Unsere Liebe Frau von Aparecida
Man schreibt das Jahr 1717. Der Fluss Paraíba spült eine schlammbedeckte Muttergottesstatue an Land, die schon bald eine landesweite Verehrung auslöst.
von Stefania Falasca

Die Basilika Unserer Lieben Frau von Aparecida, in Aparecida do Norte (Staat São Paulo), Brasilien.
In diesem einzigartigen feierlichen Augenblick möchte ich vor Dir, Mutter, das Herz dieses Volkes öffnen, in dessen Mitte Du auf besondere Weise verweilen wolltest […]. Ich möchte vor Dir das Herz der Kirche öffnen und das der Welt, zu der diese Kirche durch Deinen Sohn gesandt wurde. Ich möchte Dir auch mein eigenes Herz öffnen […]. Maria, ich grüße Dich und rufe Dir ‚Ave‘ zu in diesem Heiligtum, wo die Kirche Brasiliens Dir ihre Liebe schenkt, Dich verehrt und als ‚Aparecida‘ anruft, als ihr in besonderer Weise ‚Geoffenbarte‘ und ‚Geschenkte‘. Als ihre Mutter und Patronin! Als Mittlerin und Fürsprecherin, verbunden mit dem Sohn, dessen Mutter Du bist! Als Vorbild aller Seelen, in denen echte Weisheit lebt und zugleich die Einfalt des Kindes. Von Dir strahlt Vertrauen aus, das alle Schwachheit und alles Leid überwindet!“
(Gebet von Johannes Paul II.,Basilika von Aparecida, 4. Juli 1980. Gebet und Homilie zitiert nach: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 29/1980, SS. 8 und 9)
Die Geschichte
Im Jahr 1554 kam eine Gruppe von Jesuiten, angeführt von Pater José de Anchieta, nach Saõ Paulo, um den Indios der Stämme Tupi und Guaraní den Schatz des christlichen Glaubens zu bringen. Sie gründeten Saõ Paulo, das ein wichtiges Evangelisierungs-Zentrum wurde. Die Missionare bemühten sich besonders darum, die Verehrung der Jungfrau Maria zu vermitteln und stellten die Rolle heraus, die sie, als Mutter Gottes, im Heilswerk hatte. Jeden Nachmittag gab es die Katechesen, und man betete den heiligen Rosenkranz. In vielen Dörfern und Städten verbreiteten sich die Rosenkranzbruderschaften, wurden Prozessionen und Novenen abgehalten.
Dann kam das Jahr 1717. Der Gouverneur der Capitanie Saõ Paulo, Don Pedro de Almeida, war auf dem Weg nach Minas Gerais und musste das Paraíba-Tal durchqueren. Um die Verpflegung des Gouverneurs und seiner Begleittruppe zu gewährleisten, hatte man die Fischer des Ortes gebeten, soviel Fisch wie möglich heranzuschaffen.
Unter den Fischern befanden sich auch Domingos Garzia, Juão Alves und Felipe Pedroso. Sie begaben sich zum Fluss Paraíba, warfen mehrmals ihre Netze aus, aber es gelang ihnen nicht, auch nur einen Fisch zu fangen. Sie fuhren ca. 6km weit hinaus, bis zum Hafen von Itaguassú. Auch hier warfen sie ihre Netze aus, aber das einzige, was sie fingen, war eine mit Schlamm bedeckte Statue ohne Kopf. Als sie die Netze wieder ins Wasser warfen, tauchte auf einmal auch der Kopf auf, und sie sahen, dass es sich um eine Statue der Unbefleckten Jungfrau handelte. Da wendete sich auf einmal das Blatt, und die Fischer konnten mit einer großen Menge Fisch nach Hause zurückkehren. Das, was ihnen da geschehen war, konnten sie sich nicht erklären. Felipe Pedroso bewahrte die Statue ca. sechs Jahre lang bei sich zu Hause auf und schenkte sie 1733 seinem Sohn. Dieser ließ ein Oratorium errichten und die Muttergottesstatue dort aufstellen.
Da ereigneten sich die ersten Wunder, und schon bald war die Muttergottesstatue in aller Munde. Aus den umliegenden Dörfern kamen immer mehr Pilger, und da die Kapelle von Itaguassú schon bald zu klein war, ließ der Kaplan der Pfarrei von Guaratinguetá im Morro dos Coqueiros eine größere Kapelle bauen. Die Einweihung erfolgte am 26. Juni 1745 mit der Anrufung Unserer Lieben Frau von Aparecida. Die Zahl der Pilger nahm zu, und die Verehrung weitete sich schon bald auf ganz Brasilien aus. Viele Kirchen und Kapellen wurden Unserer Lieben Frau von Aparecida geweiht; überall wurde sie als Mutter und Schutzpatronin angerufen. 1852 wurde ein neues Heiligtum gebaut, 1888 ein weiteres. 1904 erfolgte die feierliche Krönung der Statue; 1908 wurde die Kirche zur Unterbasilika erhoben. Am 16. Juni 1930 erklärte Pius XI. Unsere Liebe Frau von Aparecida zur Schutzpatronin von Brasilien. 1946 wurde mit dem Bau der aktuellen Basilika begonnen. 1967, zum Gedenken an die 250 Jahre seit dem Auftauchen der Statue aus den Wassern des Flusses, schickte Papst Paul VI. eine goldene Rose, die man zu Füßen des Thrones niederlegte. Am 4. Juli 1980 wurde die heutige Basilika, die nur wenig kleiner ist als die der Petersbasilika, von Johannes Paul II. geweiht.