KLAUSURKLÖSTER
Aus Nr. 12 - 2004
Ein kurzer Abriß der Geschichte des Klosters von Lecceto

Das Klausurkloster von Lecceto kann auf eine
jahrhundertealte Geschichte zurückblicken, und doch hat es den Anschein, als
wäre es eine einzige. Es scheint fast, als spräche diese ganze Geschichte jetzt
zu uns. Das Klausurkloster befindet sich nur wenige Kilometer von Siena
entfernt, und war lange – von der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis Ende
des 19. Jahrhunderts, Zeit der napoleonischen Unterdrückung – von
Augustinermönchen bewohnt. Sie haben uns eine lange Geschichte der Heiligkeit
hinterlassen. Im Jahr 1972 zog eine Gruppe von Augustinerinnen aus Siena, auf
Anraten und mit Unterstützung von Erzbischof Msgr. Castellano und des Generals
des Ordens, hierher. Wenige, altersschwache Nonnen waren es, ihr Kloster befand
sich in einem erbärmlichen Zustand, war eigentlich nicht mehr bewohnbar. So
wurde Lecceto Schauplatz einer neuen monastischen Erfahrung, eines Lebens ganz
im Zeichen des Gebets und des Zeugnisses. Es scheint eine einzige Geschichte zu
sein, immer wieder dieselbe: dieselbe Sehnsucht, dieselbe Suche nach Gott, die
schon Jahrhunderte zuvor von der Liebe Gottes und vom Geheimnis Seines Lebens
ergriffene Männer zu einem Leben in diesen Wäldern veranlaßt hatte. Diese 900
Jahre Geschichte, in denen einige Mönche ihr Eremitenleben (das sich auf das
gesamte „Tuscia“-Gebiet verbreitete) in Grotten zubrachten (die zum Teil noch
heute in der Nähe des Klosters zu sehen sind), ihr Leben ganz in den Dienst
Gottes stellend. Als Zeugen dieses einzigen, grundlegenden Bedürfnisses des
menschlichen Herzens: Gott und sich selbst zu begegnen, die Wahrheit zu
erlangen, zur Kenntnis des verborgenen Lebens zu gelangen, des der
Dreieinigkeit, die ihre Wohnstatt im
Menschen nimmt: „Denn geschaffen hast Du uns zu Dir...,“ schrieb
Augustinus in den Confessiones; der Mensch lebt in dieser erwartungsvollen Spannung. Und alles hier,
die Stille und die Realität, die uns umgibt, spricht zu jenen, die uns besuchen
kommen, berichtet gerade davon. Als Mitte des 13. Jahrhunderts, unter Innozenz
IV., auf Wunsch der Kirche der Zusammenschluß mehrerer italienischer
Eremitengruppen im Augustinerorden erfolgte – die sogenannte „Große Union“ von
1256 – wurde das Kloster, reich an heiligen und gebildeten Persönlichkeiten,
zum pulsierenden Zentrum der Spiritualität und Bezugspunkt für alle. Das Leben
der Mönche war ganz auf das Gebet ausgerichtet, ein Gebet voller Sanftmut und
menschlichen Mitgefühls. So werden beispielsweise in den Assempri – Anekdoten zu diesem einfachen
augustinischen Leben – viele denkwürdige Episoden hierzu berichtet. Auch
Katherina von Siena kommt vor. In einer alten Handschrift kann man lesen: „Die
große Dienerin Gottes, Katherina von Siena, pflegt oft, sich in die
leccetanische Abgeschiedenheit zurückzuziehen, wo sie den Rat und das Gebet
dieser gelehrten und heiligen Patres sucht“ (Sacra Leccetana Selva, 17. Jh.). Heute erstrahlt das Licht von
Lecceto neu, und die erleuchtende Weisheit des Augustinus kann noch immer den
Weg des Herrn und seines Evangeliums weisen.