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Aus Nr. 03 - 2007

Fünf Gebete für den Papst



von Kardinal Francis Arinze



Eine Woche nach Ostern, genau gesagt am 16. April 2007, kann unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., seinen 80. Geburtstag feiern. Drei Tage später tritt er ins dritte Jahr seines Pontifikats ein. 30Tage hat mich gebeten, unserem Heiligen Vater zu diesem doppelten feierlichen Anlass meine Glückwünsche auszusprechen. Tun werde ich das in Form von fünf Ausdrücken meiner Wertschätzung und fünf Gebeten oder Glückwünschen.
Ich bewundere Papst Benedikt XVI., weil Jesus Christus im Mittelpunkt seines Dienstes steht, seiner Verkündigung, seiner Ansprachen, seiner Predigten. Er erinnert uns stets daran, dass unser Glaube nicht eine Begegnung mit einer Idee ist, sondern mit Jesus Christus. Unsere Religion ist Nachfolge des Gottessohnes, der Menschennatur angenommen hat aus Liebe zu uns und zu unserem Heil.
Papst Benedikt XVI. erfüllt das Petrusamt mit Tiefe, Klarheit und außergewöhnlicher Liebe. Man muss nur an die Mittwochsgeneralaudienzen oder an das sonntägliche Angelusgebet denken. Immer mehr Menschen nehmen daran teil. Bei den Begegnungen in Köln (August 2005), Polen (Mai 2006), Valencia (Juli 2006) und in Bayern (September 2006) scharten sich wahre Massen von Gläubigen um ihren Hirten. Die Menschen wissen, dass sie, wenn sie an den Begegnungen mit dem Heiligen Vater teilnehmen, das Wort des Lebens empfangen: sie lauschen ihm, sind glücklich und verspüren das Bedürfnis, wiederzukommen.
Ich bewundere unseren Heiligen Vater auch, weil er das Bischofskollegium in sein Amt einbindet. In seiner Homilie vom 20. April 2005, am Tag nach seiner Wahl auf den Petrusstuhl, sagte er: „Ich bitte euch, meine Herren Kardinäle, mich durch das Gebet und die beständige, aktive und kluge Zusammenarbeit zu unterstützen. Ich bitte auch alle Brüder im Bischofsamt, mir mit ihrem Gebet und Rat zur Seite zu stehen, damit ich wirklich der ‚servus servorum Dei‘ sein kann“ (Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 29. April 2005, S. 8). Die Bischöfe konnten diesen Geist vor allem bei ihren ad-limina-Besuchen wirken sehen. Für mich war es eine Freude, dem Heiligen Vater die Fragen der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung unterbreiten zu dürfen, die seine Richtlinien und Entscheidungen erbittet; ihm zuzuhören, seine Fragen zu beantworten, Vorschläge zu machen und von ihm Instruktionen zu erhalten.
Ähnliche Empfindungen hat man auch, wenn man an Begegnungen teilnimmt, die unter seinem Vorsitz stattfinden.
Ein vierter Grund, warum man unseren Papst ganz einfach schätzen muss, ist sein freundliches Wesen, seine Bereitschaft, zuzuhören und die gleichzeitige Fähigkeit, seine Gedanken klar darzulegen. In der Homilie bei der feierlichen Übernahme des Petrusamtes am 24. April 2005 sagte er: „Das eigentliche Regierungsprogramm aber ist, nicht meinen Willen zu tun, nicht meine Ideen durchzusetzen, sondern gemeinsam mit der ganzen Kirche auf Wort und Wille des Herrn zu lauschen und mich von ihm führen zu lassen, damit er selbst die Kirche führe in dieser Stunde unserer Geschichte“ (Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 29. April 2005, S. 2).
Ein fünfter Grund meiner Bewunderung für den Heiligen Vater ist die schöne Art, wie er den liturgischen Feiern vorsteht, insbesondere der Eucharistie, seine ars celebrandi, sein Geist des Gebets und die Andacht, die seine Gestik kennzeichnet, seine tiefen Predigten: all das nährt den Glauben und hilft die Kirche aufbauen.
Jetzt, wo der Heilige Vater seinen 80. Geburtstag feiern kann und ins dritte Jahr seines Pontifikats eintritt, möchte ich fünf Gebete, oder besser gesagt fünf Glückwünsche, für ihn formulieren.
Benedikt XVI. bei der Christmette 2006.

Benedikt XVI. bei der Christmette 2006.

Möge dem Heiligen Vater stets die Freude vergönnt sein zu wissen, dass er in Einheit und Gemeinschaft mit seinen Brüdern im Bischofsamt betet und arbeitet: „Mit allen, die Sorge tragen für den rechten, katholischen und apostolischen Glauben“ (Römischer Messkanon, Erstes Hochgebet). Möge die Evangelisierung daher effizient voranschreiten.
Möge er immer mehr Heiligkeit in der Kirche sehen, unter den Laien, den Menschen geweihten Lebens und den Klerikern.
Die Ökumene liegt Papst Benedikt XVI. am Herzen. Allein in den Monaten November und Dezember 2006 empfing er im Vatikan den Erzbischof von Canterbury und den orthodoxen Erzbischof von Athen und ganz Griechenland; in Istanbul kam es zur Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen und dem armenischen Patriarchen von Istanbul und der Türkei; in der Apostolischen Nuntiatur in der Türkei empfing er den syrisch-orthodoxen Metropoliten. Möge der Herr bewirken, dass der Tag, an dem sich die Christen wieder vereinen werden, in nicht allzu weiter Ferne liegt.
Dem interreligiösen und interkulturellen Dialog widmet der Heilige Vater große Aufmerksamkeit. Es möge ihm die Freude zuteil werden, in diesen Bemühungen und Initiativen immer größere Fortschritte zu sehen.
Viele Menschen auf der Welt leiden aufgrund von Spannungen, Zwistigkeiten, Ungerechtigkeit und Kriegen. Der Heilige Vater ist Stellvertreter Christi, der der „Friedensfürst“ (Jes 9, 6) ist, und er selbst ist „unser Friede“ (Eph 2, 14): möge Papst Benedikt die Freude vergönnt sein, auf der ganzen Welt mehr Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden zu sehen, vor allem im Heiligen Land, geheiligt durch die irdische Präsenz des menschgewordenen Wortes Gottes.
Zum 80. Geburtstag des Heiligen Vaters Benedikt XVI. und seinem zweiten Jahrestag als Nachfolger Petri, wünsche ich ihm Frieden und Freude, und bete zum Herrn, der sein Petrusamt auch weiterhin segnen, bewahren und schützen möge.


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