FRAUEN IN DER KURIE. Begegnung mit Schwester Enrica Rosanna.
Der Beitrag des weiblichen Genius
Interview mit der Untersekretärin der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens. Der Frau, die das höchste Amt jenseits des Tibers innehat.
Interview mit Sr. Enrica Rosanna von Gianni Cardinale
Vor einigen Wochen, am 27. Oktober, stand in der
englischen katholischen Wochenzeitung The Tablet zu lesen, dass der engste Mitarbeiter von Benedikt XVI.,
Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, am 18. Juli ankündigte,
dass bald mehr verantwortungsvolle Posten in der Römischen Kurie von
Frauen besetzt werden würden. Worte, denen aber – so The Tablet – bisher noch
keine Taten gefolgt sind. In Erwartung diesbezüglicher Entwicklungen
hatte 30Tage Gelegenheit,
mit der Frau zu sprechen, die derzeit das höchste Amt in den
Zentralorganen des Hl. Stuhls inne hat: Sr. Enrica Rosanna, aus dem Orden
der Frauen von der Heimsuchung Mariens – dem weiblichen Zweig der
Salesianer-Familie. Am 24. April 2004 ernannte sie Johannes Paul II. zum Untersekretär –
man beachte die Endung – der Kongregation für die
Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen
Lebens. Eine wahrhaft revolutionäre Ernennung, wenn man bedenkt, dass
damit zum ersten Mal einer Frau dieses leitende Amt in einer Kongregation
übertragen wurde (bereits von 1966 bis 1976 hatte eine Frau dieses Amt
inne, die australische Laiin Rosemary Goldie, allerdings in einem
Päpstlichen Rat, dem für die Laien).
Sr. Rosanna, aus dem lombardischen Busto Arsizio, Provinz Varese und Erzdiözese Mailand, trat 1964 in die Ordensfamilie Don Boscos ein. Bis 1998 war sie als Dozentin und dann Direktorin der einzigen Päpstlichen „Frauen-“Fakultät tätig, dem Auxilium. Die wegen ihrer Kompetenz allseits geschätzte Religionssoziologin und Pädagogikexpertin gehörte der Expertengruppe verschiedener Synoden an, und seit 1996 auch der Sachverständigenkommission, die der ehemalige Kultusminister Luigi Berlinguer einrichtete.

Sr. Rosanna, wie haben Sie Ihre Ernennung zur
Untersekretärin der Kongregation für die Institute des geweihten
Lebens aufgenommen?
SCHWESTER ENRICA ROSANNA: Mit Glauben und der Disponibilität zum Dienst. All das zur Verfügung stellend, was ich bin und was ich kann. Auch mit ein bisschen „Herzklopfen“, aber doch stets in der Bereitschaft, dazu zu lernen.
Haben Sie mit Ihrer Ernennung gerechnet?
ROSANNA: Nein. Ich habe an der Römischen Synode teilgenommen, war Expertin bei drei Weltbischofssynoden: der über das geweihte Leben (1994), über Europa (1999), und über die Bischöfe (2001). Dabei hatte ich Gelegenheit, Johannes Paul II. kennen zu lernen, und konnte diesen Papst auch empfangen, als er dem Auxilium seinen Besuch abstattete. Aber diesen Ruf hätte ich mir ehrlich gesagt nie erwartet.
Wie erklären Sie sich die Ernennung einer Schwester zum „Untersekretär“ der Kongregation?
ROSANNA: Aus dem Statistischen Jahrbuch der Kirche des Jahres 2002 gehen folgende Daten hervor: die Zahl der Ordenspriester beläuft sich auf 137.724; die der Ordensmänner, die keine Priester sind, auf 54.828; die Ordensfrauen sind 782.932. Die Zahl der Ordensfrauen ist fast doppelt so hoch wie die Gesamtzahl der Diözesan- und Ordenspriester. Zur Zahl der Ordensfrauen kommen noch die mehr als 47.000 kontemplativen Nonnen dazu, die Angehörigen der weiblichen Säkularinstitute, die Geweihten Jungfrauen, die Gottgeweihten, die den neuen Formen evangelischen Lebens angehören und die Ordensfrauen, die Mitglieder der Institute diözesanen Rechts sind. Diese Zahlen sind meiner Meinung nach Erklärung genug für die Ernennung einer Ordensfrau zum Untersekretär…
Welche Aufgaben haben Sie?
ROSANNA: Meine Rolle ist die einer Kollaboration, die mir übertragenen Aufgaben sind verschiedener Art: sie gehen von der Überprüfung von Akten bis zu Arbeitstreffen, und zwar sowohl im Dikasterium als auch bei Generalkapiteln, Versammlungen, Kongressen und Studientagungen. Ich versuche auch, allen unter die Arme zu greifen, die Hilfe brauchen und darum bitten.
Hat es Sie eingeschüchtert, die erste Schwester zu sein, der ein derartiges Amt übertragen wurde?
ROSANNA: Nein, ganz und gar nicht. Ich bin ja schon ein bisschen daran gewöhnt, sozusagen das Eis zu brechen. 1972 war ich die erste Frau, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana ihr Doktorat machte – mit einer Doktorarbeit über die Säkularisierung. Und ich war auch die erste Frau, die – auch dank des neu ernannten Kardinals und Salesianers Raffaele Farina – an einer Päpstlichen Universität unterrichtet hat.
Wie hat man Sie am Dikasterium aufgenommen?
ROSANNA: Es gab da natürlich eine verständliche „Schnupperzeit“ zum gegenseitigen kennen Lernen. Jetzt herrscht ein Klima des Vertrauens und des Respekts. Ich habe noch immer viel zu lernen und zähle auf die Hilfe und Kollaboration der Vorgesetzten und der Kollegen. Einige der dienstälteren Kollegen sind wahre „Lehrmeister“ für mich, und dafür kann ich ihnen nur von Herzen danken.
Und wie wurden Sie im Allgemeinen in der Römischen Kurie aufgenommen?
ROSANNA: Ich habe sehr viele Glückwunschkarten erhalten. Besonders gefreut habe ich mich über die von Kardinalvikar Camillo Ruini, den ich bei den Arbeiten der Römischen Synode kennen lernte.
Was war Ihre erste „Amtshandlung“ in Ihrem neuen Büro?
ROSANNA: Ich wollte den Räumen und dem Umgangston eine weibliche Note geben, und ich kann sagen, dass das allgemein sehr geschätzt wurde.
Waren die anderen Schwestern und Frauen, die in der Kurie arbeiten, mit Ihnen solidarisch?
ROSANNA: Ja, die, die mit mir zusammen arbeiten. Zu den ann können wir auch dort helfen, wo es um die Probleme anderer Frauen geht, die in der Realität der Kirche leben, als Gottgeweihte oder auch als Laien.
Die Ehefrau des ehemaligen englischen Premiers, Cherie Blair, eine Katholikin, hat vor einiger Zeit gesagt: „Eigentlich spricht nicht viel dagegen, warum die Hälfte der Posten in der Römischen Kurie nicht von Frauen besetzt sein sollte“. Was halten Sie von dieser Bemerkung?
ROSANNA: Ich halte nicht viel von den so genannten „rosa Quoten“. Weder in der Kirche noch anderswo. Die Frauen müssen Protagonistinnen sein können aufgrund ihrer Fähigkeiten und aufgrund des Konsenses, den man ihnen gibt. Sie brauchen keine Indianerreservate, die sich auch als Schuss nach hinten erweisen können.
Der Staats-Sekretär, der genau wie Sie der Salesianer-Familie angehört, hat eine stärkere Präsenz der Frauen in verantwortungsvollen Posten im Vatikan angekündigt. Was dürfen wir uns erwarten? Frauen auf dem Chefsessel oder mehr Sekretärinnen in den Dikasterien?
ROSANNA: Ich hoffe, dass durch meine Ernennung zur Untersekretärin ein erster Schritt gemacht ist, und immer mehr Frauen ihren „Genius“ unter Beweis stellen, ihn großzügig und ohne Vorbehalte dem Hl. Stuhls anbieten können. Über die Modalität dieses Dienstes wird der Papst befinden.
In kirchlichen Kreisen wird manchmal auch der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass nach den protestantischen Gemeinschaften und der Anglikanischen Gemeinschaft eines Tages auch die katholische Kirche Frauen zum Priesteramt zulassen könnte. Glauben Sie, dass das in ferner Zukunft Realität werden könnte?
ROSANNA: Das überlasse ich vertrauensvoll dem Urteil der Kirche.
Sie haben erwähnt, dass Ihnen Johannes Paul II. Ihr jetziges Amt übertrug. Welche ist die wichtigste Lektion, die Ihnen Johannes Paul II. erteilt hat?
ROSANNA: Die Aufmerksamkeit der menschlichen Person gegenüber und die Achtung der Würde der Person von der Empfängnis an bis zum Tod; die Aufmerksamkeit einer jeden Person gegenüber, unabhängig von deren Religion, Nationalität, Rasse. Diese Aufmerksamkeit geht nicht nur aus all seinen Enzykliken hervor, sondern auch aus seinen Ansprachen an Staatschefs und einfache Gläubige. Besonders bewundert habe ich auch seinen felsenfesten Glauben, seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Einheit und den Frieden, für das Leben, und sein Vertrauen in die junge Generation, die er so treffend als „Wächter des neuen Tages“ bezeichnete.

Welcher Gedanke von Johannes Paul II. über die
Beziehung zwischen Christus und den Ordensfrauen hat Sie am meisten
beeindruckt?
ROSANNA: Darauf gibt es keine schnelle Antwort, man müsste gründlich darüber nachdenken. Ich will nur ein paar Anmerkungen dazu machen. Johannes Paul II. hat uns wiederholt aufgerufen, mit Glauben und Freude die Wahl unserer kirchlichen Berufung zu leben, weil der Wert des geweihten Lebens vor allem in dem liegt, was es ist, und nicht so sehr in dem, was es durch die Werke zu schaffen vermag; keine Angst davor zu haben, sich mit Christus zu identifizieren… bis zum Kreuz. Er selbst hat uns diese Identifizierung bis zum Ende vorgelebt. Er hat uns gebeten, „Christus sichtbar zu machen“, „seinen Spuren zu folgen“, Licht auf dem Scheffel zu sein und nicht nur Sauerteig. Bei einer Begegnung mit der Internationalen Union der Generaloberinnen am 3. Mai 2001 hat er wundervolle Worte gefunden für die Nachfolge Christi, besonders für die Gelübde, und den Weg aufgezeigt, diese mit kreativer Treue zu leben. Diese herrlichen Worte kommen mir oft in den Sinn und geben mir neuen Auftrieb.
An welche Worte Benedikts XVI. zu diesem Thema denken Sie besonders gerne?
ROSANNA: An die Ansprache an die Generaloberen und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens vom 26. Mai 2006. Bei dieser Gelegenheit hat uns der Papst, fast schon in Fortführung und Vertiefung der von seinem Vorgänger gegebenen Richtlinien, gebeten, eine Reise in unser Inneres zu unternehmen: der Herr schaut zuerst auf das, was wir sind, und dann auf das, was wir tun. Eine Aufforderung, die wirklich ins Zentrum unserer Berufung trifft.
Die Wahl von Papst Benedikt XVI. wurde von vielen als Zeichen der Kontinuität mit Johannes Paul II. gesehen. Wie haben Sie den Übergang von einem Papst zum anderen empfunden?
ROSANNA: Meiner Meinung nach steht es außer Zweifel, dass zwischen dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. und dem von Papst Benedikt eine Kontinuität besteht. Derselbe leidenschaftliche Einsatz für Christus und für die Menschheit, dasselbe ökumenische Engagement, derselbe gute Draht zur jungen Generation… Man könnte sagen, dass die „Hand die gleiche geblieben ist“, auch wenn Papst Benedikt bei der Erfüllung seines Dienstes seine persönlichen Ressourcen voll und ganz ausschöpft, die seines akademischen Werdegangs und seiner Herkunft, die anders sind als die von Johannes Paul II. Beide sind Männer mit großem Glauben und einem felsenfesten Vertrauen in die Vorsehung; Männer, die sich dessen bewusst sind, dass der Herr es ist, der seine Kirche leitet. Und dass wir ohne Ihn, den Herrn, nichts tun können.
Welche Rolle haben die Ordensfrauen heute in der Kirche?
ROSANNA: Die Präsenz der Ordensfrauen ist sehr wichtig; sie haben eine tragende Rolle in der Evangelisierung, auch wenn es oft eine versteckte Sendung ist – sie also sozusagen Sauerteig der Welt sind. Sie sind aber auch Lampe auf dem Scheffel, weil die Leute in ihnen „Personen sehen, die stets für andere offen sind“; allzeit bereit, Probleme zu lösen, Ratschläge zu erteilen, eine Stütze und ein Trost zu sein, zu leiten und zu bilden. Sie stellen nicht nur ihren weiblichen Genius zu Verfügung, sondern die verschiedenen Charismen, die Gott ihnen geschenkt hat: das Charisma des Mitgefühls und der Nächstenliebe, das Charisma der Bildung, das der Evangelisierung und das des Dienstes an den Armen. Denken wir nur an all die großen heiligen Frauen, von denen wir uns bei unserem Dienst inspirieren lassen: Mutter Teresa von Kalkutta, Maria Domenica Mazzarello, Angela Merici, Klara von Assisi, Magdalena von Kanossa, Theresa von Avila, Katherina von Siena… und viele andere. Diese heiligen Frauen lehren uns Ordensfrauen nicht nur, wie man – aus unseren Charismen schöpfend – dient, sondern auch, von denen zu lernen, denen zu dienen wir die Ehre haben. Von den Armen und den Bedürftigen kann man immer lernen. Wir dürfen nicht vergessen, was der Herr gesagt hat: „Geben ist seliger denn nehmen.“
Die Zahl der Ordensfrauen hat in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen…
ROSANNA: Das stimmt leider, besonders in den Industriestaaten. Dazu habe ich einmal eine mehr als treffende Definition gelesen: wir Frauen geweihten Lebens müssen in diesen Momenten der Krise jene „Dämmerungsspiritualität“ leben, die uns dazu treibt, noch energischer zu sein, noch engagierter, eine noch größere Evangelisierungskraft zu zeigen, und damit doppelt Zeugen zu sein. Gerade, weil wir wenige sind, ruft uns der Herr, leuchtendere Lampen auf dem Scheffel zu sein.
Könnte es zu einer Umkehr der Berufungstendenzen kommen?
ROSANNA: Aus meiner Erfahrung kann ich wohl sagen – und ich sage es mit extremer Vorsicht, und vielleicht ein bisschen Verblüffung–, dass es eine Berufungspastoral gibt, die die junge Generation anspricht, aber es ist nicht klar, ob sie auch der Besonderheit der Frauen Rechnung trägt, also der engen Bindung, die zwischen dem Ruf zum Dienst für das Himmelreich und dem „weiblichen Genius“ besteht, jenem Genius, der jede Frau auszeichnet, die Gott dieser Welt schenkt. Vielleicht ist es an der Zeit, einen Qualitätssprung in dieser Richtung zu machen und sich darüber klar zu werden, dass eine „weibliche“ Berufungspastoral – wie bereits gesagt – nicht ohne einen Bezug auf den „weibliche Genius“ auskommen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine Berufungspastoral vor allem eines bedeutet: auch heute ist die Ernte reich, und wie könnten wir zweifeln, da wir doch an Jesus glauben und daran, dass das Evangelium aktuell ist?
Sie blicken also vertrauensvoll in die Zukunft?
ROSANNA: Berufungen zum geweihten Leben gibt es, und ich bin fest überzeugt davon, dass es junge Frauen gibt, die verstehen wollen, wie schön es ist, dem Herrn Jesus zu folgen mit ungeteiltem Herzen. Diese Feststellung erfüllt mein Herz mit Hoffnung: der Hoffnung, dass das Herz der jungen Frauen noch fruchtbar sein möge und es vor allem der Mühe lohnt, zu säen, auch wenn ein Teil der Samen unter die Dornen, ein anderer auf steinigen Boden fallen wird…; der Hoffnung, dass wir Gottgeweihte die Kraft haben mögen, jene Berufungskultur zu schaffen, die die junge Frauengeneration Christus entdecken lässt; es ihr ermöglicht, Ihm zu begegnen, an Ihn zu glauben, Ihm zu folgen wie Petrus, Johannes, Andreas, Simon…, wie Theresa von Avila, Klara von Assisi, Therese vom Kinde Jesus, Mutter Teresa von Kalkutta , Maria Domenica Mazzarello…; der Hoffnung, dass der „weibliche Genius“ mit seinen Ressourcen dem geweihten Leben etwas zu sagen hat; der Hoffnung, dass bessere Zeiten kommen auch für das geweihte Leben und dass die Ernte auch weiterhin reich sein wird. Wenn es nämlich stimmt, dass viele Institute eine tiefe Berufungskrise durchmachen, und dass ein immer größerer Prozentsatz dem Klosterleben den Rücken kehrt, so stimmt es auch, dass die schon lange bestehenden Institute immer mutig an vorderster Front „kämpfen“ (ich denke dabei z.B. an die Mission der Salesianer-Familie in Afrika), vor allem, um Balsam zu sein für die alten und neuen Formen der Armut; es stimmt, dass neue Formen evangelischen Lebens entstehen, dass die Berufungen in den jungen Kirchen erblühen. Und dass das Zeugnis vieler mutiger Ordensfrauen – ein Mut bis zum Martyrium – auch heute eine Realität ist: denken wir nur an Sr. Annalena Tonelli und Sr. Leonella Sgorbati…
Sie haben vorhin die Notwendigkeit angesprochen, der Berufungspastoral sozusagen eine „weibliche Note“ zu geben. Inwiefern?
ROSANNA: Ein erster Schritt könnte dahingehend gemacht werden, den jungen Frauen zu helfen, sich ihrer Rolle als Frauen bewusst zu werden, froh darüber zu sein, dass sie Frauen sind, „weiblich denken und weiblich handeln“, um ihrer Berufungsentscheidung einen besonderen Anstrich zu geben. Vielleicht ist es hierzu lohnend daran zu erinnern, dass die bei der Synode zum geweihten Leben anwesenden Ordensfrauen mit Nachdruck zum Ausdruck brachten, was der Kern des geweihten Lebens der Frauen ist. Dabei wurde der Akzent weniger auf die Rollen gesetzt, die dieses Leben in der Kirche spielen kann, als vielmehr auf seine Bedeutung als Zeugnis: die Liebe zu Christus mit ungeteiltem Herzen und das leuchtende Zeugnis seiner Barmherzigkeit und Zuneigung allen gegenüber, mit einer Vorliebe für die Ärmsten und Schwächsten. Ein weiterer Schritt könnte in Richtung der Wertschätzung der Konzeption und Erfahrung einer „über den Stereotyp hinausgehenden“ Mutterschaft gehen. Einer affektiven, kulturellen, spirituellen Mutterschaft, einer Mutterschaft, die vor allem in der „Fähigkeit der Sorge“ zum Ausdruck kommt. Die Charismen der weiblichen Zweige der Institute des geweihten Lebens, die in der Kirche stark vertreten sind, zeigen uns, wie vielfältig diese „Sorge“ sein kann, in der sich für Jugendliche viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten: die Sorge um Kinder und Jugendliche (denken wir an das Charisma der Bildungsinstitute), die Sorge um die Armen, die neuen Formen der Armut (denken wir an die Wohltätigkeits-Institute), die Sorge um die Wahrheit (denken wir an alle Ordensfrauen, die in den verschiedensten Ämtern und Graden in den Schulen tätig sind), die Sorge um den Frieden (denken wir an die Ordensfrauen in Ländern, wo Kriege geführt werden), die Sorge um die Liebe (denken wir an die Klausurschwestern…).
Schwester Enrica, sind Sie der Meinung, für Ihr Leben die richtige Entscheidung getroffen zu haben?
ROSANNA: Ich bin eine rundum zufriedene Don-Bosco-Schwester. Und durchaus kein Einzelfall: ich kenne viele Ordensfrauen, der verschiedensten Altersschichten, die glücklich sind über ihre Berufung und diese mit viel unentgeltlicher Liebe leben.
Sr. Rosanna, aus dem lombardischen Busto Arsizio, Provinz Varese und Erzdiözese Mailand, trat 1964 in die Ordensfamilie Don Boscos ein. Bis 1998 war sie als Dozentin und dann Direktorin der einzigen Päpstlichen „Frauen-“Fakultät tätig, dem Auxilium. Die wegen ihrer Kompetenz allseits geschätzte Religionssoziologin und Pädagogikexpertin gehörte der Expertengruppe verschiedener Synoden an, und seit 1996 auch der Sachverständigenkommission, die der ehemalige Kultusminister Luigi Berlinguer einrichtete.

Benedikt XVI. mit Schwester Enrica Rosanna und Kardinal Franc Rodé, Präfekt der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens.
SCHWESTER ENRICA ROSANNA: Mit Glauben und der Disponibilität zum Dienst. All das zur Verfügung stellend, was ich bin und was ich kann. Auch mit ein bisschen „Herzklopfen“, aber doch stets in der Bereitschaft, dazu zu lernen.
Haben Sie mit Ihrer Ernennung gerechnet?
ROSANNA: Nein. Ich habe an der Römischen Synode teilgenommen, war Expertin bei drei Weltbischofssynoden: der über das geweihte Leben (1994), über Europa (1999), und über die Bischöfe (2001). Dabei hatte ich Gelegenheit, Johannes Paul II. kennen zu lernen, und konnte diesen Papst auch empfangen, als er dem Auxilium seinen Besuch abstattete. Aber diesen Ruf hätte ich mir ehrlich gesagt nie erwartet.
Wie erklären Sie sich die Ernennung einer Schwester zum „Untersekretär“ der Kongregation?
ROSANNA: Aus dem Statistischen Jahrbuch der Kirche des Jahres 2002 gehen folgende Daten hervor: die Zahl der Ordenspriester beläuft sich auf 137.724; die der Ordensmänner, die keine Priester sind, auf 54.828; die Ordensfrauen sind 782.932. Die Zahl der Ordensfrauen ist fast doppelt so hoch wie die Gesamtzahl der Diözesan- und Ordenspriester. Zur Zahl der Ordensfrauen kommen noch die mehr als 47.000 kontemplativen Nonnen dazu, die Angehörigen der weiblichen Säkularinstitute, die Geweihten Jungfrauen, die Gottgeweihten, die den neuen Formen evangelischen Lebens angehören und die Ordensfrauen, die Mitglieder der Institute diözesanen Rechts sind. Diese Zahlen sind meiner Meinung nach Erklärung genug für die Ernennung einer Ordensfrau zum Untersekretär…
Welche Aufgaben haben Sie?
ROSANNA: Meine Rolle ist die einer Kollaboration, die mir übertragenen Aufgaben sind verschiedener Art: sie gehen von der Überprüfung von Akten bis zu Arbeitstreffen, und zwar sowohl im Dikasterium als auch bei Generalkapiteln, Versammlungen, Kongressen und Studientagungen. Ich versuche auch, allen unter die Arme zu greifen, die Hilfe brauchen und darum bitten.
Hat es Sie eingeschüchtert, die erste Schwester zu sein, der ein derartiges Amt übertragen wurde?
ROSANNA: Nein, ganz und gar nicht. Ich bin ja schon ein bisschen daran gewöhnt, sozusagen das Eis zu brechen. 1972 war ich die erste Frau, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana ihr Doktorat machte – mit einer Doktorarbeit über die Säkularisierung. Und ich war auch die erste Frau, die – auch dank des neu ernannten Kardinals und Salesianers Raffaele Farina – an einer Päpstlichen Universität unterrichtet hat.
Wie hat man Sie am Dikasterium aufgenommen?
ROSANNA: Es gab da natürlich eine verständliche „Schnupperzeit“ zum gegenseitigen kennen Lernen. Jetzt herrscht ein Klima des Vertrauens und des Respekts. Ich habe noch immer viel zu lernen und zähle auf die Hilfe und Kollaboration der Vorgesetzten und der Kollegen. Einige der dienstälteren Kollegen sind wahre „Lehrmeister“ für mich, und dafür kann ich ihnen nur von Herzen danken.
Und wie wurden Sie im Allgemeinen in der Römischen Kurie aufgenommen?
ROSANNA: Ich habe sehr viele Glückwunschkarten erhalten. Besonders gefreut habe ich mich über die von Kardinalvikar Camillo Ruini, den ich bei den Arbeiten der Römischen Synode kennen lernte.
Was war Ihre erste „Amtshandlung“ in Ihrem neuen Büro?
ROSANNA: Ich wollte den Räumen und dem Umgangston eine weibliche Note geben, und ich kann sagen, dass das allgemein sehr geschätzt wurde.
Waren die anderen Schwestern und Frauen, die in der Kurie arbeiten, mit Ihnen solidarisch?
ROSANNA: Ja, die, die mit mir zusammen arbeiten. Zu den ann können wir auch dort helfen, wo es um die Probleme anderer Frauen geht, die in der Realität der Kirche leben, als Gottgeweihte oder auch als Laien.
Die Ehefrau des ehemaligen englischen Premiers, Cherie Blair, eine Katholikin, hat vor einiger Zeit gesagt: „Eigentlich spricht nicht viel dagegen, warum die Hälfte der Posten in der Römischen Kurie nicht von Frauen besetzt sein sollte“. Was halten Sie von dieser Bemerkung?
ROSANNA: Ich halte nicht viel von den so genannten „rosa Quoten“. Weder in der Kirche noch anderswo. Die Frauen müssen Protagonistinnen sein können aufgrund ihrer Fähigkeiten und aufgrund des Konsenses, den man ihnen gibt. Sie brauchen keine Indianerreservate, die sich auch als Schuss nach hinten erweisen können.
Der Staats-Sekretär, der genau wie Sie der Salesianer-Familie angehört, hat eine stärkere Präsenz der Frauen in verantwortungsvollen Posten im Vatikan angekündigt. Was dürfen wir uns erwarten? Frauen auf dem Chefsessel oder mehr Sekretärinnen in den Dikasterien?
ROSANNA: Ich hoffe, dass durch meine Ernennung zur Untersekretärin ein erster Schritt gemacht ist, und immer mehr Frauen ihren „Genius“ unter Beweis stellen, ihn großzügig und ohne Vorbehalte dem Hl. Stuhls anbieten können. Über die Modalität dieses Dienstes wird der Papst befinden.
In kirchlichen Kreisen wird manchmal auch der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass nach den protestantischen Gemeinschaften und der Anglikanischen Gemeinschaft eines Tages auch die katholische Kirche Frauen zum Priesteramt zulassen könnte. Glauben Sie, dass das in ferner Zukunft Realität werden könnte?
ROSANNA: Das überlasse ich vertrauensvoll dem Urteil der Kirche.
Sie haben erwähnt, dass Ihnen Johannes Paul II. Ihr jetziges Amt übertrug. Welche ist die wichtigste Lektion, die Ihnen Johannes Paul II. erteilt hat?
ROSANNA: Die Aufmerksamkeit der menschlichen Person gegenüber und die Achtung der Würde der Person von der Empfängnis an bis zum Tod; die Aufmerksamkeit einer jeden Person gegenüber, unabhängig von deren Religion, Nationalität, Rasse. Diese Aufmerksamkeit geht nicht nur aus all seinen Enzykliken hervor, sondern auch aus seinen Ansprachen an Staatschefs und einfache Gläubige. Besonders bewundert habe ich auch seinen felsenfesten Glauben, seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Einheit und den Frieden, für das Leben, und sein Vertrauen in die junge Generation, die er so treffend als „Wächter des neuen Tages“ bezeichnete.

Johannes Paul II. mit Schwester Enrica Rosanna.
ROSANNA: Darauf gibt es keine schnelle Antwort, man müsste gründlich darüber nachdenken. Ich will nur ein paar Anmerkungen dazu machen. Johannes Paul II. hat uns wiederholt aufgerufen, mit Glauben und Freude die Wahl unserer kirchlichen Berufung zu leben, weil der Wert des geweihten Lebens vor allem in dem liegt, was es ist, und nicht so sehr in dem, was es durch die Werke zu schaffen vermag; keine Angst davor zu haben, sich mit Christus zu identifizieren… bis zum Kreuz. Er selbst hat uns diese Identifizierung bis zum Ende vorgelebt. Er hat uns gebeten, „Christus sichtbar zu machen“, „seinen Spuren zu folgen“, Licht auf dem Scheffel zu sein und nicht nur Sauerteig. Bei einer Begegnung mit der Internationalen Union der Generaloberinnen am 3. Mai 2001 hat er wundervolle Worte gefunden für die Nachfolge Christi, besonders für die Gelübde, und den Weg aufgezeigt, diese mit kreativer Treue zu leben. Diese herrlichen Worte kommen mir oft in den Sinn und geben mir neuen Auftrieb.
An welche Worte Benedikts XVI. zu diesem Thema denken Sie besonders gerne?
ROSANNA: An die Ansprache an die Generaloberen und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens vom 26. Mai 2006. Bei dieser Gelegenheit hat uns der Papst, fast schon in Fortführung und Vertiefung der von seinem Vorgänger gegebenen Richtlinien, gebeten, eine Reise in unser Inneres zu unternehmen: der Herr schaut zuerst auf das, was wir sind, und dann auf das, was wir tun. Eine Aufforderung, die wirklich ins Zentrum unserer Berufung trifft.
Die Wahl von Papst Benedikt XVI. wurde von vielen als Zeichen der Kontinuität mit Johannes Paul II. gesehen. Wie haben Sie den Übergang von einem Papst zum anderen empfunden?
ROSANNA: Meiner Meinung nach steht es außer Zweifel, dass zwischen dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. und dem von Papst Benedikt eine Kontinuität besteht. Derselbe leidenschaftliche Einsatz für Christus und für die Menschheit, dasselbe ökumenische Engagement, derselbe gute Draht zur jungen Generation… Man könnte sagen, dass die „Hand die gleiche geblieben ist“, auch wenn Papst Benedikt bei der Erfüllung seines Dienstes seine persönlichen Ressourcen voll und ganz ausschöpft, die seines akademischen Werdegangs und seiner Herkunft, die anders sind als die von Johannes Paul II. Beide sind Männer mit großem Glauben und einem felsenfesten Vertrauen in die Vorsehung; Männer, die sich dessen bewusst sind, dass der Herr es ist, der seine Kirche leitet. Und dass wir ohne Ihn, den Herrn, nichts tun können.
Welche Rolle haben die Ordensfrauen heute in der Kirche?
ROSANNA: Die Präsenz der Ordensfrauen ist sehr wichtig; sie haben eine tragende Rolle in der Evangelisierung, auch wenn es oft eine versteckte Sendung ist – sie also sozusagen Sauerteig der Welt sind. Sie sind aber auch Lampe auf dem Scheffel, weil die Leute in ihnen „Personen sehen, die stets für andere offen sind“; allzeit bereit, Probleme zu lösen, Ratschläge zu erteilen, eine Stütze und ein Trost zu sein, zu leiten und zu bilden. Sie stellen nicht nur ihren weiblichen Genius zu Verfügung, sondern die verschiedenen Charismen, die Gott ihnen geschenkt hat: das Charisma des Mitgefühls und der Nächstenliebe, das Charisma der Bildung, das der Evangelisierung und das des Dienstes an den Armen. Denken wir nur an all die großen heiligen Frauen, von denen wir uns bei unserem Dienst inspirieren lassen: Mutter Teresa von Kalkutta, Maria Domenica Mazzarello, Angela Merici, Klara von Assisi, Magdalena von Kanossa, Theresa von Avila, Katherina von Siena… und viele andere. Diese heiligen Frauen lehren uns Ordensfrauen nicht nur, wie man – aus unseren Charismen schöpfend – dient, sondern auch, von denen zu lernen, denen zu dienen wir die Ehre haben. Von den Armen und den Bedürftigen kann man immer lernen. Wir dürfen nicht vergessen, was der Herr gesagt hat: „Geben ist seliger denn nehmen.“
Die Zahl der Ordensfrauen hat in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen…
ROSANNA: Das stimmt leider, besonders in den Industriestaaten. Dazu habe ich einmal eine mehr als treffende Definition gelesen: wir Frauen geweihten Lebens müssen in diesen Momenten der Krise jene „Dämmerungsspiritualität“ leben, die uns dazu treibt, noch energischer zu sein, noch engagierter, eine noch größere Evangelisierungskraft zu zeigen, und damit doppelt Zeugen zu sein. Gerade, weil wir wenige sind, ruft uns der Herr, leuchtendere Lampen auf dem Scheffel zu sein.
Könnte es zu einer Umkehr der Berufungstendenzen kommen?
ROSANNA: Aus meiner Erfahrung kann ich wohl sagen – und ich sage es mit extremer Vorsicht, und vielleicht ein bisschen Verblüffung–, dass es eine Berufungspastoral gibt, die die junge Generation anspricht, aber es ist nicht klar, ob sie auch der Besonderheit der Frauen Rechnung trägt, also der engen Bindung, die zwischen dem Ruf zum Dienst für das Himmelreich und dem „weiblichen Genius“ besteht, jenem Genius, der jede Frau auszeichnet, die Gott dieser Welt schenkt. Vielleicht ist es an der Zeit, einen Qualitätssprung in dieser Richtung zu machen und sich darüber klar zu werden, dass eine „weibliche“ Berufungspastoral – wie bereits gesagt – nicht ohne einen Bezug auf den „weibliche Genius“ auskommen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine Berufungspastoral vor allem eines bedeutet: auch heute ist die Ernte reich, und wie könnten wir zweifeln, da wir doch an Jesus glauben und daran, dass das Evangelium aktuell ist?
Sie blicken also vertrauensvoll in die Zukunft?
ROSANNA: Berufungen zum geweihten Leben gibt es, und ich bin fest überzeugt davon, dass es junge Frauen gibt, die verstehen wollen, wie schön es ist, dem Herrn Jesus zu folgen mit ungeteiltem Herzen. Diese Feststellung erfüllt mein Herz mit Hoffnung: der Hoffnung, dass das Herz der jungen Frauen noch fruchtbar sein möge und es vor allem der Mühe lohnt, zu säen, auch wenn ein Teil der Samen unter die Dornen, ein anderer auf steinigen Boden fallen wird…; der Hoffnung, dass wir Gottgeweihte die Kraft haben mögen, jene Berufungskultur zu schaffen, die die junge Frauengeneration Christus entdecken lässt; es ihr ermöglicht, Ihm zu begegnen, an Ihn zu glauben, Ihm zu folgen wie Petrus, Johannes, Andreas, Simon…, wie Theresa von Avila, Klara von Assisi, Therese vom Kinde Jesus, Mutter Teresa von Kalkutta , Maria Domenica Mazzarello…; der Hoffnung, dass der „weibliche Genius“ mit seinen Ressourcen dem geweihten Leben etwas zu sagen hat; der Hoffnung, dass bessere Zeiten kommen auch für das geweihte Leben und dass die Ernte auch weiterhin reich sein wird. Wenn es nämlich stimmt, dass viele Institute eine tiefe Berufungskrise durchmachen, und dass ein immer größerer Prozentsatz dem Klosterleben den Rücken kehrt, so stimmt es auch, dass die schon lange bestehenden Institute immer mutig an vorderster Front „kämpfen“ (ich denke dabei z.B. an die Mission der Salesianer-Familie in Afrika), vor allem, um Balsam zu sein für die alten und neuen Formen der Armut; es stimmt, dass neue Formen evangelischen Lebens entstehen, dass die Berufungen in den jungen Kirchen erblühen. Und dass das Zeugnis vieler mutiger Ordensfrauen – ein Mut bis zum Martyrium – auch heute eine Realität ist: denken wir nur an Sr. Annalena Tonelli und Sr. Leonella Sgorbati…
Sie haben vorhin die Notwendigkeit angesprochen, der Berufungspastoral sozusagen eine „weibliche Note“ zu geben. Inwiefern?
ROSANNA: Ein erster Schritt könnte dahingehend gemacht werden, den jungen Frauen zu helfen, sich ihrer Rolle als Frauen bewusst zu werden, froh darüber zu sein, dass sie Frauen sind, „weiblich denken und weiblich handeln“, um ihrer Berufungsentscheidung einen besonderen Anstrich zu geben. Vielleicht ist es hierzu lohnend daran zu erinnern, dass die bei der Synode zum geweihten Leben anwesenden Ordensfrauen mit Nachdruck zum Ausdruck brachten, was der Kern des geweihten Lebens der Frauen ist. Dabei wurde der Akzent weniger auf die Rollen gesetzt, die dieses Leben in der Kirche spielen kann, als vielmehr auf seine Bedeutung als Zeugnis: die Liebe zu Christus mit ungeteiltem Herzen und das leuchtende Zeugnis seiner Barmherzigkeit und Zuneigung allen gegenüber, mit einer Vorliebe für die Ärmsten und Schwächsten. Ein weiterer Schritt könnte in Richtung der Wertschätzung der Konzeption und Erfahrung einer „über den Stereotyp hinausgehenden“ Mutterschaft gehen. Einer affektiven, kulturellen, spirituellen Mutterschaft, einer Mutterschaft, die vor allem in der „Fähigkeit der Sorge“ zum Ausdruck kommt. Die Charismen der weiblichen Zweige der Institute des geweihten Lebens, die in der Kirche stark vertreten sind, zeigen uns, wie vielfältig diese „Sorge“ sein kann, in der sich für Jugendliche viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten: die Sorge um Kinder und Jugendliche (denken wir an das Charisma der Bildungsinstitute), die Sorge um die Armen, die neuen Formen der Armut (denken wir an die Wohltätigkeits-Institute), die Sorge um die Wahrheit (denken wir an alle Ordensfrauen, die in den verschiedensten Ämtern und Graden in den Schulen tätig sind), die Sorge um den Frieden (denken wir an die Ordensfrauen in Ländern, wo Kriege geführt werden), die Sorge um die Liebe (denken wir an die Klausurschwestern…).
Schwester Enrica, sind Sie der Meinung, für Ihr Leben die richtige Entscheidung getroffen zu haben?
ROSANNA: Ich bin eine rundum zufriedene Don-Bosco-Schwester. Und durchaus kein Einzelfall: ich kenne viele Ordensfrauen, der verschiedensten Altersschichten, die glücklich sind über ihre Berufung und diese mit viel unentgeltlicher Liebe leben.