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MODERNE CHRISTLICHE KUNST
Aus Nr. 04 - 2008

Eine Kunst, die Verehrung weckt


„Der große Unterschied ist folgender: ein Kunstwerk kann Staunen und Bewunderung auslösen, die Kunst aber, die in den liturgischen Raum eintritt, muss Verehrung wecken. Die Verehrung, die der einfache Gläubige mit dem Kreuzzeichen zeigt, im Niederknien, im Gebet.“ Interview mit Pater Marko Ivan Rupnik, Direktor am Atelier für geistliche Kunst des Aletti-Zentrums, Rom.


Interview mit Marko Ivan Rupnik von Paolo Mattei


Pater Marko Ivan Rupnik trägt einen roten Arbeitskittel. Wir besuchen ihn in seinem Atelier für geistliche Kunst im Studien- und Forschungszentrum „Ezio Aletti“, das er seit 1995 leitet. Hier wollen wir uns mit ihm über christliche Kunst unterhalten.
Der slowenische Jesuit aus Zadlog, „Baujahr“ 1954, Priester seit 1985, ist seit 1999 Konsultor des Päpstlichen Rates für die Kultur. Derzeit ist er auch als Dozent am Päpstlichen Orientalischen Institut und an der Universität Gregoriana tätig. In seinem römischen Atelier – im Schatten der Basilika Santa Maria Maggiore – entstehen die Mosaike, mit denen dieser Künstler und Theologe, Schüler von Pater Tomás Spidlík, Kirchen der ganzen Welt geschmückt hat. Berühmt sind seine Mosaike in der Kapelle Redemptoris Mater, in der Zweiten Loggia des Apostolischen Palastes im Vatikan. Sie stammen aus dem Jahr 1999. Ende 2007 konnte er die Mosaike der fünf lichtreichen Geheimnisse an der Fassade des Marienheiligtums von Lourdes vollenden.
Rupnik berichtet uns, wie sehr er sich über die Wahl von Pater Adolfo Nicolás zum General der Gesellschaft Jesu gefreut hat: „Ich habe ihn noch nicht persönlich kennen gelernt, aber was er nach seiner Wahl gesagt hat, hat mir sehr gefallen...“

Pater Marko Ivan Rupnik im Atelier für geistliche Kunst des Aletti-Zentrums in Rom.

Pater Marko Ivan Rupnik im Atelier für geistliche Kunst des Aletti-Zentrums in Rom.

Seit kurzem ist eine Debatte über das neue Lektionar der italienischen Bischofskonferenz im Gang, das von dreißig zeitgenössischen Künstlern illustriert wird. Kritische Stimmen sprachen von einer auf die Spitze getriebenen „Bilderarmut“, von einem negativen Überwiegen des Abstraktismus auf Kosten der Bildlichkeit...
MARKO IVAN RUPNIK: Bei der Art von Kunst, die in den Bereich der Liturgie fällt, ist das Problem nicht die Wahl zwischen Bildlichkeit oder Abstraktismus, obgleich beide grundlegende, unverzichtbare „Kunstsprachen“ sind. Ich glaube vielmehr, dass sich der Künstler, der mit der Liturgie zu tun hat, die Sprache liturgisch bewusst machen muss, die sich im Bereich des „Persönlichen“ und des „Gemeinschaftlichen“ bewegt und so das Subjektive und das Objektive übersteigt. Im liturgischen Raum liegt die Problematik im Subjektivismus, dem Solipsismus der Sprache des Künstlers, weil ein Werk der darstellenden Kunst in der Realität subjektiver wirken kann als ein abstraktes Werk.
Was verstehen Sie unter „Subjektivismus“ im Bereich der Kunst?
RUPNIK: In einer objektivierten, begrifflichen und wissenschaftlichen Kultur wird die Kunst zum Bereich des Protestes für alles, was in der menschlichen Person abgewürgt, unterdrückt wird. Das gilt vor allem für die Gefühlswelt und den Bereich der Freiheit. Der Künstler aber will sich selbst in seiner Einzigartigkeit und Unvergleichlichkeit zum Ausdruck bringen. Daher sein Wunsch nach einem intensiven, eindringlichen Ausdruck, einer Sprache des Subjektiven. Die liturgische Sprache dagegen hat sich im Laufe der Jahrhunderte von dem gereinigt, was allzu psychologisch, emotional und sentimental war, um eine symbolische, metaphorische Wesentlichkeit erreichen zu können, die auf der einen Seite aus der Objektivität der Offenbarung Christi schöpft, und auf der anderen in der Lage ist, vom Christenvolk jederzeit erkannt zu werden.
Wie kann man diese Diskrepanz zwischen den individualistischen Anliegen der Künstler und einer Kunst wie der liturgischen beilegen, die eine „öffentliche“ Funktion hat?
RUPNIK: Der Begriff des Subjektivismus wird – wie schon erwähnt – in der christlichen Spiritualität vom Begriff des „Persönlichen“ überwunden. Im theologischen Sinne schließt der Gedanke des „Persönlichen“ gleichzeitig zwei Dimensionen mit ein: eine gemeinschaftliche und eine individuelle. Im Unterschied zum Subjektivismus, einem Begriff, der dem steten Antagonismus zwischen „Individuum“ und „Kollektiv“ entspringt: diese letzten beiden Kategorien gehören nicht zur echten christlichen Tradition. Die Gedanken vom „Persönlichen“ und vom „Gemeinschaftlichen“ stehen nicht im Konflikt miteinander, sondern in gegenseitiger Beziehung vor dem trinitären und kirchlichen Hintergrund. Und das ist auch der Grund, warum „persönlich-gemeinschaftlich“ das Objektive mit einschließt. Mir scheint, dass man mit dem Lektionar eine Distinktion, auf verschiedenen Ebenen, im Bereich der liturgischen Kunst versucht hat, wenn es auch wahr ist, dass das Lektionar von jeher Gegenstand der Verehrung war.
Sie beurteilen dieses Zeichen einer kirchlichen Öffnung den zeitgenössischen Künstlern gegenüber also positiv...
RUPNIK: Die italienische Kirche hat mit der Einladung, am Lektionar mitzuarbeiten, einen außergewöhnlichen und wichtigen Beitrag dazu geleistet, eine Brücke zu den zeitgenössischen Künstlern zu bauen. Die „Scheidung“ zwischen Kunst und Kirche ist schmerzlich, ja, wurde auch schon von Paul VI. öffentlich beklagt. Ich hoffe, dass die Beziehung zu den an diesem Projekt beteiligten Künstlern bestehen bleiben wird.
Und wie könnte das aussehen?
RUPNIK: Der Kirche stehen Priester, Theologen, Ordensleute und Laien zur Verfügung, Personen, die in der Lage sind, diese Beziehung wachsen zu lassen. Problematisch wird es ja auch, wenn man sogar in der Kirche auf Modetendenzen hört, wenn der Altar, das Presbyterium, der Ambon, die Casula, der Kelch wie Ausstellungsstücke behandelt werden.
Wie kann man dieses Problem in den Griff bekommen?
RUPNIK: Wir müssen uns dringend wieder eine Sprache aneignen, die Gefahr läuft, verloren zu gehen: in diesem Sinne ist das wegweisend, was der damalige Kardinal Ratzinger in seinem Buch Der Geist der Liturgie. Eine Einführung sagt: ein überaus wichtiger Kompass. Meiner Meinung nach brauchen wir dringend ein „Statut“ der liturgischen Kunst.
Und was heißt das?
RUPNIK: Dass man ein ernst genommenes, engagiertes Studium der frühchristlichen, romanischen Kunst, der ersten byzantinischen Periode, der Frühgotik neu vorschlagen sollte... Wir müssen den heutigen Künstlern denselben Blick auf die Ikonographie ermöglichen wie ihn die Bildhauer jener Epochen hatten, gleichzeitig aber in der heutigen Sprache sprechen. Kurzum: wir müssen uns an eine Synthese dieser beiden Realitäten wagen. Das ist aber nur im Bereich des geistlichen und kirchlichen Lebens möglich.
Riskiert man dabei nicht, ins Nostalgische abzugleiten?
RUPNIK: Aber nein, ganz und gar nicht! Kirche und Nostalgie sind inkompatibel, weil Erstere eschatologisch ausgerichtet ist. Die Nostalgie, als Symptom des Todes, steht im Widerstreit zur Kreativität. Wir müssen voranschreiten und aus dem Gedächtnis und Wissen der Kirche heraus „schaffen“. Die Tradition ist kein totes Buch, sondern ein lebendiger Organismus.
<I>Tisch in Betanien</I>, Refektorium des Aletti-Zentrums, Rom.

Tisch in Betanien, Refektorium des Aletti-Zentrums, Rom.

Welche Form drückt am meisten das aus, was in der Liturgie gefeiert wird?
RUPNIK: Die Kunst der Christen im liturgischen Raum war schon immer eine „Kunst der Präsenz“. Also eine aufs Wesentliche reduzierte Sprache, ohne ablenkende Details, wo alles – auch der Künstler und jene, für die das Werk bestimmt ist – in das Geheimnis mit eingewoben ist, das sich mitteilt. Der große Unterschied ist folgender: ein Kunstwerk kann Staunen und Bewunderung auslösen, die Kunst aber, die in den liturgischen Raum eintritt, muss Verehrung wecken. Die Verehrung, die der einfache Gläubige mit dem Kreuzzeichen zum Ausdruck bringt, mit dem Niederknien, im Gebet: weil da die Gegenwart Gottes ist. Es genügt nicht, dass man sagt: wunderbar! Es bedarf eines Innen-Lebens, das uns des gegenwärtigen Geheimnisses bewusst werden läßt. Johannes Paul II. hat einmal im Zusammenhang mit der Kunst gesagt, dass sie „Erkenntnis ist, die man in Linien, Bilder und Töne, Symbole umgesetzt hat, die der Begriff als Projizierungen auf das Arkanische des Lebens zu erkennen versteht, über die Grenzen hinaus, die der Begriff nicht überwinden kann: Öffnungen also der Tiefe, dem anderen, dem Unaussprechlichen des Daseins gegenüber, Wege, die den Menschen dem Geheimnis gegenüber frei halten und die Angst davor ausdrücken, die keine anderen Worte hat, um sich auszudrücken. Religiosität ist folglich Kunst, weil sie den Menschen dazu bringt, die Unruhe zu erkennen, die er in den Tiefen seines Seins empfindet, und die weder die Wissenschaft mit der objektiven Formalität ihrer Gesetze, noch die Technik mit der Programmierung, die vor der Gefahr des Irrtums bewahrt, jemals befriedigen kann…“. Papst Montini sprach bei der Beschreibung der Eigenschaften, die ein Künstler haben muss, von Einfühlvermögen, verstanden als „die Sensibilität, also Fähigkeit, das gefühlsmäßig wahrzunehmen, was man mit dem Gedanken weder verstehen noch ausdrücken könnte.“
Gefühle, die man wohl kaum empfinden wird, wenn man gewisse, in den letzten Jahrzehnten gebaute Kirchen betritt...
RUPNIK: Viele in den letzten Jahren gebaute Kirchen zeigen eine große geistliche Armut und ein weit verbreitetes mangelndes Unterscheidungsvermögen. Wenn Dialog mit der modernen Kultur die Pflicht bedeutet, Architekten nur dann mit dem Bau von Kirchen zu beauftragen, wenn sie berühmt sind, dann ist offensichtlich, dass dieser Dialog ideologisiert worden ist. Wenn man eine Kirche baut, zeigt man, was man ist. Im Laufe unserer Geschichte hat sich immer wieder gezeigt, dass sich das Kirchengebäude auf die Kirche und die von ihr gefeierten Geheimnisse bezog. Wenn heute so gut wie niemand mehr in der Lage ist, die Merkmale dieser Identität zum Ausdruck zu bringen, dann bedeutet das wohl, dass wir momentan die Orientierung verloren haben. Aber man muss aufpassen, nicht der ideologischen Dialektik in die Falle zu gehen und so der Nostalgie freien Lauf zu lassen, die die modernen künstlerischen Ausdrucksformen ablehnt. Man darf sich nicht in Wettstreit mit der Moderne stellen. Die Neuheiten der Kultur – von der schließlich auch wir ein Teil sind – verdienen Beachtung, aber das darf nicht zu einer mechanischen Unterwerfung unter die jeweiligen Modetendenzen ausarten. Die demütige Treue zur Tradition ist es, die diese Öffnung der Welt gegenüber möglich macht.
Und was heißt das?
RUPNIK: Ich glaube, dass das, was hier auf dem Spiel steht, das Leben ist. Wir Christen empfangen das Leben, das wir haben, aus der Taufe. Wir werden in einer Geburt geboren, die die Taufe ist, aus einer Mutter, die die Kirche ist. Die Kirche ist das Bild der trinitären Gemeinschaft, in die wir durch die sakramentalen Worte, das Wasser, das sakramentale Taufgeschehen eingepflanzt werden. Das Leben, das wir empfangen, ist also eine Gemeinschaft mit Gott, mit den anderen und mit der Schöpfung. Das heißt, dass das Leben, das wir empfangen – seine Grundlage, sein „Stil“ – Gemeinschaft und Dialog ist. Das Leben vollzieht sich also in der Gemeinschaft Gott gegenüber – dem Gebet –, den anderen gegenüber – der Liebe –, und der Erde gegenüber – der Verwandlung der Welt. Eine organisch untrennbare dreidimensionale Gemeinschaft. Die Kirche, die gebaut wird, kann nicht umhin, dieses Leben durchscheinen zu lassen. Und da das empfangene Leben Christi ist und auch in Christus gelebt wird, der im österlichen Geheimnis den Höhepunkt der Offenbarung kundgetan hat, kann sich die Präsenz der Christen in der Welt nicht außerhalb dieses Lebens verwirklichen.
Warum sind wir dann an diesem Punkt angelangt?
RUPNIK: Weil auch die Gemeinschaft und der Dialog falsch verstanden und ideologisiert worden sind. Es ist einfacher, mit einer abstrakten Dialektik zu arbeiten als mit einer Intelligenz, die aus der Nähe zum Leben schöpft. Das, was in der Kunst sichtbar werden müsste, sind nicht die theoretischen Positionen, sondern das Leben der Kirche: das ist der springende Punkt. Der Bau der Kirchen, die Dekorationen und die Kunstwerke in ihrem Innern spiegeln die Theologie und die Pastoral wider, die gelehrt werden; das geistliche Leben, das vorgeschlagen wird. Das alles hängt zusammen. Und die Kirchen, die man gebaut hat, sind Ausdruck dieses Lebens, das unter Gerüsten und Konstrukten begraben wurde, die nichts mit der Kirche zu tun haben und sie folglich auch nicht mitteilen können.
Können Sie vor dem Hintergrund dieser Situation und von der in Ihrem Atelier gemachten Erfahrung ausgehend beschreiben, wie der ideale Künstler aus dem Bereich der liturgischen Kunst aussehen sollte? Wie sollte er sich verhalten, worüber muss er sich klar sein?
RUPNIK: Natürlich gibt es da keine festen Regeln. Im Leben eines jeden Künstlers gibt es immer eine Anziehungskraft. Eine Schönheit, die anzieht. Der Theologe Pavel Florenskij hat einmal gesagt: „Die geoffenbarte Wahrheit ist die Liebe, und die erfüllte Liebe ist die Schönheit.“ Das ist es: der Künstler wird von der Schönheit angezogen, die die erfüllte Liebe ist, also Ostern. Er kann aus Gnade die Demut haben, sich vom Geheimnis befruchten zu lassen. Wer mit diesem Geheimnis arbeitet, kann gar nicht anders, als es anzunehmen, ihm in seinem Leben Raum zu schaffen, es wirken zu lassen.
Gibt es noch andere wichtige Merkmale?
RUPNIK: Vor allem die Demut, aber nicht in einem psychologischen Sinn verstanden, bzw. als eine einzunehmende Haltung, fast schon, als wäre sie Frucht unseres eigenen Verstandes oder Eifers. Die Demut ist Gabe des Heiligen Geistes, der weht, wo er will und auch nicht-christliche Künstler erfassen kann. Genau genommen handelt es sich um eine theologische Demut. Je mehr im Künstler das Bewusstsein, diese Gabe zu erhalten ist, umso distanzierter wird er sein Werk sehen. Sein Schaffen ist dann nicht mehr die Bestätigung seiner selbst, sondern seines demütigen Dienstes. Nur so kann man das Kunstwerk an viele Personen weiter geben, werden sich viele Personen darin wieder erkennen. Mit der Kunst ist es wie mit der Liebe: es bedarf der Demut und des Handelns. Je demütiger man ist, umso mehr wird man von der Liebe ergriffen. Je mehr man sich persönlich engagiert, umso universaler ist man.
Und weiter?
RUPNIK: Es bedarf einer großen Vertrautheit mit dem Wort Gottes – weil, wie das II. Konzil von Nizäa sagt, die Kunst eine Übersetzung des Wortes Gottes ist – und mit dem Gedächtnis der Kirche: den Vätern, den Heiligen, der christlichen Kunst. Man muss auch mit der Debatte vertraut sein, die in dem Jahrhundert im Gang ist, in dem man lebt – es bedarf also der Vertrautheit mit der modernen Sprache der Kunst, man muss ins Leben der Kirche eingebunden sein. Man muss ein geistliches Leben haben, die Schwierigkeiten unserer Zeitgenossen kennen, um mit ihnen gemeinsam die Schritte der uns geschenkten Erlösung tun zu können. Für uns vom Aletti-Zentrum ist das Grundlegende die Zusammenarbeit. Zusammen zu arbeiten, kontinuierlich die Erfahrung der gegenseitigen Liebe und des fruchtbaren Dialogs zu machen. Aus der Kirche wird für die Kirche geschaffen.
Die neuen Mosaike an der Fassade der Basilika vom Rosenkranz in Lourdes, die Pater Rupnik zum 150. Jahrestag der Marienerscheinungen gefertigt hat.

Die neuen Mosaike an der Fassade der Basilika vom Rosenkranz in Lourdes, die Pater Rupnik zum 150. Jahrestag der Marienerscheinungen gefertigt hat.

Welche Künstler sind Ihre Vorbilder, Ihre „Fixsterne“ am Firmament der Kunst?
RUPNIK: Ich würde weniger von Personen, denn von Epochen sprechen: die präromanische, die romanische, gotische, frühbyzantinische – das sind für mich die grundlegenden Perioden und Stile. Mehr auf unsere Zeit bezogen kann ich sagen, dass ich eine Phase hatte, in der ich von Van Gogh fasziniert war; dann von Matisse, von seiner lebendigen Wesentlichkeit. Auch die Farbenfreude eines Nicolas de Stael hat mich angezogen. Ich kann mich auch für die Strömungen der einfachen Kunst begeistern, weil meiner Meinung nach gerade in der heutigen Zeit – mit ihrer Abdrift ins Virtuelle und Bildhafte – die Liebe zur Realität, zur Schöpfung sehr wichtig ist. Wir haben die Menschwerdung Gottes gekannt. Die Schönheit ist der Leib des Wahren und des Guten.
Wie gehen Sie vor, wenn Ihre Werkstatt einen Auftrag erhält?
RUPNIK: Ich gehe zunächst einmal von einem Dialog mit den Auftraggebern aus, mit dem Pfarrer, den Bischöfen oder der christlichen Gemeinschaft, für die ich arbeiten soll. Ein Dialog, der manchmal auch Monate, ja länger als ein Jahr dauern kann.
Können Sie uns abschließend etwas über Ihr letztes Großprojekt sagen, die Mosaike an der Fassade des Marienheiligtums von Lourdes?
RUPNIK: Dieser Auftrag war eine Gnade Gottes – immerhin sind wir hier vom Aletti-Zentrum nur ein kleines Atelier. Wir widmen uns einem jeden unserer Werke mit Leib und Seele, egal, wo es angefertigt wird. Gleich nach Lourdes ging es beispielsweise nach Ravoledo weiter, in der Nähe von Bormio, ein kleines Dorf mit weniger als 200 Seelen...


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