er stellte uns der Mutter Oberin des Klosters „Santi Quattro Coronati“ vor, und eine der Nonnen, Maria Artemia, bot uns ihr Zimmer an, wo für meinen Vater und Großvater jedoch nicht genug Platz war. Die beiden mußten in einer Kapelle nahe dem Klostersektor nächtigen, wo die Klausurschwestern lebten.
Prof. Tescari war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit grauem Haar und blauen Augen. Er war sehr gelehrt, verehrte Augustinus, dessen Werke er übersetzt hatte. Er war zurückhaltend, aber sehr freundlich. Dank Professor Tescari, der uns freundlicherweise die Genehmigung besorgt hatte, konnte ich mit meiner Mutter einen Teil der Vatikanstadt besichtigen – woran ich mich allerdings kaum erinnern kann. Gut dagegen habe ich noch die Schweizer Garden im Gedächtnis, mit ihren bunten Uniformen und spitzen Lanzen. Manchmal holten uns Vater und Großvater im Kloster ab, und wir gingen mit ihnen bis zur Sperrstunde aus. Wenn es regnete oder sehr kalt war, blieben wir im Kloster: wir konnten uns überall frei bewegen, von der großen Küche bis zu den Räumen, wo die Taubstummen kochten, von der Waschküche bis zur Kapelle, in der eine junge, hübsche Schwester uns Kindern die Gebete beibrachte.
Es gab auch einen großen, gepflegten Garten mit Obstbäumen; in eine Ecke hatten die Schwestern den Schweinestall bauen lassen, und ich kann mich noch gut erinnern, wie gern wir den Ferkeln dabei zusahen, wie sie gesäugt wurden, oder den großen Schweinen, die laut grunzend aufgeregt umherliefen, wenn sie die Schwester mit dem Futterkübel hereinkommen sahen.
In der ersten Zeit im Kloster hatten wir noch unsere Ausweise mit dem Stempel „jüdische Rasse“. Als jedoch bekannt wurde, dass sich die SS wenig um die Unverletzlichkeit der Klöster kümmerte, machte sich die Mutter Oberin der Klausurschwestern, Sr. Maria Rita, berechtigte Sorgen um uns und konnte uns dank ihrer guten Beziehungen gefälschte Ausweise besorgen. Unsere Großeltern hießen nun mit Nachnamen Mancini, wir dagegen De Sanctis; Geburtsort: Neapel, Wohnsitz: Lungomare Caracciolo. Der geschickte Fälscher war ein einfacher, aber mutiger Polizeibeamter gewesen: Herr Ampio.
Nach der Festnahme einiger jüdischer Familien, die im Kloster St. Paul vor den Mauern Unterschlupf gefunden hatten, bekamen es auch meine Eltern mit der Angst zu tun, suchten mit Hilfe der Schwestern ein sichereres Versteck für uns – für den Fall, dass auch unser Zufluchtsort von der Gestapo durchsucht würde. Die Schwestern steckten meine Mutter vorsichtshalber in eine Ordenstracht und zeigten uns Kindern eine hinter einem Schrank versteckte Bodenluke.
Ich erinnere mich an einen Abend großer Aufregung. Meine Eltern waren nicht zurückgekommen, obwohl längst Sperrstunde war. Dann kam auf einmal die Hausmeisterin des Klosters herbei gelaufen und sagte der Mutter Oberin aufgeregt, dass die Deutschen vor der Tür stünden. Wir hatten es kaum vernommen, da rannten wir auch schon zur Bodenluke und versteckten uns: das Herz schlug uns bis zum Hals, die Zeit verging quälend langsam, die Angst schnürte uns die Kehle zu. Meine Eltern waren noch immer nicht zurück und wir fürchteten, man habe sie gefasst. Nach ungefähr einer Stunde hörten wir, wie jemand den Schrank beiseite schob und meinten schon, entdeckt worden zu sein – aber zum Glück waren es nur die Schwestern, die uns sagten, dass die Luft rein sei und unsere Eltern zurückgekehrt wären. Was für eine Freude! Mit strahlenden Augen umarmten wir einander. Zu unserem Glück hatte sich die Hausmeisterin geirrt, Kaffeeschwarzhändler für Deutsche gehalten.
Als wir im Kloster wohnten, gingen wir oft in die Gärten des Colle Oppio, wo wir Fangen spielten – aber wehe uns, wenn wir auf den Beeten oder auf dem Rasen herumtrampelten! Dann gab es einen ordentlichen Rüffel von unseren Eltern oder Großeltern, die fürchteten, wir könnten uns einen Strafzettel einhandeln oder man könne unsere Ausweise verlangen, die schließlich gefälscht waren. So kam es, dass mir Großmutter Gemma, die doch sonst so geduldig und durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, ausgerechnet in Rom meine erste, und einzige, Ohrfeige gab: ich war achtlos über eine Straße gerannt, ohne auf ihr Rufen zu hören.
In jenem Jahr konnte ich natürlich nicht zur Schule gehen; wir zogen ständig um und fanden schließlich eine große Wohnung in der Via Pierluigi da Palestrina, nahe Piazza Cavour. Die Wohnung gehörte einer Faschistenfamilie, die sich nach Süditalien abgesetzt hatte. In einem Zimmer hatten sie alles eingeschlossen, was sie nicht mitnehmen konnten, und wir Kinder waren natürlich sehr neugierig, was sich wohl hinter dieser Tür befand; den Schlüssel hatten sie aber mitgenommen. Verglichen mit dem engen Raum, mit dem wir uns im Kloster hatten begnügen müssen, kam uns diese neue Unterkunft wie ein Palast vor – hier konnten wir im Korridor herumtoben, ungestört spielen. Manche Spiele erfanden wir selbst: an eines davon erinnere ich mich noch. Es wurde im Esszimmer gespielt. Wir stiegen, einer nach dem anderen, auf einen Stuhl am Tischende, gingen dann über den Tisch, bis wir in der Mitte, genau unter dem Kronleuchter, angekommen waren. Dort verbeugten wir uns, die Hände über der Brust verschränkt, und sagten: „da bade, dabù“, dann stiegen wir auf den Stuhl am anderen Tischende, und das Ganze ging wieder von vorne los, bis wir genug davon hatten.
In der neuen, großen Wohnung spielte es sich viel besser als im Park, wo unsere Eltern und Großeltern immer befürchtet hatten, wir könnten sie durch irgendeine Unachtsamkeit in die Lage bringen, die gefälschten Ausweise herzeigen zu müssen. Einmal, als Großmutter Gemma und ich allein zu Hause waren, läutete die Türglocke. Es war der Gemeindepolizist, der uns die Lebensmittelmarken brachte. Ich rief meine Großmutter, und der Beamte fragte sie nach ihrem Namen. Großmutter war so überrascht, dass ihr ihr falscher Name nicht einfiel. Sie war zwar zu Tode erschrocken, aber zum Glück schlagfertig genug, zu sagen: „Entschuldigen Sie, ich habe etwas auf dem Herd vergessen! Einen Moment!“ Kurz danach kam sie wieder zurück und sagte ruhig: „Ich bin Frau Gemma Mancini.“ Der Beamte gab ihr die Marken und zog von dannen, ohne etwas bemerkt zu haben. Großmutter jedoch zitterten noch lange die Knie und sie war feuerrot vor Aufregung.

Die Monate vergingen, die anglo-amerikanischen Truppen
kamen nur langsam vorwärts. Als sie schließlich in Anzio, in der
Nähe von Rom, landeten, glaubten wir schon, bald frei zu sein. Man
konnte die Kanonenschüsse hören, aber die Deutschen leisteten
erbitterten Widerstand. Die Nahrungsmittel waren inzwischen knapp geworden,
die Preise auf dem Schwarzmarkt in schwindelnde Höhe gestiegen. Unser
Vater hatte zwar Geld mitgenommen, aber das Ende des Krieges war noch immer
nicht absehbar und unsere Reserven so gut wie aufgebraucht.
Es gab wenig und beileibe nichts Gutes zu essen; es fehlte an allem, und mit den Lebensmittelmarken konnte man sich nur lächerlich kleine Rationen beschaffen. Nur auf dem Schwarzmarkt gab es noch alles, aber das war für uns schon längst nicht mehr erschwinglich. In Tor di Nona wurde alles nur Mögliche illegal verkauft. Die Händler waren unglaublich gut organisiert, ließen sich fast nie von der Polizei erwischen. Wenn sie einen Polizisten in der Nähe sahen, konnte man den Ruf vernehmen: „Es regnet, es regnet!“; was bedeutete, dass Gefahr im Anmarsch war. Sie ließen ihre Ware dann sofort verschwinden und nahmen ihre „Aktivität“ erst dann wieder auf, wenn die Luft rein war.
Wir mußten uns so manches einfallen lassen, um ein bisschen Geld aufzutreiben: meine Mutter verkaufte auf der Straße Garn, Nähnadeln und Broschen, aber viel brachte das nicht ein. Als ein Freund meines Vaters in Erfahrung brachte, dass das deutsche Militärkommando Pelze in den Norden transportieren mußte, bot sich mein Vater an, den Fahrer zu begleiten und einen Käufer zu finden: Die Sorge um seine Familie ließ ihn jede Vorsicht vergessen.
Das Geschäft klappte, und unser Vater kam mit einer schönen Summe Geldes nach Hause, mit dem wir bis zur Befreiung überleben konnten.
Die alliierten Truppen rückten immer näher, und in Rom kamen keine Nahrungsmittel mehr an. Die Menschen aßen Johannisbrot, altes, hartes Schwarzbrot; es gab keinen Strom mehr, nur Acetylen- oder Steinalaunlampen, die zwar wenig Licht, dafür aber umso mehr Rauch abgaben. Die öffentlichen Verkehrsmittel zirkulierten längst nicht mehr; die Stadt war wie im Belagerungszustand.
Die deutschen Truppen zogen Ende Mai 1944 gen Norden weiter, viele Soldaten waren verletzt, aber nicht alle fanden Platz auf den Lastern oder in den Militärautos; viele davon waren bei den Kämpfen zerstört worden. Als Ersatz für die gefallenen oder schwer verletzten Soldaten hatte Hitler blutjunge Burschen im Alter von 16-17 Jahren an die Front geschickt. Zum Glück kam es in der Stadt zu keinen schweren Auseinandersetzungen; nur in den Vorstadtgebieten versuchten die Deutschen noch, wenngleich vergebens, den anglo-amerikanischen Truppen Einhalt zu gebieten. Die Soldaten der Wehrmacht waren zu Tode erschöpft: ich habe diese ausgezehrten Männer in ihrer zerschlissenen Kleidung aus Rom abziehen sehen.
Mein Großvater hatte Mitleid mit diesen deutschen Soldaten, die fast noch Kinder waren; er sprach einmal ein paar von ihnen, die im Park von Piazza Cavour Halt gemacht hatten, auf deutsch an und steckte ihnen Geld zu, damit sie sich etwas zu trinken kaufen konnten.
Hier noch eine andere Episode, die sich sehr viel früher ereignet hat: meine Mutter, meine Schwester und ich saßen gerade in der Straßenbahn. In unserem Waggon befanden sich auch deutsche Soldaten, und als einer von ihnen die kleine Laura mit ihren blonden Locken sah, kam er näher, strich ihr übers Haar und sagte, dass sie ihn an seine kleine Tochter erinnere, die er schon lange nicht mehr gesehen hätte. Obwohl es sich nur um eine nette Geste des Soldaten gehandelt hatte, stand meine Mutter Todesängste aus. Immerhin waren die deutschen Soldaten nicht nur wegen ihrer Waffen sehr gefürchtet, sondern schüchterten die Menschen auch mit ihrem herrischen Verhalten ein, dem metallischen, gebieterischen Klang ihrer Sprache. Noch heute läuft es mir eiskalt über den Rücken, wenn ich jemanden deutsch sprechen höre, und wenn es vorkam, dass man mir ein deutsches Produkt verkaufen wollte, wollte ich es nicht haben.
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni erhoben sich auf der Straße plötzlich Rufe. Wir verstanden nicht. Dann meinten wir, „Räuber! Räuber!“ zu hören. In Wahrheit aber riefen sie: „Die Amerikaner! Die Amerikaner!“ Am Morgen darauf sahen wir tatsächlich die amerikanischen Panzer vorbeifahren. Wir waren wie verrückt vor Freude. Was für ein Unterschied war da doch zwischen den deutschen Soldaten und den wohlgenährten, gut gekleideten und gut bewaffneten amerikanischen Soldaten! Sie warfen den Menschen Schokoladetafeln und andere Köstlichkeiten zu, die niemand je zuvor gekostet hatte.
In der Stadt nahm allmählich alles wieder seinen gewohnten Gang. Mama erhielt ihren Posten als Grundschullehrerin zurück und ich konnte mit einem Jahr Verspätung die dritte Klasse besuchen, meine Schwester dagegen wurde endlich eingeschult. An eine Rückkehr nach Turin war allerdings noch nicht zu denken und da wir von unseren Verwandten schon lange nichts mehr gehört hatten, machten wir uns große Sorgen.
Meine Mutter, die ein wenig englisch sprach, konnte sich mit den Soldaten unterhalten und wir freundeten uns mit einem Schwarzen an, der uns oft besuchte und uns Essen brachte. Er hieß Johnson, war sehr groß und kräftig, konnte zwei von uns Kindern problemlos hochheben und im Kreis drehen lassen, als wären wir auf einem Karussell. Wir mochten ihn sehr gern; leider wurde er dann in die Normandie geschickt. Er ist an der Front gefallen.
Unser Vater nahm seine Arbeit mit den Kunden aus dem Süden wieder auf, was trotz der Befreiung nicht immer ganz ungefährlich war. So wurde er dann auch bei einer seiner Reisen tatsächlich von der M.P. (Military Police) verhaftet und einige Tage eingesperrt. Ein traumatisches Erlebnis, das meinen Vater nachhaltig zeichnete: seine Haare wurden über Nacht grau, er wirkte um 10 Jahre gealtert. Geschehen war folgendes: mein Vater und ein Freund fuhren gerade mit einem Kleinlaster nach Rom zurück, als sie in der Nähe von Terracina plötzlich von einem Jeep mit US-Soldaten angehalten wurden. Die Soldaten hießen meinen Vater und seinen Freund aussteigen und zwangen sie unwirsch – unter Schreien, Hieben und Ohrfeigen –, ihnen zu folgen. Sie waren betrunken und behaupteten, der Laster wäre zu schnell gefahren und hätte trotz ihrer wiederholten Signale nicht angehalten. Mein Vater und sein Freund protestierten gegen diese Behandlung, aber die Soldaten hörten ihnen gar nicht zu, sondern brachten sie auf ihr Kommando, wo man sie ein paar Tage lang in eine Zelle sperrte. Nie hätte sich mein Vater träumen lassen, gerade von den Amerikanern, die er als unsere Befreier sah, ungerecht behandelt, ja sogar misshandelt zu werden. Es war ein schwerer Schlag für ihn, der sowohl psychische als auch körperliche Auswirkungen hatte. Er sagte, dass ihn die verhaßten Deutschen nie so schlecht behandelt hätten wie die Amerikaner, auf die er seine ganze Hoffnung auf eine bessere Welt gesetzt hatte.
Wir freundeten uns mit einem in Rom stationierten Soldaten aus dem Piemont an, Bruno Barbero, zu dem wir noch lange Jahre in Turin Kontakt hatten, wo er eine Druckerei aufmachte.
Nach der Befreiung Roms, die in meiner Erinnerung mit der Ankunft der Amerikaner begann, nahm auch die Synagoge ihre religiöse Aktivität wieder auf. Wir gingen ein paar Mal hin, und wir Turiner waren erstaunt darüber, wie die Gläubigen und der Rabbiner mit Armen und Beinen gestikulierten – es mutete uns fast schon theatralisch an. Wie anders war doch der Ritus in Rom! Ich mußte mich immer wieder umblicken, so erstaunt war ich darüber, wie sehr sich das gesetzte Verhalten der Menschen in der Synagoge von Turin von der merkwürdigen Gestik der römischen Juden unterschied!
Als wir noch in der Via Pierluigi da Palestrina wohnten, nahm mich mein Großvater jeden Tag auf einen Spaziergang mit. Am Tiber entlang gingen wir an der Engelsburg vorbei zum Petersplatz. Großvater wußte, dass es in dem den Platz umgebenden Säulengang einen Punkt gab, von dem aus man nicht mehrere Säulen sieht, sondern nur eine einzige. Und er hat die Stelle gefunden. Die auf dem Boden liegenden Zigarettenstummel sammelte er immer auf, um sich aus dem Tabak zuhause selbst Zigaretten zu drehen.
Der Krieg hat viele Menschen das Leben gekostet, nicht alle unsere Verwandten haben ihn überlebt. Manche waren deportiert worden und kamen nie wieder zurück, andere starben nach den vielen Entbehrungen, wurden von Krankheiten dahingerafft. Ich möchte hier besonders an eine Person erinnern, die uns Kindern sehr ans Herz gewachsen war: Lena. Sie war wohl 16 Jahre alt, als sie in Turin in den Dienst meiner Familie trat. Ich hatte sie sehr gern, fast wie eine große Schwester. Besondere Geduld hatte sie mit der damals dreijährigen Laura, die eine wahre Nervensäge sein konnte. Lena war auch sehr fleißig und stark – trotz ihrer zarten Statur. Zum Polieren des Parkettbodens benutzte sie einen sogenannten Bohner, eine schwere Metallplattform mit einem Holzstiel. Wie gern stiegen wir Kinder doch auf diesen Bohner, hielten uns am Stiel fest und ließen uns von Lena von einem Zimmer ins andere ziehen!
Als wir Turin verlassen mußten, folgte uns die treue Lena nach Fè; ihr hatten meine Eltern alle Dinge anvertraut, die wir nicht von Fè nach Rom bringen konnten. Im Oktober 1943 trennten sich unsere Wege – wir waren sicher, sie nach Kriegsende wiederzusehen. Aber eine Schießerei in einem Zug wurde ihr zum Verhängnis: sie hatte nach Saluzzo fahren wollen, um ihre Eltern zu besuchen. Sie war erst 20 Jahre alt.
Als dann im April 1945 ganz Italien befreit war, fuhren wir im Auto eines venezianischen Adeligen, Graf Bragadin, nach Turin zurück. Eine wahrhaft denkwürdige Reise, mit allen nur möglichen Pannen. Die Straßen waren in einem so schlechten Zustand, dass wir mehr als einmal ein Loch im Reifen hatten – und es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der es reparieren konnte. Das Auto war recht altersschwach, zwar sehr geräumig, aber vollkommen überladen mit Personen und Gepäck; wir kamen also nur langsam voran und es dauerte mehrere Tage, bis wir unser Ziel erreichten. Der Fahrer, Graf Bragadin, hatte seine Geliebte in Bologna gelassen und wollte direkt nach Venedig fahren, aber mein Vater erinnerte ihn an sein in Rom gegebenes Versprechen und so mußte er uns nach Turin bringen. Unsere Rückkehr in diese Stadt, der die Bomben so manche Wunde zugefügt hatten, war mehr als bewegend.
Trotz der Judenverfolgung und der Kriegswirren konnte ich dank der harmonischen Atmosphäre, die meine Eltern um uns herum schufen, eine relativ ungetrübte Kindheit verleben.
Im Herbst 1938 mußte meine Mutter aus dem Schuldienst ausscheiden, weil sie Jüdin war; unser Vater konnte seine freiberufliche Tätigkeit weiter ausüben. Er war oft auf Reisen; wenn er aber zuhause war, fand er immer die Zeit, sich uns zu widmen, mit uns zu spielen. Als ich ca. drei Jahre alt war, schenkte er mir ein Fahrrad mit Stützen, mit dem ich im Korridor herumfahren durfte: am schönsten war es für mich aber, wenn er sich selbst auf das winzige Rad setzte; ich konnte mich dann vor Lachen gar nicht mehr einkriegen.
Kurz nach Kriegsbeginn wurde unsere Stadt bombardiert. Die Sirenen heulten oft mitten in der Nacht, und dann mußten wir unser warmes Bett verlassen und in den Keller flüchten: mehr als einmal trugen die Eltern uns schlafende, nur hastig in eine Decke gewickelte Kinder dort hinunter.
Die Fenster verdunkelte man damals, damit die Piloten der feindlichen Flugzeuge kein Licht sehen konnten. Nicht selten gingen die Fensterscheiben durch die von den Bombardierungen ausgelösten Vibrationen zu Bruch, und man mußte sich mit Sperrholz behelfen. Schon bald war dies in allen Häusern der Stadt ein gewohnter Anblick.

Ein Bild des Klosters „Santi Quattro Coronati“ auf einem Foto aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
1942 waren die Bombardierungen immer intensiver geworden, und mein Vater, der wie durch ein Wunder einen Fliegerangriff auf einen Zug überlebt hatte (der Waggon, in dem er saß, war unter einem Tunnel stehengeblieben), beschloß, die Familie aus Turin fortzubringen. So kamen wir in eine kleine Ortschaft im Lanzo-Tal, Fé. Meine Großeltern wollten nicht mitkommen und blieben in Turin, aber dort wurden die Bombardierungen immer bedrohlicher und so zahlreich, dass wir vom Lanzo-Tal aus das Leuchten der Brandbomben sehen konnten. Mama machte sich um ihre Eltern große Sorgen, und eines Tages fuhr sie einfach mit mir nach Turin und bedrängte sie so lange, bis sie doch mit uns kamen. Großmutter Gemma und Großvater Marco lebten dann bis zum Ende des Krieges bei uns.
Ich hätte inzwischen eigentlich die zweite Volksschulklasse besuchen müssen, durfte aber nicht bei meinen Klassenkameraden sitzen, weil ich Jüdin war. Die Lehrerin war sehr freundlich und verständnisvoll, kam jeden Samstag aus dem 2km entfernten Precaria, wo sie wohnte, zu mir nach Hause. Sie brachte mir die Hausaufgaben für die ganze Woche und erklärte mir die Unterrichtsstunden. An ihren Namen kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an ihre Güte und an die Geduld, die sie mit mir hatte. Ich weiß gar nicht, wie ich dann doch die Zulassung zur dritten Volksschulklasse bekam.
Der Winter war in jenem Jahr besonders streng; wir mußten mit Nägeln beschlagene Schuhe tragen, um auf den vereisten Gehwegen nicht auszurutschen.
Bald kamen noch andere Verwandte zu uns nach Fè: die Mutter meiner Großmutter, die wir „Oma zwei“ nannten, zwei junge Neffen von ihr, unsere Cousins Ugo und Franco, eine Schwester meines Vaters, Tante Gina, mit Tochter Editta und Sohn Bruno, der verheiratet und Vater eines kleinen Jungen war. Unsere Urgroßmutter ging trotz ihres hohen Alters jeden Tag aus dem Haus. Um ihre Hände vor der Kälte zu schützen, wickelte sie einen Pelzmuff darum. Sie war eine starke Frau, die nichts erschüttern konnte. Sie sprach fast immer im Dialekt, und wenn sie verärgert war, entluden sich wahre Schimpfkanonaden über uns. Urgroßmutter, Ugo und Franco blieben aber nur kurze Zeit und gingen dann nach Mattie, ins Susatal.
Bei uns im Ort kannte jeder jeden, die Leute gingen sehr freundlich miteinander um. Unsere Spielkameraden waren die Kinder der Bauern und anderer, heimatlos gewordener Turiner Familien. Wir hielten zusammen wie Pech und Schwefel; in Ermangelung an Spielsachen kannte unsere Phantasie keine Grenzen. Wir hatten auch an den einfachsten Dingen die größte Freude. So „kreierten“ wir beispielsweise Kleider aus großen Kastanienblättern, zum Malen benutzten wir Kreide- oder Ziegelstücke, die wir auf der Straße gefunden hatten. Manchmal zerstießen wir sie auch – das ergab dann jenen weißen oder roten Puder, den wir als Schminke benutzten. Da wir nun auf dem Land wohnten, hatten auch wir Stadtkinder endlich Kontakt zur Natur und zu Tieren, im Haus und auf dem Feld. All das war sehr aufregend für uns, was kümmerte uns da der Krieg?
Doch dann, im Jahr 1943, war es damit schlagartig vorbei, besonders nach dem 8. September. Die deutschen Soldaten waren überall, auch unsere Oase des Friedens Fè war nicht mehr sicher. Überall wurde den Juden nachgestellt. Mein Vater erkannte die Gefahr und wollte sobald wie möglich nach Süditalien fliehen, wo die in Sizilien gelandeten anglo-amerikanischen Truppen ihren Marsch gen Norden begonnen hatten. Zunächst trug er sich mit dem Gedanken, nach Neapel zu fahren, aber das war leider nicht mehr möglich, weil inzwischen alle Kommunikationswege abgeschnitten waren. So wurde Rom zum Ziel bestimmt, dort hatten meine Eltern gute, zuverlässige Freunde. Da wir zu siebt waren, hatten wir natürlich sehr viel Gepäck. Die Zugfahrt verlief ohne Zwischenfälle – wenn sie uns auch unendlich lang vorkam, da der Zug sehr oft Halt machte, stundenlang stehenblieb. Der Abschnitt in der Toskana war sehr lang und gefährlich, weil die Deutschen dort Männer und Waffen konzentriert hatten und jeder ihrer Züge vor dem unsrigen Vortritt hatte. In Florenz blieb der Zug sehr lange stehen; vom Fenster aus konnten wir die deutschen Soldaten beobachten, wie sie dort beieinander saßen, aßen oder eine Zigarette rauchten.
Am Abend des 16. Oktober kamen wir endlich am römischen Bahnhof Termini an. Obwohl meine Eltern genug von der langen Reise hatten, beschlossen sie, diese Nacht noch im Zug zu verbringen.
Eine mehr als glänzende Idee, wie sich schon bald herausstellen sollte. In der Stadt wurden nämlich gerade Razzien durchgeführt, Tausende von Juden nach Deutschland deportiert. Und nur wenige kehrten zurück.

Deutsche Fallschirmjäger bei einer Razzia auf den Straßen Roms (Frühling 1944)
Natürlich konnten wir nicht lange in der Pension bleiben; wir mußten noch oft einen neuen Unterschlupf suchen – bis wir schließlich in einem Nonnenkloster Aufnahme fanden. Viele Menschen halfen uns, besonders Professor Onorato Tescari, der gute Beziehungen zum Vatikan hatte. Er stellte uns der Mutter Oberin des Klosters „Santi Quattro Coronati“ vor, und eine der Nonnen, Maria Artemia, bot uns ihr Zimmer an, wo für meinen Vater und Großvater jedoch nicht genug Platz war. Die beiden mußten in einer Kapelle nahe dem Klostersektor nächtigen, wo die Klausurschwestern lebten.
Prof. Tescari war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit grauem Haar und blauen Augen. Er war sehr gelehrt, verehrte Augustinus, dessen Werke er übersetzt hatte. Er war zurückhaltend, aber sehr freundlich. Dank Professor Tescari, der uns freundlicherweise die Genehmigung besorgt hatte, konnte ich mit meiner Mutter einen Teil der Vatikanstadt besichtigen – woran ich mich allerdings kaum erinnern kann. Gut dagegen habe ich noch die Schweizer Garden im Gedächtnis, mit ihren bunten Uniformen und spitzen Lanzen. Manchmal holten uns Vater und Großvater im Kloster ab, und wir gingen mit ihnen bis zur Sperrstunde aus. Wenn es regnete oder sehr kalt war, blieben wir im Kloster: wir konnten uns überall frei bewegen, von der großen Küche bis zu den Räumen, wo die Taubstummen kochten, von der Waschküche bis zur Kapelle, in der eine junge, hübsche Schwester uns Kindern die Gebete beibrachte.
Es gab auch einen großen, gepflegten Garten mit Obstbäumen; in eine Ecke hatten die Schwestern den Schweinestall bauen lassen, und ich kann mich noch gut erinnern, wie gern wir den Ferkeln dabei zusahen, wie sie gesäugt wurden, oder den großen Schweinen, die laut grunzend aufgeregt umherliefen, wenn sie die Schwester mit dem Futterkübel hereinkommen sahen.
In der ersten Zeit im Kloster hatten wir noch unsere Ausweise mit dem Stempel „jüdische Rasse“. Als jedoch bekannt wurde, dass sich die SS wenig um die Unverletzlichkeit der Klöster kümmerte, machte sich die Mutter Oberin der Klausurschwestern, Sr. Maria Rita, berechtigte Sorgen um uns und konnte uns dank ihrer guten Beziehungen gefälschte Ausweise besorgen. Unsere Großeltern hießen nun mit Nachnamen Mancini, wir dagegen De Sanctis; Geburtsort: Neapel, Wohnsitz: Lungomare Caracciolo. Der geschickte Fälscher war ein einfacher, aber mutiger Polizeibeamter gewesen: Herr Ampio.
Nach der Festnahme einiger jüdischer Familien, die im Kloster St. Paul vor den Mauern Unterschlupf gefunden hatten, bekamen es auch meine Eltern mit der Angst zu tun, suchten mit Hilfe der Schwestern ein sichereres Versteck für uns – für den Fall, dass auch unser Zufluchtsort von der Gestapo durchsucht würde. Die Schwestern steckten meine Mutter vorsichtshalber in eine Ordenstracht und zeigten uns Kindern eine hinter einem Schrank versteckte Bodenluke.
Ich erinnere mich an einen Abend großer Aufregung. Meine Eltern waren nicht zurückgekommen, obwohl längst Sperrstunde war. Dann kam auf einmal die Hausmeisterin des Klosters herbei gelaufen und sagte der Mutter Oberin aufgeregt, dass die Deutschen vor der Tür stünden. Wir hatten es kaum vernommen, da rannten wir auch schon zur Bodenluke und versteckten uns: das Herz schlug uns bis zum Hals, die Zeit verging quälend langsam, die Angst schnürte uns die Kehle zu. Meine Eltern waren noch immer nicht zurück und wir fürchteten, man habe sie gefasst. Nach ungefähr einer Stunde hörten wir, wie jemand den Schrank beiseite schob und meinten schon, entdeckt worden zu sein – aber zum Glück waren es nur die Schwestern, die uns sagten, dass die Luft rein sei und unsere Eltern zurückgekehrt wären. Was für eine Freude! Mit strahlenden Augen umarmten wir einander. Zu unserem Glück hatte sich die Hausmeisterin geirrt, Kaffeeschwarzhändler für Deutsche gehalten.
Als wir im Kloster wohnten, gingen wir oft in die Gärten des Colle Oppio, wo wir Fangen spielten – aber wehe uns, wenn wir auf den Beeten oder auf dem Rasen herumtrampelten! Dann gab es einen ordentlichen Rüffel von unseren Eltern oder Großeltern, die fürchteten, wir könnten uns einen Strafzettel einhandeln oder man könne unsere Ausweise verlangen, die schließlich gefälscht waren. So kam es, dass mir Großmutter Gemma, die doch sonst so geduldig und durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, ausgerechnet in Rom meine erste, und einzige, Ohrfeige gab: ich war achtlos über eine Straße gerannt, ohne auf ihr Rufen zu hören.
In jenem Jahr konnte ich natürlich nicht zur Schule gehen; wir zogen ständig um und fanden schließlich eine große Wohnung in der Via Pierluigi da Palestrina, nahe Piazza Cavour. Die Wohnung gehörte einer Faschistenfamilie, die sich nach Süditalien abgesetzt hatte. In einem Zimmer hatten sie alles eingeschlossen, was sie nicht mitnehmen konnten, und wir Kinder waren natürlich sehr neugierig, was sich wohl hinter dieser Tür befand; den Schlüssel hatten sie aber mitgenommen. Verglichen mit dem engen Raum, mit dem wir uns im Kloster hatten begnügen müssen, kam uns diese neue Unterkunft wie ein Palast vor – hier konnten wir im Korridor herumtoben, ungestört spielen. Manche Spiele erfanden wir selbst: an eines davon erinnere ich mich noch. Es wurde im Esszimmer gespielt. Wir stiegen, einer nach dem anderen, auf einen Stuhl am Tischende, gingen dann über den Tisch, bis wir in der Mitte, genau unter dem Kronleuchter, angekommen waren. Dort verbeugten wir uns, die Hände über der Brust verschränkt, und sagten: „da bade, dabù“, dann stiegen wir auf den Stuhl am anderen Tischende, und das Ganze ging wieder von vorne los, bis wir genug davon hatten.
In der neuen, großen Wohnung spielte es sich viel besser als im Park, wo unsere Eltern und Großeltern immer befürchtet hatten, wir könnten sie durch irgendeine Unachtsamkeit in die Lage bringen, die gefälschten Ausweise herzeigen zu müssen. Einmal, als Großmutter Gemma und ich allein zu Hause waren, läutete die Türglocke. Es war der Gemeindepolizist, der uns die Lebensmittelmarken brachte. Ich rief meine Großmutter, und der Beamte fragte sie nach ihrem Namen. Großmutter war so überrascht, dass ihr ihr falscher Name nicht einfiel. Sie war zwar zu Tode erschrocken, aber zum Glück schlagfertig genug, zu sagen: „Entschuldigen Sie, ich habe etwas auf dem Herd vergessen! Einen Moment!“ Kurz danach kam sie wieder zurück und sagte ruhig: „Ich bin Frau Gemma Mancini.“ Der Beamte gab ihr die Marken und zog von dannen, ohne etwas bemerkt zu haben. Großmutter jedoch zitterten noch lange die Knie und sie war feuerrot vor Aufregung.

Eine Straße des jüdischen Ghettos in Rom
Es gab wenig und beileibe nichts Gutes zu essen; es fehlte an allem, und mit den Lebensmittelmarken konnte man sich nur lächerlich kleine Rationen beschaffen. Nur auf dem Schwarzmarkt gab es noch alles, aber das war für uns schon längst nicht mehr erschwinglich. In Tor di Nona wurde alles nur Mögliche illegal verkauft. Die Händler waren unglaublich gut organisiert, ließen sich fast nie von der Polizei erwischen. Wenn sie einen Polizisten in der Nähe sahen, konnte man den Ruf vernehmen: „Es regnet, es regnet!“; was bedeutete, dass Gefahr im Anmarsch war. Sie ließen ihre Ware dann sofort verschwinden und nahmen ihre „Aktivität“ erst dann wieder auf, wenn die Luft rein war.
Wir mußten uns so manches einfallen lassen, um ein bisschen Geld aufzutreiben: meine Mutter verkaufte auf der Straße Garn, Nähnadeln und Broschen, aber viel brachte das nicht ein. Als ein Freund meines Vaters in Erfahrung brachte, dass das deutsche Militärkommando Pelze in den Norden transportieren mußte, bot sich mein Vater an, den Fahrer zu begleiten und einen Käufer zu finden: Die Sorge um seine Familie ließ ihn jede Vorsicht vergessen.
Das Geschäft klappte, und unser Vater kam mit einer schönen Summe Geldes nach Hause, mit dem wir bis zur Befreiung überleben konnten.
Die alliierten Truppen rückten immer näher, und in Rom kamen keine Nahrungsmittel mehr an. Die Menschen aßen Johannisbrot, altes, hartes Schwarzbrot; es gab keinen Strom mehr, nur Acetylen- oder Steinalaunlampen, die zwar wenig Licht, dafür aber umso mehr Rauch abgaben. Die öffentlichen Verkehrsmittel zirkulierten längst nicht mehr; die Stadt war wie im Belagerungszustand.
Die deutschen Truppen zogen Ende Mai 1944 gen Norden weiter, viele Soldaten waren verletzt, aber nicht alle fanden Platz auf den Lastern oder in den Militärautos; viele davon waren bei den Kämpfen zerstört worden. Als Ersatz für die gefallenen oder schwer verletzten Soldaten hatte Hitler blutjunge Burschen im Alter von 16-17 Jahren an die Front geschickt. Zum Glück kam es in der Stadt zu keinen schweren Auseinandersetzungen; nur in den Vorstadtgebieten versuchten die Deutschen noch, wenngleich vergebens, den anglo-amerikanischen Truppen Einhalt zu gebieten. Die Soldaten der Wehrmacht waren zu Tode erschöpft: ich habe diese ausgezehrten Männer in ihrer zerschlissenen Kleidung aus Rom abziehen sehen.
Mein Großvater hatte Mitleid mit diesen deutschen Soldaten, die fast noch Kinder waren; er sprach einmal ein paar von ihnen, die im Park von Piazza Cavour Halt gemacht hatten, auf deutsch an und steckte ihnen Geld zu, damit sie sich etwas zu trinken kaufen konnten.
Hier noch eine andere Episode, die sich sehr viel früher ereignet hat: meine Mutter, meine Schwester und ich saßen gerade in der Straßenbahn. In unserem Waggon befanden sich auch deutsche Soldaten, und als einer von ihnen die kleine Laura mit ihren blonden Locken sah, kam er näher, strich ihr übers Haar und sagte, dass sie ihn an seine kleine Tochter erinnere, die er schon lange nicht mehr gesehen hätte. Obwohl es sich nur um eine nette Geste des Soldaten gehandelt hatte, stand meine Mutter Todesängste aus. Immerhin waren die deutschen Soldaten nicht nur wegen ihrer Waffen sehr gefürchtet, sondern schüchterten die Menschen auch mit ihrem herrischen Verhalten ein, dem metallischen, gebieterischen Klang ihrer Sprache. Noch heute läuft es mir eiskalt über den Rücken, wenn ich jemanden deutsch sprechen höre, und wenn es vorkam, dass man mir ein deutsches Produkt verkaufen wollte, wollte ich es nicht haben.
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni erhoben sich auf der Straße plötzlich Rufe. Wir verstanden nicht. Dann meinten wir, „Räuber! Räuber!“ zu hören. In Wahrheit aber riefen sie: „Die Amerikaner! Die Amerikaner!“ Am Morgen darauf sahen wir tatsächlich die amerikanischen Panzer vorbeifahren. Wir waren wie verrückt vor Freude. Was für ein Unterschied war da doch zwischen den deutschen Soldaten und den wohlgenährten, gut gekleideten und gut bewaffneten amerikanischen Soldaten! Sie warfen den Menschen Schokoladetafeln und andere Köstlichkeiten zu, die niemand je zuvor gekostet hatte.
In der Stadt nahm allmählich alles wieder seinen gewohnten Gang. Mama erhielt ihren Posten als Grundschullehrerin zurück und ich konnte mit einem Jahr Verspätung die dritte Klasse besuchen, meine Schwester dagegen wurde endlich eingeschult. An eine Rückkehr nach Turin war allerdings noch nicht zu denken und da wir von unseren Verwandten schon lange nichts mehr gehört hatten, machten wir uns große Sorgen.
Meine Mutter, die ein wenig englisch sprach, konnte sich mit den Soldaten unterhalten und wir freundeten uns mit einem Schwarzen an, der uns oft besuchte und uns Essen brachte. Er hieß Johnson, war sehr groß und kräftig, konnte zwei von uns Kindern problemlos hochheben und im Kreis drehen lassen, als wären wir auf einem Karussell. Wir mochten ihn sehr gern; leider wurde er dann in die Normandie geschickt. Er ist an der Front gefallen.
Unser Vater nahm seine Arbeit mit den Kunden aus dem Süden wieder auf, was trotz der Befreiung nicht immer ganz ungefährlich war. So wurde er dann auch bei einer seiner Reisen tatsächlich von der M.P. (Military Police) verhaftet und einige Tage eingesperrt. Ein traumatisches Erlebnis, das meinen Vater nachhaltig zeichnete: seine Haare wurden über Nacht grau, er wirkte um 10 Jahre gealtert. Geschehen war folgendes: mein Vater und ein Freund fuhren gerade mit einem Kleinlaster nach Rom zurück, als sie in der Nähe von Terracina plötzlich von einem Jeep mit US-Soldaten angehalten wurden. Die Soldaten hießen meinen Vater und seinen Freund aussteigen und zwangen sie unwirsch – unter Schreien, Hieben und Ohrfeigen –, ihnen zu folgen. Sie waren betrunken und behaupteten, der Laster wäre zu schnell gefahren und hätte trotz ihrer wiederholten Signale nicht angehalten. Mein Vater und sein Freund protestierten gegen diese Behandlung, aber die Soldaten hörten ihnen gar nicht zu, sondern brachten sie auf ihr Kommando, wo man sie ein paar Tage lang in eine Zelle sperrte. Nie hätte sich mein Vater träumen lassen, gerade von den Amerikanern, die er als unsere Befreier sah, ungerecht behandelt, ja sogar misshandelt zu werden. Es war ein schwerer Schlag für ihn, der sowohl psychische als auch körperliche Auswirkungen hatte. Er sagte, dass ihn die verhaßten Deutschen nie so schlecht behandelt hätten wie die Amerikaner, auf die er seine ganze Hoffnung auf eine bessere Welt gesetzt hatte.
Wir konnten Tante Rita Montagnana, die Schwester unserer Großmutter und ihren Mann Palmiro Togliatti wieder in die Arme schließen, die sich nach langem Aufenthalt in der Sowjetunion in Rom niedergelassen hatten. Rita und Palmiro kamen uns oft besuchen und auch wir waren des öfteren bei ihnen zuhause. Rita war immer fröhlich und sehr lebhaft. Palmiro dagegen machte einen sehr distanzierten Eindruck, schien auf den ersten Blick kalt und unnahbar. Uns Kinder jedoch hatte er sehr gern, nahm uns oft in den Arm und erzählte uns Märchen und Geschichten aus seinem Leben.
Dann wurde uns aber auch eine große Freude zuteil:
wir konnten Tante Rita Montagnana, die Schwester unserer Großmutter,
und ihren Mann Palmiro Togliatti wieder in die Arme schließen, die
sich nach langem Aufenthalt in der Sowjetunion in Rom niedergelassen
hatten. Rita und Palmiro kamen uns oft besuchen und auch wir waren des
öfteren bei ihnen zuhause. Rita war immer fröhlich und voller
Energie. Sie engagierte sich sehr für die Frauenemanzipation. Sie hat
auch die Zeitschrift Noi Donne gegründet. Palmiro dagegen machte einen sehr
distanzierten Eindruck, schien auf den ersten Blick kalt und unnahbar. Uns
Kinder jedoch hatte er sehr gern, nahm uns oft in den Arm und erzählte
uns Märchen und Geschichten aus seinem Leben.
Wir freundeten uns mit einem in Rom stationierten Soldaten aus dem Piemont an, Bruno Barbero, zu dem wir noch lange Jahre in Turin Kontakt hatten, wo er eine Druckerei aufmachte.
Nach der Befreiung Roms, die in meiner Erinnerung mit der Ankunft der Amerikaner begann, nahm auch die Synagoge ihre religiöse Aktivität wieder auf. Wir gingen ein paar Mal hin, und wir Turiner waren erstaunt darüber, wie die Gläubigen und der Rabbiner mit Armen und Beinen gestikulierten – es mutete uns fast schon theatralisch an. Wie anders war doch der Ritus in Rom! Ich mußte mich immer wieder umblicken, so erstaunt war ich darüber, wie sehr sich das gesetzte Verhalten der Menschen in der Synagoge von Turin von der merkwürdigen Gestik der römischen Juden unterschied!
Als wir noch in der Via Pierluigi da Palestrina wohnten, nahm mich mein Großvater jeden Tag auf einen Spaziergang mit. Am Tiber entlang gingen wir an der Engelsburg vorbei zum Petersplatz. Großvater wußte, dass es in dem den Platz umgebenden Säulengang einen Punkt gab, von dem aus man nicht mehrere Säulen sieht, sondern nur eine einzige. Und er hat die Stelle gefunden. Die auf dem Boden liegenden Zigarettenstummel sammelte er immer auf, um sich aus dem Tabak zuhause selbst Zigaretten zu drehen.
Der Krieg hat viele Menschen das Leben gekostet, nicht alle unsere Verwandten haben ihn überlebt. Manche waren deportiert worden und kamen nie wieder zurück, andere starben nach den vielen Entbehrungen, wurden von Krankheiten dahingerafft. Ich möchte hier besonders an eine Person erinnern, die uns Kindern sehr ans Herz gewachsen war: Lena. Sie war wohl 16 Jahre alt, als sie in Turin in den Dienst meiner Familie trat. Ich hatte sie sehr gern, fast wie eine große Schwester. Besondere Geduld hatte sie mit der damals dreijährigen Laura, die eine wahre Nervensäge sein konnte. Lena war auch sehr fleißig und stark – trotz ihrer zarten Statur. Zum Polieren des Parkettbodens benutzte sie einen sogenannten Bohner, eine schwere Metallplattform mit einem Holzstiel. Wie gern stiegen wir Kinder doch auf diesen Bohner, hielten uns am Stiel fest und ließen uns von Lena von einem Zimmer ins andere ziehen!
Als wir Turin verlassen mußten, folgte uns die treue Lena nach Fè; ihr hatten meine Eltern alle Dinge anvertraut, die wir nicht von Fè nach Rom bringen konnten. Im Oktober 1943 trennten sich unsere Wege – wir waren sicher, sie nach Kriegsende wiederzusehen. Aber eine Schießerei in einem Zug wurde ihr zum Verhängnis: sie hatte nach Saluzzo fahren wollen, um ihre Eltern zu besuchen. Sie war erst 20 Jahre alt.
Als dann im April 1945 ganz Italien befreit war, fuhren wir im Auto eines venezianischen Adeligen, Graf Bragadin, nach Turin zurück. Eine wahrhaft denkwürdige Reise, mit allen nur möglichen Pannen. Die Straßen waren in einem so schlechten Zustand, dass wir mehr als einmal ein Loch im Reifen hatten – und es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der es reparieren konnte. Das Auto war recht altersschwach, zwar sehr geräumig, aber vollkommen überladen mit Personen und Gepäck; wir kamen also nur langsam voran und es dauerte mehrere Tage, bis wir unser Ziel erreichten. Der Fahrer, Graf Bragadin, hatte seine Geliebte in Bologna gelassen und wollte direkt nach Venedig fahren, aber mein Vater erinnerte ihn an sein in Rom gegebenes Versprechen und so mußte er uns nach Turin bringen. Unsere Rückkehr in diese Stadt, der die Bomben so manche Wunde zugefügt hatten, war mehr als bewegend.