Rubriken
Aus Nr.10 - 2007


EMANUELE SEVERINO

Der neue Kalte Krieg wehrt einen Dritten Weltkrieg ab


Wladimir Putin beobachtet den Start einer Rakete.

Wladimir Putin beobachtet den Start einer Rakete.

Am 28. Oktober stand im Corriere della Sera ein interessanter Artikel aus der Feder von Emanuele Severino zu lesen, in dem die Hypothese einer Rückkehr zum Kalten Krieg aufgestellt wird, bei dem sich die Welt um die beiden einzigen atomaren Supermächte – die USA und Russland – gruppiert. In dem Artikel heißt es: „Es kristallisiert sich jedenfalls eine Situation heraus, die es den beiden Leadern [USA und Russland, Anm.d.Red.] nicht nur unmöglich macht, einander anzugreifen, ohne selbst zerstört zu werden – auch ihre Satellitenstaaten können sich nicht bekriegen (und schon gar nicht gegen den gegnerischen Leader zum Schlag ausholen), ohne selbst der totalen Zerstörung zum Opfer zu fallen. Die typische Situation des Kalten Krieges. Ein wichtiges Signal in dieser Richtung ist die Unterstützung des iranischen Atomprogramms durch Russland.“ Was laut Severino darauf zurückzuführen ist, dass Russland die Gefahr eines – von religiösem Extremismus getriebenen – iranischen Angriffs auf die USA oder Israel ausschließt, weil das schließlich einen weltweiten Konflikt auslösen würde. Russland unterstützt den Iran, „weil man denkt, dass er das wohlweislich vermeiden wird und sich klar darüber ist, sich keine falsche Selbsteinschätzung leisten zu können.“ Der Artikel endet mit folgenden Worten: „Die Entstehung zweier einander gegenüberstehender und – den Regeln des Kalten Krieges entsprechend – gleich starker Atomblöcke wendet also die Gefahr eines Dritten Weltkriegs ab. Und das schon allein deshalb, weil wohl keiner der beiden ein Interesse an ‚losgelassenen Hunden‘ hat, die ungestört ihr atomares Unwesen treiben können. Mit vereinten Kräften können die beiden Blöcke dagegen eine derartige Entwicklung schon im Keim ersticken.“




PIETRO CITATI

Die verborgene Mitte des Christentums


IDen Hungernden zu essen geben/I, Fresko, Baptisterium von Parma.

IDen Hungernden zu essen geben/I, Fresko, Baptisterium von Parma.

In der la Repubblica vom 15 November stand ein Artikel über die „Unmündigen“, Kleinen, des Evangeliums zu lesen. Hier einige Auszüge aus dem Artikel von Pietro Citati: „Jesus kommentierte diese Worte [selig die Armen im Geiste] an einer anderen Stelle des Matthäusevangeliums, wo er den Vater preist, der die geheimen Dinge ‚den Klugen und Weisen verborgen‘, ‚den Unmündigen‘ aber offenbart hat. Mit diesen Unmündigen, Kleinen sind die Armen im Geist gemeint: auch sie kennen die menschliche Weisheit nicht, empfangen dafür aber die himmlische Offenbarung, die den Weisen verborgen ist. Die himmlische Offenbarung ist im Gegensatz zur irdischen Kultur nicht voller Gebote, Urteile, Philosophien, Systeme. ‚Kommt alle zu mir‘, sagte Jesus, ‚die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig‘ (Mt 11, 29). Diese Worte im Evangelium rühren mich am meisten: Jesus, der den Menschen eine schreckliche, auf der Kreuzigung gründende Religion gebracht hat, erinnert uns daran, dass sein Joch nicht drückt und seine Last leicht ist. Wenn die Bettler und die Kleinen die verborgene Mitte des Christentums sind, müssen die Glieder der Kirche die Nächstenliebe als eine der höchsten Tugenden bewahren: größer noch als der Glaube und die Hoffnung, wie Paulus sagt. Wenn wir unsere Gabe in die uns entgegen gestreckte Hand legen oder dem Gedemütigten, dem Verfolgten zur Hilfe eilen, dann ist das eine absolute Geste, die keine Gegenleistung erwartet, ja nicht einmal Dankbarkeit. […] Ich gebe zu, immer noch Almosen zu geben – wie man es mir vor vielen Jahren beigebracht hat. Was kümmert’s mich, ob der, der mir die Hand entgegen streckt, ein wahrer oder ein falscher Bettler ist?“.





Manzoni und Rosmini auf einer Zeichnung von Giorgio Scarpati.

Manzoni und Rosmini auf einer Zeichnung von Giorgio Scarpati.

Manzoni und Rosmini
„Eine milde Weisheit, die durch Reflexion erleuchtet“

Kardinal Achille Silvestrini wollte im Feuilleton des Corriere della Sera am Sonntag, dem 18. November (Tag der Seligsprechung von Antonio Rosmini) an den Abt aus Rovereto erinnern. Er stellte die Freundschaft heraus, die Alessandro Manzoni mit Rosmini verband („dem er die Entwürfe der Brautleute zu lesen gab“), und erinnerte an die Worte, mit denen der Mailänder Schriftsteller den Priester in einem Brief an Giampietro Vieusseux beschrieb: „‚Wenn er nach Florenz käme, würdet ihr einen Mann sehen, der gerade durch das Fehlen jeglicher Besonderheit in den Augen dessen, der ihm nicht unähnlich ist, besonders bewundernswert erscheint. Er ist von gewöhnlicher Statur, hat ein langes, pockennarbiges Gesicht – finster zwar, aber doch von jener Güte, die von seinem brillanten Geist keineswegs getrübt, sondern nur noch ehrlicher und tiefer gemacht wird. Seine Stimme ist unaufdringlich, fast schon schüchtern zu nennen;ihr leichtes Stottern ist letztlich wie eine Art Liebkosung für die Worte, die so nur noch reifer, wohl überlegter hervorzukommen scheinen. Seine Kleidung ist einfach, beinahe schlicht; seine Haltung umgänglich und von einer milden Weisheit durchdrungen, die durch Reflexion alles erleuchtet, was ihren Weg kreuzt‘.“ Die Freundschaft Rosminis mit dem Verfasser der Brautleute geht – wie Silvestrini erklärt – auf die Zeit in Mailand zurück, wo der Priester „von Tommaseo im Haus Manzonis eingeführt worden war, in dem man den im Entstehen begriffenenDemokratien große Aufmerksamkeit entgegen brachte.“ Den Artikel über den Seligen, diesen „enzyklopädischen, in der Augustinschen Tradition und im Denken des Thomas von Aquin“ verwurzelten Denker lässt Silvestrini mit folgenden Worten ausklingen: „Das sind die Gedanken eines Mannes, der Alessandro Manzoni auf dem Sterbebett die drei berühmten Worte seines Testaments anvertrautet: ‚anbeten, schweigen, sich freuen‘. Kurzum: die Synthese seines Lebens.“


Kardinäle/1
Etchegaray: Erinnerung an Kardinal Lustiger

„‚Unser Glaube an die Kirche ist derzeit auf eine harte Probe gestellt, die uns nicht als das erscheint, was sie wirklich ist: eine unentgeltliche Gnade. In dem Maß, in dem wir die Erinnerung an den Umstand verloren haben, dass sie eine Gnade ist und nicht länger die spirituelle Erfahrung der Kirche als Versammlung aus Gnade haben, sind wir versucht, sie genauso zu beurteilen wie alle anderen Institutionen in der Geschichte‘.“ Diese Worte stammen vom Februar 1983, dem Tag, an dem Jean-Marie Lustiger, Erzbischof von Paris, zum Kardinal kreiert wurde. Wieder aufgegriffen hat sie Kardinal Roger Etchegaray bei einer Eucharistiefeier am 28. Oktober in der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom. Anlass: die Seelenmesse für den im August verstorbenen französischen Kardinal. Die Homilie Kardinal Etchegarays stand am 8. November im L’Osservatore Romano zu lesen. Sie schließt mit folgenden Worten: „Bevor er von uns ging, um die himmlische Liturgie zu feiern, konnte er mit der Demut des Zöllners jene Worte sprechen, die dem Timotheus von Paulus, dem ehemaligen Pharisäer, gesagt wurden und die auf unsere Sonntagsliturgie verweisen: ‚Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten‘ (2Tim 4, 7).“


Kardinäle/2
Ruini: Die Kirche und die Unmittelbarkeit der Beziehung zu Gott

Il mondo della fede cattolica. Verità e forma“: so der Titel der italienischen Übersetzung des Buches des deutschen Kardinals und Theologen Leo Scheffczyk, Freund und Kollege von Benedikt XVI. Das von Vita e pensiero herausgegebene Buch wurde am 8. November von Kardinal Camillo Ruini an der Herz-Jesu-Universität in Rom vorgestellt. Dabei meinte er: „Leo Scheffczyk zeigt überzeugend auf, wie eng die Kirchlichkeit im Katholizismus mit dem persönlichen Element verbunden ist: Sinn der kirchlichen Mittlerrolle ist es keineswegs, sich zwischen den Menschen und Gott zu stellen, sondern vielmehr das Gegenteil: die Unmittelbarkeit der Beziehung zu Gott zu fördern.“ Der Vortrag des Vikars des Papstes für die Diözese Rom stand in vollständigem Wortlaut im L’Osservatore Romano zu lesen (9. November).


Amerikanische Bischöfe/1
Politik der Zusammenarbeit mit Syrien und dem Iran

„‚Ein Teil der amerikanischen Politiker scheint sich der irakischen Situation nicht bewusst zu sein – genauso wenig wie der Notwendigkeit, einen anderen Kurs einzuschlagen.‘ So die amerikanischen Bischöfe in einem kurzen Dokument, das vorgestern bei der Eröffnung der Arbeiten der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Baltimore approbiert wurde. ‚Statt sich darüber Gedanken zu machen, ob ein Einschreiten moralisch ist oder nicht, sollte unsere Nation vielmehr die moralische Pflicht verspüren, den Konflikt hinter uns zu lassen,‘ steht dort noch zu lesen.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel in Avvenire (15. November). In dem Text der amerikanischen Bischöfe ist auch ein Appell für eine Lösung der „‚prekären Situation Palästinas‘ und des Nahost-Konflikts enthalten, durch eine Politik der Kollaboration mit Syrien und dem Iran.“


Amerikanische Bischöfe/2
Broglio neuer Militärbischof

Am 19. November wurde Erzbischof Timothy Paul Broglio (56) zum Militärbischof der Vereinigten Staaten ernannt. Der aus Cleveland (Ohio) stammende Broglio empfing 1977 in Rom die Priesterweihe und trat 1983 in den diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls. Stationen seiner Laufbahn waren Elfenbeinküste und Paraguay. Danach war er Beamter in der Zweiten Sektion des Staatsekretariats und Sondersekretär des damaligen Kardinal-Staatssekretärs Angelo Sodano. 2001 erfolgte seine Ernennung zum Apostolischen Nuntius in der Dominkanischen Republik und Apostolischen Delegaten in Porto Rico.


Kurie
Neuer Vorsitzender der Päpstlichen Diplomatenakademie und neuer Sekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen

Am 13. Oktober wurde dem Rücktrittsgesuch des spanischen Erzbischofs Justo Mullor García stattgegeben. Der 75-Jährige überlässt sein Amt als Vorsitzender der Päpstlichen Diplomatenakademie dem 67-jährigen venezianischen Erzbischof Beniamino Stella, seit 1999 Apostolischer Nuntius in Kolumbien.
Am 13. Oktober wurde auch das Rücktrittsgesuch von Erzbischof Giovanni De Andrea angenommen. Der 79-Jährige war bisher Vizepräsident des Arbeitsamts des Hl. Stuhls (ULSA). Sein Nachfolger wurde Bischof Franco Croci. Der 77-Jährige war bis Juli Sekretär der Präfektur der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Hl. Stuhls.
Ebenfalls am 13. Oktober erfolgte die Ernennung des aus Verona stammenden 52-jährigen Massimo Boarotto zum Delegaten der ordentlichen Sektion der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA). Vorher war er als Bürovorsteher der Kongregation für die Evangelisierung der Völker tätig.
Am 10. November wurde der 64-jährige französische Dominikaner Jean-Louis Bruguès – seit 2000 Bischof von Angers – zum Sekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen ernannt.
Am 10. November erfolgte auch die Ernennung von Mons. Grzegorz Kaszak (43), aus dem Klerus der Erzdiözese Szczecin-Kamien, zum Sekretär des Päpstlichen Rates für die Familie. Bisher war er Rektor des Päpstlichen Polnischen Instituts in Rom.
Am selben Tag wurde der 64-jährige Pater Gianfranco Grieco, Minoritenkapuziner und bisheriger Redakteur des L’Osservatore Romano, zum Bürovorsteher besagten Päpstlichen Rates ernannt.


Terrorismus
Der erste Attentäter der Zwillingstürme konvertiert zum Christentum

„Ramzi Yousef, Mitglied von Al Qaeda, der im Februar 1993 mit einem Attentat auf das World Trade Center als erster zum Schlag gegen Amerika ausholte, soll sich zum Christentum bekehrt haben. Der Terrorist, der 1995 in Pakistan verhaftet und vom Internationalen Strafgerichtshof in New York zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, erzählte einem Fernsehreporter des Cbs von seiner Konversion.“ So zu lesen in Libero am 12. Oktober.


Diplomatie/1
Neue Nuntien in Iran, Deutschland und Kolumbien

Am 10. Oktober wurde der Apostolische Nuntius im Iran ernannt: es handelt sich um den 64-jährigen französischen Erzbischof Jean-Paul Gobel, seit 2001 Apostolischer Nuntius in Nicaragua.
Am 15. Oktober wurde dem Rücktrittsgesuch von Erzbischof Erwin Josef Ender stattgegeben. Der 70-Jährige gibt das Amt des Apostolischen Nuntius in Deutschland an den Schweizer Erzbischof Jean-Claude Périsset (68) ab, der seit 1998 Apostolischer Nuntius in Rumänien war.
Am 29. Oktober wurde der lombardische Erzbischof Aldo Cavalli zum Apostolischen Nuntius in Kolumbien ernannt. Der 61-Jährige war seit 2001 Apostolischer Nuntius in Chile.


Diplomatie/2
Neue Botschafter von Korea, Ecuador und Indonesien beim Hl. Stuhl

Am 11. Oktober wurde dem Papst das Akkreditierungsschreiben des neuen Botschafters von Korea beim Hl. Stuhl überreicht: es handelt sich um Ji-Young Francesco Kim (56), Karrierediplomat und von 1980 bis 1982 dritter Sekretär der Botschaft in Italien.
Am 27. Oktober überreichte der neue Botschafter Ecuadors sein Akkreditierungsschreiben: Fausto Cordovez Chiriboga (77), verheiratet und elffacher Vater, bereits mehrmals Minister in den Regierungen seines Landes.
Am 12. November wurde der neue Repräsentant Indonesiens vorstellig: es handelt sich um den 53-jährigen Suprapto Martosetomo, Karrierediplomat, in den letzten zwei Jahren Sekretär der „Policy Planning and Development Agency“ des Außenministeriums.


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