Die Untergrundzeitung Il Popolo
Einen Zeitungskiosk zu erhalten, ist nach wie vor ein schwieriges Unterfangen (dasselbe gilt für Apotheken). Die Besitzer haben eine wichtige Rolle beim Vertrieb (im Falle der offiziellen Zeitungen erhalten sie auch einen beachtlichen Anteil aus den Einnahmen). Bei Blättern mit niedriger Auflage kann man nur auf das Wohlwollen der Einzelnen hoffen.
Giulio Andreotti

Giovanni Battista Montini und Guido Gonella (erster von rechts) auf dem Petersplatz.
Mit großem (fast schon sorglos zu nennenden) Mut kam Luciana Segreto mit den Unterlagen über mögliche Mitarbeiter, die sie den Listen katholischer Universitätsabgänger entnommen hatte. Wenn sie in die Hände der Polizei geraten wären, hätten die Betroffenen – ohne eigenes Verschulden – große Probleme bekommen.
Der Abgeordnete De Gasperi schrieb immer den Leitartikel, und auch beim Korrekturlesen war er sehr genau, tat das mindestens zwei oder sogar mehrere Male.
Es war wohl einer gewissen Naivität zuzuschreiben, wenn das Layout dasselbe war wie das der FUCI-Zeitung; bis der Botschafter beim Hl. Stuhl ins Staatssekretariat ging und bat, uns nahezulegen, keine „Fingerabdrücke zu hinterlassen“. Als Aldo Moro zu uns stieß, mussten wir beim Korrekturlesen mit ihm mithalten. Er korrigierte sie sogar dreimal, und jedes Mal mit alles andere als nebensächlichen Korrekturen.
Der Vertrieb der Zeitung erfolgte natürlich unter der Hand, was dank verständnisvoller Pförtner und Amtsdiener möglich war. Es kam auch zu einem vertraulichen Austausch mit den Zeitungen anderer politischer Kräfte (angefangen bei l’Unità). Wie die Zeitungen der anderen Parteien arbeiteten wir im Untergrund, mit Hilfe von Pförtnern, Pfarreien und Klöstern.
Es war eine Untergrundzeitung, bei der beachtliche Interessen im Spiel waren; mit ausnahmsweisem Vertrieb an den Zeitungskiosken nach Vereinbarung mit den jeweiligen Inhabern. Wachposten und Verteiler von Rhizinus- (oder Maschinen-)öl standen dort oft bereit, um den Untergründlern eine Abreibung zu erteilen.
Einen Zeitungskiosk zu erhalten, ist nach wie vor ein schwieriges Unterfangen (dasselbe gilt für Apotheken). Die Besitzer haben eine wichtige Rolle beim Vertrieb (im Falle der offiziellen Zeitungen erhalten sie auch einen beachtlichen Anteil aus den Einnahmen).
Bei Blättern mit niedriger Auflage kann man nur auf das Wohlwollen der Einzelnen zu hoffen.