Und der kommunistische Sekretär brachte einen Kelch für die Messe
Die ersten Fragen des langen Gesprächs eines Priesters aus der Untergrundkirche mit Bischof Francis An Shuxin betreffen die Zeit, in der Msgr. An inhaftiert war und in Isolation gehalten wurde (1996 bis 2006). Das einfache Zeugnis des Bischofs zeigt, wie die Gnade des Herrn die Herzen seiner Kinder auch unter den widrigsten Umständen trösten und stärken kann.
Gespräch eines Untergrund-Priesters mit Bischof Francis An Shuxin
Wir interessieren uns vor allem für Ihre Lage in
der Zeit des Hausarrests, insbesondere für Ihr Gebet und Ihre innere
Verfasstheit. Können Sie uns mehr dazu sagen?
FRANCIS AN SHUXIN: Die Regierungspolitik den Bischöfen und Priestern gegenüber ist jetzt anders als zuvor, ein bisschen menschlicher. Wir Bischöfe werden in Isolation gehalten, an einen bewachten Ort gebracht, wo wir keine Möglichkeit haben, irgendjemanden zu kontaktieren. Besonders die Menschen, die uns nahestehen, dürfen wir nicht sehen. Man hat aber auch nach Gelegenheiten gesucht, mich andere Diözesen besuchen zu lassen, wonach ich natürlich sofort wieder zurückkehren musste. Dass ich die Isolation verlassen durfte, war natürlich nicht oft der Fall, aber das ein oder andere Mal ist es schon passiert. […]
1996 wirbelte ein von einem französischen Filmteam gedrehter Dokumentarfilm über die Diözese Baoding viel Staub auf. Peking war hellhörig geworden und zeigte auf einmal reges Interesse an der Diözese Baoding. Selbst die Stadt Baoding maß der Angelegenheit große Bedeutung bei, und so wurden auch wir auf einmal „interessant“. Die Fonds kamen direkt aus Peking. Allein für die Überwachung meiner Person waren Dutzende von Personen zuständig.
Dann erkannte man, dass wir nichts getan hatten, dass alles normal war, dass es einfach nur um unseren Glauben ging. Und da hat auch die Kontrolle nachgelassen, wurde das Kontrollpersonal reduziert. Die Beschränkungen aber blieben.
Am Anfang hatte ich nichts. Dank Bischof Jin Luxian bekam ich dann irgendwann endlich ein Brevier, später sogar ein eigenes Zimmer nur für mich allein. Als mich der Sekretär der kommunistischen Partei des Dorfes besuchen kam, brachte er mir liturgische Paramente und einen Kelch für die Messfeier mit.
Ich habe Trauben gekauft, um Wein herstellen zu können, ich weiß, wie man Wein macht. Wenn Wein übrig blieb, habe ich ihn immer mit den Männern getrunken, die mich kontrollieren sollten.
Später habe ich dann die Bücher gesehen, die die Verlage Faith und Guang Qi herausgebracht haben: sie wurden uns mit der Post geschickt. Wir haben also eine schöne Zeitlang in Harmonie gelebt und es ging uns nicht wirklich schlecht.
Hat man Ihnen in jener Zeit keine „Umerziehungs-Lektionen“ erteilt?
AN SHUXIN: Am Anfang haben die Oberen den Kontrollorganen gesagt, dass sie mich „erziehen“ sollten. Aber was hätten sie mir beibringen sollen? Wenn wir beieinander saßen, haben wir uns über den Sinn des Lebens unterhalten. In Sachen Moral hatten sie mir nicht viel zu sagen. Wir haben zusammen die Zeitung Faith oder andere Zeitungen und Zeitschriften gelesen. Und das, was wir gelesen haben, wussten wir eigentlich schon. Sie haben vielleicht andere Ideen als wir. Ob sie aber wirklich die Forderungen der Oberen erfüllt haben oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt.
FRANCIS AN SHUXIN: Die Regierungspolitik den Bischöfen und Priestern gegenüber ist jetzt anders als zuvor, ein bisschen menschlicher. Wir Bischöfe werden in Isolation gehalten, an einen bewachten Ort gebracht, wo wir keine Möglichkeit haben, irgendjemanden zu kontaktieren. Besonders die Menschen, die uns nahestehen, dürfen wir nicht sehen. Man hat aber auch nach Gelegenheiten gesucht, mich andere Diözesen besuchen zu lassen, wonach ich natürlich sofort wieder zurückkehren musste. Dass ich die Isolation verlassen durfte, war natürlich nicht oft der Fall, aber das ein oder andere Mal ist es schon passiert. […]
1996 wirbelte ein von einem französischen Filmteam gedrehter Dokumentarfilm über die Diözese Baoding viel Staub auf. Peking war hellhörig geworden und zeigte auf einmal reges Interesse an der Diözese Baoding. Selbst die Stadt Baoding maß der Angelegenheit große Bedeutung bei, und so wurden auch wir auf einmal „interessant“. Die Fonds kamen direkt aus Peking. Allein für die Überwachung meiner Person waren Dutzende von Personen zuständig.
Dann erkannte man, dass wir nichts getan hatten, dass alles normal war, dass es einfach nur um unseren Glauben ging. Und da hat auch die Kontrolle nachgelassen, wurde das Kontrollpersonal reduziert. Die Beschränkungen aber blieben.
Am Anfang hatte ich nichts. Dank Bischof Jin Luxian bekam ich dann irgendwann endlich ein Brevier, später sogar ein eigenes Zimmer nur für mich allein. Als mich der Sekretär der kommunistischen Partei des Dorfes besuchen kam, brachte er mir liturgische Paramente und einen Kelch für die Messfeier mit.
Ich habe Trauben gekauft, um Wein herstellen zu können, ich weiß, wie man Wein macht. Wenn Wein übrig blieb, habe ich ihn immer mit den Männern getrunken, die mich kontrollieren sollten.
Später habe ich dann die Bücher gesehen, die die Verlage Faith und Guang Qi herausgebracht haben: sie wurden uns mit der Post geschickt. Wir haben also eine schöne Zeitlang in Harmonie gelebt und es ging uns nicht wirklich schlecht.
Hat man Ihnen in jener Zeit keine „Umerziehungs-Lektionen“ erteilt?
AN SHUXIN: Am Anfang haben die Oberen den Kontrollorganen gesagt, dass sie mich „erziehen“ sollten. Aber was hätten sie mir beibringen sollen? Wenn wir beieinander saßen, haben wir uns über den Sinn des Lebens unterhalten. In Sachen Moral hatten sie mir nicht viel zu sagen. Wir haben zusammen die Zeitung Faith oder andere Zeitungen und Zeitschriften gelesen. Und das, was wir gelesen haben, wussten wir eigentlich schon. Sie haben vielleicht andere Ideen als wir. Ob sie aber wirklich die Forderungen der Oberen erfüllt haben oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt.