Abdullah Redouane, Generalsekretär des Islamischen Kulturzentrums in Italien.
Ein fruchtbares, nicht nur symbolisches Ereignis
von Abdullah Redouane

Der Oberrabbiner von Rom, Riccardo Shmuel Di Segni, zu Besuch in der Moschee von Rom, mit Abdullah Redouane, (13. März 2006).
Ich habe noch den langen, herzlichen Händedruck der beiden vor Augen. Das Ausmaß dieser Begegnung geht aber gewiss nicht nur aus ihren offiziellen Titeln hervor – obwohl man an diesen natürlich das Außergewöhnliche, um nicht zu sagen die Einzigartigkeit dieser Begegnung sieht, das Zeichen, das diese in der Geschichte und in den Herzen der Gläubigen hinterlassen wird. Ein Zeichen, das meiner Meinung nach zweifelsohne fruchtbar sein wird, reich an Hoffnung und tatkräftigem Dialog. Einem Dialog, der – nicht nur symbolisch – damit einen seiner Höhepunkte erreicht hat.
Diese beiden Männer, Träger und Repräsentanten zweier alter, einander auf ihre Weise ähnlichen Religionen, die das Leben von Milliarden Menschen inspirieren und orientieren, haben viel erlebt, viel gedacht. Ihr Alter hat sie das vergangene Jahrhundert erleben lassen, mit all seinen Dramen und seiner Hoffnung auf Neugeburt und Frieden; und es lässt sie nun, am Anbruch des neuen Jahrhunderts, zu Leitfiguren werden in Zeiten der Wirren und des Unverständnisses. Aus ihren Schlusserklärungen geht die große Bedeutung hervor, die sie der Zusammenarbeit zwischen Christen, Muslimen und Juden beimessen beim gemeinsamen Vorantreiben des Friedens und der Gerechtigkeit, der geistlichen und moralischen Werte, besonders zum Schutz der Familie. Jener Familie, die sowohl im Islam als auch im Christentum die Grundlage für das Zusammenleben darstellt; diese Familie, die die Basis der Gesellschaft ist und die heute so sehr bedroht ist. König Abdullah wollte bei der Begegnung auch die Juden erwähnen, die, wie Christen und Muslime, an den einen Gott glauben und Abraham zum Vater haben. Wie hätte ich da umhin kommen können, an eine andere Begegnung zu denken, bei der ich selbst dabei sein durfte und die – natürlich in ihrem entsprechend kleineren Ausmaß – von der heutigen komplettiert wird: den Besuch des Oberrabbiners von Rom im Islamischen Kulturzentrum von Italien. Juden und Muslime vereint.
Der Papst und König Abdullah wollten all jenen, die bereit sein werden, ihnen Gehör zu verleihen, eine Botschaft des Friedens überbringen. Frieden den Menschen, Frieden dem Nahen Osten. Sie wollten zeigen, dass Miteinander-Sprechen nicht nur möglich, sondern sogar eine Pflicht ist. Dass der Dialog, der Meinungsaustausch, die Suche nach Lösungen keine Herabsetzung, keine Selbstaufgabe bedeutet, sondern eine Bereicherung. Christen und Muslime haben einen langen gemeinsamen Weg hinter sich, haben viel gemeinsam aufgebaut. Wenn die Geschichte also – wie man oft und manchmal allzu gern zu sagen pflegt – eine Lehrmeisterin des Lebens ist, dann zeigt sie uns, dass der Mensch mit Hilfe Gottes sein Schicksal immer noch in die Hand nehmen kann; dass er die Welt retten kann und sich selbst, Geschöpf Gottes, geschaffen in der besten Form.