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01/02 - 2006 >
„So stehst Du am Anfang meines
philosophisch-theologischen Weges“
Ein Brief von Kardinal Ratzinger an Professor Läpple.
„So stehst Du am Anfang meines philosophisch-theologischen Weges“
von Joseph Card. Ratzinger
23. Juni 1995
Vatikanstadt
Lieber Alfred,
[...] Du hast mir den Blick für die Philosophie geöffnet, mehr als es unseren akademischen Lehrern gelungen ist. Durch Dich habe ich die großen Gestalten des abendländischen Denkens in ihrer bleibenden Gegenwärtigkeit verstehen gelernt und so anfangen können, in das Mitdenken mit ihnen einzutreten. Durch den Auftrag, die Quaestio disputata des heiligen Thomas über die Liebe zu übersetzen, hast Du mich dann auch in die Welt der Quellen hineingeführt, mich gelehrt, aus erster Hand zu schöpfen und bei den Meistern selbst in die Schule zu gehen. So stehst Du am Anfang meines philosophisch-theologischen Weges, und was Du mir gegeben hast, ist aus diesem Weg nicht wegzudenken. Du hast mit einer unerschöpflichen Arbeitskraft und Kreativität eine fast unüberschaubare Fülle von Publikationen vorgelegt, mit denen Du vielen Menschen helfen konntest, sich in der Wirrnis der Zeiten zu orientieren. Nie hast Du die Offenheit und die Weite des Denkens aufgegeben, die uns 1946 so beeindruckt hat: zugleich hast Du mit Deinem ganzen Wirken gezeigt, daß Offenheit und Gläubigkeit, Weite des Denkens und Treue zur Kirche keine Widersprüche sind, wie man heute vielfach meint – während sich immer mehr zeigt, daß gerade der Verlust des lebendigen Zusammenhangs mit der Kirche auch das Denken steril werden läßt. Für all dies möchte ich Dir heute von Herzen danken, und es ist keine Phrase, wenn ich diesen Dank mit dem Wunsch verbinde, daß Du uns noch lange mit den Gaben Deines Geistes beschenken kannst.
So grüße ich Dich in herzlicher und dankbarer Verbundenheit. Mit meinen besten Segenswünschen Dein
Joseph Card. Ratzinger
Vatikanstadt
Lieber Alfred,
[...] Du hast mir den Blick für die Philosophie geöffnet, mehr als es unseren akademischen Lehrern gelungen ist. Durch Dich habe ich die großen Gestalten des abendländischen Denkens in ihrer bleibenden Gegenwärtigkeit verstehen gelernt und so anfangen können, in das Mitdenken mit ihnen einzutreten. Durch den Auftrag, die Quaestio disputata des heiligen Thomas über die Liebe zu übersetzen, hast Du mich dann auch in die Welt der Quellen hineingeführt, mich gelehrt, aus erster Hand zu schöpfen und bei den Meistern selbst in die Schule zu gehen. So stehst Du am Anfang meines philosophisch-theologischen Weges, und was Du mir gegeben hast, ist aus diesem Weg nicht wegzudenken. Du hast mit einer unerschöpflichen Arbeitskraft und Kreativität eine fast unüberschaubare Fülle von Publikationen vorgelegt, mit denen Du vielen Menschen helfen konntest, sich in der Wirrnis der Zeiten zu orientieren. Nie hast Du die Offenheit und die Weite des Denkens aufgegeben, die uns 1946 so beeindruckt hat: zugleich hast Du mit Deinem ganzen Wirken gezeigt, daß Offenheit und Gläubigkeit, Weite des Denkens und Treue zur Kirche keine Widersprüche sind, wie man heute vielfach meint – während sich immer mehr zeigt, daß gerade der Verlust des lebendigen Zusammenhangs mit der Kirche auch das Denken steril werden läßt. Für all dies möchte ich Dir heute von Herzen danken, und es ist keine Phrase, wenn ich diesen Dank mit dem Wunsch verbinde, daß Du uns noch lange mit den Gaben Deines Geistes beschenken kannst.
So grüße ich Dich in herzlicher und dankbarer Verbundenheit. Mit meinen besten Segenswünschen Dein
Joseph Card. Ratzinger