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EDITORIAL
Aus Nr. 04 - 2008

Eine interessante Studientagung


Der Weg, den wir hinter uns gebracht haben, ist alles andere als unwichtig. Nun aber gilt es, auch die junge Generation davon zu überzeugen, dass genau in dieser Richtung das Geheimnis für eine positive Zukunft des alten Kontinents – und folglich der ganzen Welt – liegt.


Giulio Andreotti


Robert Schuman, französischer Außenminister, bei der Unterzeichnung des Abkommens zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, Paris, 27. Mai 1952.

Robert Schuman, französischer Außenminister, bei der Unterzeichnung des Abkommens zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, Paris, 27. Mai 1952.

In Rom, am Sitz des alten Militärkollegs, konnte ich einmal an einer interessanten Studientagung teilnehmen, die von der Europäischen Vereinigung für internationale Studien organisiert worden war. Thema: „Die Europäische Union, für die Förderung des Friedens und der weltweiten Solidarität.“
Dabei wurden die einzelnen Aspekte des faszinierenden Ziels, das den Gründervätern von Anfang an vorschwebte, von Universitätsdozenten und leitenden Persönlichkeiten der Institutionen der Europäischen Gemeinschaft effizient abgesteckt. Der Weg, den wir hinter uns gebracht haben, ist alles andere als unwichtig. Nun aber gilt es, auch die junge Generation davon zu überzeugen, dass genau in dieser Richtung das Geheimnis für eine positive Zukunft des alten Kontinents – und folglich der ganzen Welt – liegt.
Die Gründerväter waren weitsichtig genug, das Ziel – und somit auch die Programme – an eine assoziierte militärische Verteidigung zu knüpfen. Eine Neuheit, die gegen die hartnäckige Tradition einzelner Länder verstieß (angefangen bei Frankreich, das in der Tat einen ersten Versuch scheitern ließ).
Die klare Fomulierung eines effizienten Modells zur Vermeidung der Gefahr, dass die Kontraste zwischen Frankreich und Deutschland einen Weltkrieg auslösten, war der starke Ausgangspunkt dieser neuen historischen Perspektive.
In den letzten Tagen seines Lebens litt De Gasperi sehr unter der französischen Ablehnung des Europäischen Verteidigungsabkommens. Und er starb dann ja auch tatsächlich nur neun Tage, bevor das Abkommen von der Nationalversammlung abgelehnt wurde.
Unvergesslich ist für mich die Erinnerung an die lebhaften Gespräche bei den Begegnungen von De Gasperi, Schuman und Adenauer. Da sie miteinander deutsch sprachen, konnten wir der Unterhaltung nicht folgen, aber ihr sichtlicher Enthusiasmus über diese authentische politische Revolution Europas war ansteckend.
An welchem Punkt sind wir heute, sechzig Jahre später, angelangt?
Über verschiedene Etappen ist ein weiter Weg zurückgelegt worden, ist die Überzeugung gewachsen, dass genau das die Richtung ist, in der wir voranschreiten müssen.
Meine Generation ist mit der gegenteiligen Überzeugung aufgewachsen, der nämlich, dass nicht Abkommen Ehre einbringen, sondern die Tatsache, „viele Feinde“ zu haben. Zur Zeit des Faschismus stand dieses Motto sogar an den Hauswänden geschrieben. Die von Mussolini gewollte vollkommene Isolation war leider für eine nicht gerade kurze Zeit Bestandteil der italienischen Außenpolitik.
Bei besagter Studientagung konnte ich eine alte Kritik meinerseits wieder auf den Tisch bringen: die an den Geschichtsbüchern für den Schulunterricht, die fast alle eine einzige Abfolge von Kriegen zu sein scheinen: kleine oder große, je nachdem. Zum Glück sehen viele Lehrer dann doch zu, dieses thematische Monopol wenigstens mündlich zu korrigieren.
Mit diesem Thema habe ich mich schon als Student beschäftigt, als ich feststellen konnte, dass nur wenig über die Erfindung des Drucks und andere wichtige Ereignisse geschrieben wurde: alles drehte sich nur um die großen und kleinen Kriege (den Hundertjährigen Krieg, den Sezessionskrieg, usw.).
Was den Stundenplan an den Schulen angeht, möchte ich aus meiner Kritik an dem so gut wie nicht vorhandenen Raum, den man der Kunstgeschichte einräumt, keinen Hehl machen. Im Ausland wird darauf normalerweise mehr Wert gelegt. Hier bei uns hat das allerdings schon absurde Ausmaße angenommen: Eine einzige Unterrichtsstunde pro Woche ist für dieses nicht zu vernachlässigende Fach vorgesehen. Wie traurig...


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