Einfachheit und Takt beim Vermitteln der Tradition der Kirche
von Kardinal William Joseph Levada

Papst Benedikt nimmt sich die kulturellen Probleme und Bedürfnisse des jeweiligen historischen Moments immer zu Herzen. Sehen konnte man das beispielsweise bei der Ansprache von 2006 über die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft an der Universität Regensburg. Deshalb ist sein Wort auch immer so aktuell.Auch wenn es sich niemals von der Aktualität vereinnahmen lässt, weil die Augen des Herzens und des Verstandes stets auf den ewigen Logos gerichtet sind, der, indem er Mensch wurde, den Menschen vergöttlicht hat, ohne das Göttliche in den Zweideutigkeiten oder Düsternissen der Geschichte aufzulösen.
Von Johannes Paul II. könnte man sagen, dass er die Wahrheit des Evangeliums um die Welt getragen hat, jeden Samen einer wahren missionarischen Bewegung vorantreibend. Benedikt XVI. dagegen scheint den von seinem Vorgänger eingeschlagenen Weg weitergehen zu wollen, indem er der Welt die Herausforderung des christlichen Logos enthüllt, der sich als Fülle des Sinnes des Lebens und Überzeugungskraft der Vernunft darstellt.
In seiner ersten Enzyklika fordert uns Papst Benedikt auf, das Antlitz des wahren Gottes wieder zu entdecken, der die Liebe ist, agápe, und uns dessen bewusst zu werden, dass wir, je kühner wir das Leben geben, umso mehr wir uns selbst wieder finden. Es ist nämlich die Herrlichkeit der Liebe, in unseren täglichen Entscheidungen das Leben für Gott und die anderen zu verlieren. Eine entschiedene und leidenschaftliche Aufforderung der Enzyklika ist es, das Leben zu wählen als Gegensatz zu einer Kultur des Todes, um einer von Ungewissheit und Angst gequälten Menschheit die Stimme Dessen neu vorzuschlagen, der gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Und um damit mitzuteilen, dass die grundlegende Befreiung, die die Kirche uns geben kann, darin besteht, im Horizont des Ewigen zu bleiben.
Dafür möchte ich dem Heiligen Vater von ganzem Herzen danken. Ich wünsche ihm, dass ihn die Güte Gottes jeden Tag seines Weges begleite.
Heiliger Vater, ad multos annos!