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KARDINÄLE
Aus Nr. 11 - 2004

Kurzbiographie des emeritierten Erzbischofs von Ravenna.

Zum 90. Geburtstag eines Kardinals



von Giovanni Cubeddu


Tonini zwischen seinen beiden Schwestern

Tonini zwischen seinen beiden Schwestern

Im Juli dieses Jahres 2004, das sich langsam aber sicher seinem Ende zuneigt, konnte Ersilio Tonini seinen 90. Geburtstag feiern. Und wer kennt diesen betagten Kardinal nicht, der keine Gelegenheit versäumt, über den Äther oder die TV-Kameras seine Meinung zu sagen. Tonini, im Alter von 11 Jahren ins Seminar von Piacenza eingetreten, war später, nach seiner Priesterweihe, Vizerektor des Seminars dieser Stadt. An der Lateran-Universität hat er sich in Kirchen- und Zivilrecht perfektioniert, war geistlicher Assistent der FUCI (Italienische katholische Studentenverbindung), Direktor der diözesanen Wochenzeitung Il nuovo giornale, Pfarrer in Salsomaggiore, und 1968 Rektor des Seminars von Piacenza. Dort blieb er allerdings nicht lange, denn schon 1969 ernannte ihn Paul VI. zum Bischof von Macerata. Im Jahr 1975 wurde er Erzbischof von Ravenna (wo er sich u.a. die Hochachtung seiner Mitbürger erwerben konnte, weil er seine Bischofswohnung einer kleinen Gemeinschaft von Drogensüchtigen überließ, er selbst dagegen in das Institut Santa Teresa einzog, das sich um die Schwerkranken kümmert). Im Jahr 1978 war er Präsident des Verwaltungsrats der Tageszeitung Avvenire, und in diesem Jahr ließ er auch das Seminar von Ravenna wieder eröffnen, das man zu Zeiten der Studentenunruhen geschlossen hatte. Er rief andere Zentren für Drogensüchtige ins Leben, andere diözesane Wochenblätter, arbeitete eng mit der Caritas zusammen. Im Jahr 1986 empfing er den Papst in der Emilia Romagna und sammelte 1988, mit dessen Hilfe, Fonds für die Yanomani-Indios in Brasilien. Im Jahr 1990 empfing Tonini erneut den Papst in Ravenna, und wenige Wochen später überreichte er ihm die Verzichtserklärung der Regierung auf die Kirche Sant’Apollinare.
Tonini als Pfarrer in Salsomaggiore

Tonini als Pfarrer in Salsomaggiore

Im Jahr darauf predigte er die geistlichen Exerzitien für die Römische Kurie und trat im italienischen Fernsehen auf, in dem Programm I dieci comandamenti [Die 10 Gebote], das als seltenes Beispiel moderner Katechese über den Äther gilt. 1992 reiste er nach Brasilien zum Kongress der Indio-Stämme, 1994 kreierte ihn der Papst zum Kardinal mit der Titelkirche „Santissimo Redentore“ in Val Malaina.
Ersilio Tonini ist ein Hirte und eklektischer Zeuge, stets zu vollstem Einsatz bereit, will immer alles geben. Doch dieser hoch betagte Kardinal will nur als eines in Erinnerung behalten werden – und das hat er unmißverständlich zu verstehen gegeben, als er am 15. Dezember 1990 sein Amt als Erzbischof von Ravenna in der Kathedrale niederlegte und seinem Nachfolger die Pastoral übertrug –: „Als folgsamster und ehrerbietigster aller Diözesanpriester.“


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