Archiv 30Tage
Die Beichte: das Sakrament der Demut der Gläubigen
von Lorenzo Cappelletti
„In unserer Zeit droht
der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen wie eine Flamme,
die keine Nahrung mehr findet.“ So beschrieb Benedikt XVI. in seinem
Brief an die Bischöfe der katholischen Kirche (10. März) die
derzeitige Situation des Glaubens. Ein knappes Jahr zuvor hatte er in
seiner Ansprache an die Teilnehmer des jährlich veranstalteten Kurses
der Apostolischen Pönitentiarie ähnliche Begriffe gebraucht,
sprach von einem „Verlöschen“ der Beichtpraxis als
Symptom der verbreiteten „Entfremdung“, die man der Kirche und
dem besagten Sakrament gegenüber feststellen könne.
Schon allein der Gebrauch eben dieses Bildes vom „Verlöschen“, Verschwindens, ist vielsagend. Das Sakrament der Beichte verschwindet, wenn der Glaube verschwindet.
Ein Grund für das Verschwinden des Glaubens mag die Freiheit des Menschen sein. Wenn man – wie der reiche junge Mann – „nein“ sagt zur liebevollen Anziehungskraft der Gnade. Angesichts des Verlöschens des Glaubens in weiten Teilen der Erde bedarf es aber vor allem des Gebets. Dort nämlich, „wo es um den Glauben geht, ist Gott der große Regisseur, weil Jesus gesagt hat: niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zu mir führt.“ Worte von Papst Johannes Paul I.
Nach der Feststellung, dass der Hauptgrund für das Verlöschen des Sakraments der Beichte das Verlöschen des Glaubens ist, kann man noch anfügen, dass zum Verschwinden dieses Sakraments auch der Umstand beigetragen hat, dass die christlichen Gemeinden ihr Leben mehr auf „Events“ konzentrieren als auf den Alltag. Und der Alltag besteht aus Gebeten („dem kurzen Morgengebet“ und „dem kurzen Abendgebet“, wie Papst Benedikt den Kindern unlängst wieder ins Gedächtnis rief) und der Vergebung für unsere Verfehlungen. „Quotidie petitores, quotidie debitores“ (Augustinus). Wir müssen jeden Tag beten, müssen jeden Tag Vergebung erlangen. Auch das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil verweist in einem der schönsten Sätze aus Lumen gentium darauf, dass die Gläubigen gerade in „den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist [...] gerufen sind, durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen“ (Nr. 31).
Auch der Umstand, dass man nicht mehr an die tragische Möglichkeit denkt, die Sünde des Sakrilegs zu begehen, wenn man die Kommunion in unwürdiger Weise empfängt, kann ein weiterer Grund für die Abnahme der Beichtpraxis sein. Es ist schmerzlich, feststellen zu müssen, dass im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche nicht mehr die Rede davon ist, dass die Sünde des Sakrilegs sowohl derjenige begeht, der im Beichtstuhl willentlich eine Todsünde verschweigt, als auch wer in unwürdiger Weise, also im Zustand der Todsünde, die Kommunion empfängt.
Wenn das Sündenbekenntnis „demütig, vollständig, aufrichtig, umsichtig und kurz“ ist, wie wir als Kinder im Katechismus des hl. Pius X. gelernt haben, erhalten wir im Bußsakrament, zusammen mit der Vergebung, auch die Gnade der Demut. So erfahren die Gläubigen die Beichte als Sakrament der Demut, durch das wir würdevoll das Sakrament der Demut des Herrn empfangen können, das „heiligste und demütigste Sakrament“, wie der Papst die Eucharistie so treffend definierte.
Lesen Sie in der Rubrik „Nova et vetera“ den Artikel, den Stefania Falasca im Januar 1999 dem heiligen Beichtvater Leopold Mandic gewidmet hat.
Wer bei dem Kapuzinermönch beichtete, musste dem Bekenntnis der eigenen armseligen Sünden nichts hinzufügen (das Beichten bei Pater Leopold ging normalerweise schnell). Es genügte niederzuknien, um aufrichtig zu beichten, weil schon darin der Schmerz enthalten war, dessen es für die Absolution bedurfte.
Schon allein der Gebrauch eben dieses Bildes vom „Verlöschen“, Verschwindens, ist vielsagend. Das Sakrament der Beichte verschwindet, wenn der Glaube verschwindet.
Ein Grund für das Verschwinden des Glaubens mag die Freiheit des Menschen sein. Wenn man – wie der reiche junge Mann – „nein“ sagt zur liebevollen Anziehungskraft der Gnade. Angesichts des Verlöschens des Glaubens in weiten Teilen der Erde bedarf es aber vor allem des Gebets. Dort nämlich, „wo es um den Glauben geht, ist Gott der große Regisseur, weil Jesus gesagt hat: niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zu mir führt.“ Worte von Papst Johannes Paul I.
Nach der Feststellung, dass der Hauptgrund für das Verlöschen des Sakraments der Beichte das Verlöschen des Glaubens ist, kann man noch anfügen, dass zum Verschwinden dieses Sakraments auch der Umstand beigetragen hat, dass die christlichen Gemeinden ihr Leben mehr auf „Events“ konzentrieren als auf den Alltag. Und der Alltag besteht aus Gebeten („dem kurzen Morgengebet“ und „dem kurzen Abendgebet“, wie Papst Benedikt den Kindern unlängst wieder ins Gedächtnis rief) und der Vergebung für unsere Verfehlungen. „Quotidie petitores, quotidie debitores“ (Augustinus). Wir müssen jeden Tag beten, müssen jeden Tag Vergebung erlangen. Auch das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil verweist in einem der schönsten Sätze aus Lumen gentium darauf, dass die Gläubigen gerade in „den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist [...] gerufen sind, durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen“ (Nr. 31).
Auch der Umstand, dass man nicht mehr an die tragische Möglichkeit denkt, die Sünde des Sakrilegs zu begehen, wenn man die Kommunion in unwürdiger Weise empfängt, kann ein weiterer Grund für die Abnahme der Beichtpraxis sein. Es ist schmerzlich, feststellen zu müssen, dass im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche nicht mehr die Rede davon ist, dass die Sünde des Sakrilegs sowohl derjenige begeht, der im Beichtstuhl willentlich eine Todsünde verschweigt, als auch wer in unwürdiger Weise, also im Zustand der Todsünde, die Kommunion empfängt.
Wenn das Sündenbekenntnis „demütig, vollständig, aufrichtig, umsichtig und kurz“ ist, wie wir als Kinder im Katechismus des hl. Pius X. gelernt haben, erhalten wir im Bußsakrament, zusammen mit der Vergebung, auch die Gnade der Demut. So erfahren die Gläubigen die Beichte als Sakrament der Demut, durch das wir würdevoll das Sakrament der Demut des Herrn empfangen können, das „heiligste und demütigste Sakrament“, wie der Papst die Eucharistie so treffend definierte.
Lesen Sie in der Rubrik „Nova et vetera“ den Artikel, den Stefania Falasca im Januar 1999 dem heiligen Beichtvater Leopold Mandic gewidmet hat.
Wer bei dem Kapuzinermönch beichtete, musste dem Bekenntnis der eigenen armseligen Sünden nichts hinzufügen (das Beichten bei Pater Leopold ging normalerweise schnell). Es genügte niederzuknien, um aufrichtig zu beichten, weil schon darin der Schmerz enthalten war, dessen es für die Absolution bedurfte.