Interview mit Erzbischof João Braz de Aviz
Die Ansprüche der Menschen und die Geduld Gottes
„In Brasilia habe ich gesagt: wenn ihr den größeren Charismen die kleineren opfert, weil es euch nur darum geht, zu wachsen und euer Terrain auszuweiten, dann ist das nicht von Gott.“ Begegnung mit dem neuen Präfekten der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens.
Interview mit João Braz de Aviz von Gianni Valente
Von den modernen Hochhäusern in Brasilia bis zu den geschichtsträchtigen Bauten jenseits des Tibers ist es bei weitem kein Katzensprung. Vor ein paar Wochen hat Dom João Braz de Aviz (64), emeritierter Erzbischof der brasilianischen Hauptstadt, diesen Sprung gewagt. Am 4. Januar rief ihn der Papst nach Rom, vertraute ihm die Leitung der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens an: Ein neues Kapitel in den lebendigen, ja manchmal auch turbulenten Beziehungen des Apostolischen Stuhls zu den religiösen Kongregationen und Ordensfamilien.
![Dom João Braz De Aviz in der Kathedrale von Brasilia. <BR>[© Pater Sergio Durigon]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/84-04-05-011.jpg )
Dom João Braz De Aviz in der Kathedrale von Brasilia.
[© Pater Sergio Durigon]
JOÃO BRAZ DE AVIZ: Ja, sogar sehr. In Brasilia gab es zweieinhalb Millionen Gläubige, 380 Priester und 128 Pfarreien, die ich oft besucht habe. Hier dagegen gibt es kein konkretes Volk, man sieht es nur bei den großen Versammlungen auf dem Petersplatz...
Manchmal hatten Sie nicht einmal bei Tisch Gesellschaft...
In Brasilia war man nie allein, es war immer jemand da. Meine Sekretärinnen waren beide verheiratet, hatten Familie, es gab auch eine Köchin, wir waren sozusagen einekleine „Großfamilie“. Aber auch hier weitet sich der Kreis der Freunde mit der Zeit immer mehr aus.
Sie sind in einer kinderreichen Familie aufgewachsen...
Meine Eltern kamen aus dem Süden, ich wurde im Staat Santa Catarina geboren. Als ich zwei Jahre alt war, sind meine Eltern umgezogen. In den Staat Paraná, eine Zone, die – wie man damals sagte – „kolonisiert“ wurde. Mein Vater war Metzger. Ich habe einen großen Bruder, der ebenfalls Priester ist, und sechs jüngere Geschwister. Wir sind fünf Jungen und drei Mädchen. Die jüngste – sie hat das Down-Syndrom – ist 47 Jahre alt. Als sie geboren wurde – wir lebten damals in Borrazópolis – wollten sie meine Eltern unbedingt sofort taufen lassen, legten 40km in der Kutsche zurück.
Eine ganz schöne Strecke …
Wo wir lebten, gab es anfangs keine Priester. Nur einmal im Monat kam ein Priester vorbei. Die Laien leiteten die Gemeinden, gaben Katechismusunterricht, förderten das Glaubensleben, das Rosenkranzgebet und die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu. Die Ortskirche stützte sich damals auf Gruppen wie das Gebetsapostolat oder die Töchter Mariens … Auch meine Eltern halfen mit, damit die Kapellen geöffnet bleiben konnten.
Wie sind Sie Priester geworden?
Ich habe schon im Alter von sieben Jahren, zur Zeit der Erstkommunion, meine Berufung verspürt. Sie wurde dann von den Katharinenschwestern gefördert, bei denen ich zur Schule ging. Als ich elf war, trat ich ins Knabenseminar von Assis, im Staate São Paulo ein, 14km von der Hauptstadt entfernt. Es war von den PIME-Missionaren geöffnet worden. Einige von ihnen waren als Missionare in China tätig und nach der Machtübernahme Maos des Landes verwiesen worden. Sie haben uns ihre Geschichte erzählt. Sie waren sehr tiefgründige Menschen und es war schön, beim Heranwachsen ihr Vorbild vor Augen zu haben. In meiner Jugendzeit bin ich dann mit der Spiritualität der Fokolar-Bewegung in Berührung gekommen.
Wie das?
Ich hatte einen atheistischen Maler kennen gelernt, der nach seiner Konversion auf eine ausgesprochen lebensnahe, konkrete Weise von Gott sprach. Ich war damals noch sehr jung, und dieser ehemalige Atheist, der nun so überzeugt von der Liebe Gottes sprach und davon, wie sie sich in der Nächstenliebe manifestiert... das war neu für mich. Bisher hatte ich immer gedacht, dass man zu den anderen nett sein müsste, um zu zeigen, dass man gute Manieren hat. Nie war mir der Gedanke gekommen, dass man dem Nächsten dienen könnte, als wäre er Jesus.
Dann schickte Sie Ihr Bischof zum Theologiestudium nach Rom. Man schrieb das Jahr 1967, das Konzil war gerade zu Ende gegangen … Welche Erinnerung haben Sie an jene Zeit?
Ich studierte an der Gregoriana, dann noch ein Jahr an der Salesianer-Universität. Ich belegte auch Kurse in Psychopädagogik. Ich wurde in Rom zum Diakon geweiht und kehrte erst 1972 nach Brasilien zurück. Es waren turbulente Zeiten. Alles schien in Aufruhr zu sein. Die vom Konzil eingeleiteten Umwälzungen begannen. Die alten Ordnungen wurden „überholt“, die Kurse „aufgemöbelt“, aber da war auch die Ungewissheit, von der jede Übergangs- und Revisionsphase geprägt ist.
In Lateinamerika war die Befreiungstheologie auf dem Vormarsch.
Wir waren Idealisten, wollten unser Leben in den Dienst einer großen Sache stellen. Die Vorzugsoption für die Armen gab uns Hoffnung – schließlich stammten wir ja selbst aus armen Familien. Wir waren bereit, alles aufzugeben, auch das Seminar, wenn man diesen Umbruch nicht akzeptiert, wenn man ihn in den kirchlichen Realitäten, in denen wir lebten, nicht angenommen hätte.
![Missionarinnen der Nächstenliebe Mutter Teresas von Kalkutta in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington. [© Associated Press/LaPresse]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/80-04-05-011.jpg)
Missionarinnen der Nächstenliebe Mutter Teresas von Kalkutta in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington. [© Associated Press/LaPresse]
Gott hat auf mich aufgepasst. Die spirituelle Erfahrung mit der Fokolar-Bewegung war stark und einfach. Bereits Ende der sechziger Jahre forderte uns Chiara Lubich auf, die Welt, in der wir lebten, mit anderen Augen zu sehen, im Licht der Liebe Gottes. Manchmal hatte auch ich den Eindruck, dass die Notwendigkeit einer sozialen Umwälzung überbewertet wurde. Es war für viele ein schwieriger Übergang. Aber so blieb die Hoffnung, dass es einen Weg gab, man musste nur Geduld haben. So schritten wir gemeinsam voran, ohne uns zu verirren. Wir sind Priester geworden mit einem großen inneren Licht, begleitet von diesem Gefühl der Unrast, der Spannung. Ich wusste immer, dass dieses unangenehme Gefühl da war und sagte mir: das ist die Befindlichkeit, in der ich leben muss. Mit der Zeit hat es mir geholfen, zu verstehen, dass Priester-Sein nicht bedeutet, dass man eine religiöse „Herrschaft“ über unser eigenes Leben und das der anderen ausübt.
Wie beurteilen Sie heute, aus der Distanz, die kirchliche Epoche der Befreiungstheologie?
Darüber lässt sich Verschiedenes sagen. In Brasilien wurden aus einigen Pastoralgruppen, die damals in diese Richtung gingen, NGOs mit sehr viel Geld, die die Kirche verlassen haben. Sie behaupteten, die Kirche verändern zu wollen, doch dann kam ihnen der Glaube abhanden. Was blieb, war die Soziologie. Das ist traurig. Dennoch bin ich nach wie vor überzeugt davon, dass damals etwas Großes für die ganze Kirche passiert ist. Die Erkenntnis beispielsweise, dass die Sünde der Menschen Strukturen der Sünde schafft. Und dass die Vorzugsoption für die Armen eine Entscheidung Gottes ist, wie wir im Evangelium sehen können. In den ersten Gemeinden waren die vier tragenden Säulen die Treue zur Lehre der Apostel, die Eucharistie, das Gebet und jene brüderliche Gemeinschaft, die nichts Sentimentales war, sondern etwas Praktisches: Es bedeutete, den Witwen und den Waisen zu helfen; die Güter in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. Daran konnte man sehen, dass die Gemeinde nichts zu verbergen hatte, sozusagen im Angesicht ihres Herrn lebte. Jetzt dagegen raffen wir die Güter an uns, schließen sie weg, können den Schlüssel gar nicht oft genug umdrehen. Und genau das passiert auch in den religiösen Gemeinschaften.
Die Generation der „Befreiungs“-Priester war sich uneinig darüber, wie man sich der Volksfrömmigkeit gegenüber verhalten sollte.
Manche dachten damals, die Volksfrömmigkeit sei etwas Entfremdendes, etwas, das die Reinheit des Glaubens verdorben hätte. Aber diesen Gedanken kann man schon von einem rein geschichtlichen Gesichtspunkt her widerlegen. Bei uns begann die Krise mit der Abschaffung der religiösen Kongregationen auf Befehl des Marquis von Pombal. Es war eine Katastrophe, die auch unsere Seelsorgearbeit bei den Indios gefährdete. Ich kann noch heute nicht verstehen, wie 75% der Brasilianer katholisch sein können, aber nur 10% regelmäßig die Sakramente empfangen. Der historische Grund dafür ist gerade in der Volksfrömmigkeit zu suchen: ihr haben wir es zu verdanken, wenn der Glaube in vielen Gemeinschaften, die lange Zeit von Laiengläubigen geleitet worden waren, bewahrt werden konnte.
Dann und wann wird die Befreiungstheologie auch dazu benützt, das Schreckgespenst einer „drohenden Gefahr“ heraufzubeschwören.
Ja, sie scheint manchmal eine Art Gespenst zu sein, das bei Bedarf hervorgeholt werden kann. Inzwischen hat sich vieles geändert. In vielen Ländern regieren heute Männer, die – wie Lula – gegen die Regierung waren, oder sogar der Guerrilla angehörten. Wir haben eine lange Entwicklung hinter uns, und es ist an der Zeit, dass das auch in der Kirche allen klar wird.
Bis zur Erlangung der Unabhängigkeit regierte in Brasilien die „Macht des Geldes“. Jene Macht, der es immer noch gelingt, eine echte Agrarreform zu verhindern. Und die noch nie einen guten Draht zur Kirche und zur kirchlichen Hierarchie gehabt hat. Die Kirche bekommt vom Staat keine finanziellen Zuwendungen. Die Kirchen werden mit dem Geld des Volkes gebaut, nicht selten leisten gerade die Armen die größte Hilfe.

Óscar Romero mit Seminaristen in Playa el Majahual (1978).
Bei Seligsprechungsprozessen gibt es immer Details, die mit Sorgfalt geprüft werden müssen. Beispielsweise die wissenschaftlichen Aspekte, die mit der gewünschten Anerkennung des Wunders zusammenhängen. Ich glaube aber, dass das heiligmäßige Leben Romeros wirklich vorbildlich war. Er war ein Bischof, der mit dem Episkopat für alle deutlich sichtbar die Gnade empfangen hat, in einer von Gewalt geprägten Situation auch ein authentischer Hirte seines Volkes zu werden. Dasselbe ist Dom Hélder Câmara in Brasilien passiert. Seine Reden zur Zeit des Militärregimes konnten niemanden kalt lassen. Er wusste, wie man die Massen begeistert, er war ein Mann des Gebets. Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die ihn mit der Zeit besser verstehen werden. Und man wird erkennen, dass sein ganzes Leben davon geprägt war. Andernfalls hätte er sich nicht so unerschrocken engagiert. Câmara wusste nur zu gut, dass er immer Gefahr lief, umgebracht zu werden. Und wenn sie ihn letztendlich doch nicht umgebracht haben, dann nur, weil es das Volk übel genommen hätte. So haben sie Warnzeichen gesetzt: statt der Bischöfe haben sie einfach die Sekretäre der Bischöfe umgebracht – wie eben den von Dom Hélder.
Sie haben vorhin von Lula gesprochen. Als Erzbischof von Brasilia hatten Sie sicher auch mit ihm zu tun. Wie beurteilen Sie seine Amtszeit?
In den sieben Jahren, die ich in Brasilia tätig war, habe ich ihn nie in der Kirche gesehen ... [lacht]. Und manchmal machte er ziemlich merkwürdige Aussagen. Einmal hat er beispielsweise gesagt, er hätte eine Moral als Privatperson, eine andere als Präsident … Er hat aber sehr viel für unser Land getan, und das sehen die meisten Brasilianer auch so. Er hat sein Volk geliebt, und da er selbst Arbeiter war, konnte er die Situation der Brasilianer sehr gut verstehen. Ihm haben wir es zu verdanken, dass Brasilien ein beeindruckendes Wachstum erlebt hat, es gab sogar eine gewisse Verteilung des Sozialprodukts. Lula hat die Korruption bekämpft und sein Präsidentenamt nicht dazu benützt, die Korrupten in den eigenen Reihen zu schützen.
Und Dilma, die neue Präsidentin?
Sie ist ganz anders. Lula ist ein Arbeiter, seine Stärke ist das Gewerkschaftswesen. Er ist ein humanistischer Gewerkschaftler, ein echter Kämpfer. Dilma ist eine Intellektuelle, sie ist in einem gewissen Sinne pragmatischer. Man sagt aber, dass sie beim Volk noch mehr Beifall findet als Lula. Das ist interessant.
Wie begann Ihre Arbeit bei der Kongregation für das geweihte Leben?
Wir mussten viele Schwierigkeiten überwinden. Die Ordensleute waren wegen gewisser Episoden der Vergangenheit recht misstrauisch. Wir müssen nun erst einmal versuchen, das Vertrauen wieder herzustellen. Wir arbeiten eng mit dem Sekretär der Kongregation, Joseph William Tobin, zusammen, sprechen viel miteinander. Wir wollen, dass unsere Entscheidungen wirklich gemeinsam getroffen werden.
Wie gehen die Inspektionen bei den Frauenkongregationen der USA voran?
Auch das ist keine einfache Sache. Da war viel Misstrauen, ein starkes Ressentiment. Wir haben mit ihnen gesprochen, ihre Repräsentanten sind auch nach Rom gekommen. Wir haben einander zugehört. Wir dürfen die Probleme nicht unter den Tisch kehren, sondern müssen uns ihnen stellen. Ohne voreingenommen zu sein. Wir haben inzwischen viele Kontakte geknüpft, an denen es zu arbeiten gilt. Und dann ist da noch unsere Beziehung zu Sr. Clare Millea [die Ordensfrau, die der Vatikan zur Apostolischen Visitatorin ernannt hat, Anm.d.Red.], eine sehr wichtige Beziehung.
Sind die Vergleiche zwischen den alten religiösen Orden und den neuen Bewegungen nützlich und legitim? Manchmal hat man fast den Eindruck, als wäre es eine Art Wettbewerb, als wolle man sie gegeneinander ausspielen.
Die in unserer Zeit erblühenden Charismen sind der Kirche von heute geschenkt. Vielleicht werden sie in 20 Jahren nicht dieselbe Bedeutung haben. Das sollte den früheren Charismen keinen Abbruch tun. Wenn sie dem von ihrem Gründer gegebenen anfänglichen Charisma treu bleiben, werden sie unserer Zeit etwas zu sagen haben, etwas geben können. Gefährlich wird es dann, wenn der Geist der Gründer verloren geht.

Der aus dem Amt scheidende brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, hebt in Siegergeste den Arm der neuen Präsidentin Dilma Rousseff in die Höhe (Palazzo Planalto, Brasilia, 1. Januar 2011).
Wenn man erkennen muss, dass der Gründer einer Realität, die sich als charismatisch bezeichnet und eine weite Verbreitung findet, unwürdig ist, ist das natürlich schmerzlich. Wie das möglich ist, bleibt ein Rätsel. Der Fall der Legionäre Christi war nicht der einzige. In Brasilien hatten wir den Fall der „Toca de Assis“. Einer Gemeinschaft, die eine Art Franziskanertracht trug und sich an die Canção nova anschloss [eine mit der charismatischen Bewegung verbundene brasilianische Network-Gemeinschaft, Anm.d.Red.]. Sie vermittelten von sich das Bild einer starken Gemeinschaft von Mönchen, die sagten, Gott mit Tänzen und Gesängen lobpreisen zu wollen. Es war ihnen gelungen, ca. 600 junge Männer und Frauen um sich zu scharen, als herauskam, dass auch ihr Gründer moralisch fragwürdige Verhaltensweisen an den Tag gelegt hatte. Was die Legionäre angeht, muss ich sagen, dass ich von Anfang an über ihr offensichtlich mangelndes Vertrauen zur Freiheit der Personen irritiert war. Ich konnte in ihrem Innern einen Autoritarismus erkennen, der alles mit Disziplin unter Kontrolle halten wollte. Ich hatte die Seminaristen von Brasilia bereits von ihren Seminaren genommen, weil mir klar war, dass es so nicht weitergehen konnte.
Glauben Sie nicht, dass man den neuen Bewegungen in der Vergangenheit zuviel Begeisterung entgegen brachte, dass man manchmal die problematischen Aspekte einfach nicht sehen wollte?
In den neuen Gemeinschaften und Bewegungen ist nicht alles a priori schön und gut. In einigen Realitäten gibt es Aspekte, die wirklich mehr als problematisch sind. Man kann aber auch nicht leugnen, dass viele dieser Realitäten Großes bewirkt haben. Sie haben vielerorts einen frischen Wind gebracht, Freude, Neuheit, Jugend. Ich glaube, dass unsere Zeit keine Zeit mehr ist, in der jeder im Alleingang arbeitet, in der alle gespalten sind und nur vom gemeinsamen Bezug auf den Papst vereint werden. In Brasilia habe ich gesagt: wenn ihr den größeren Charismen die kleineren opfert, weil es euch nur darum geht, zu wachsen und euer Terrain auszuweiten, dann ist das nicht von Gott. Wenn es beispielsweise in einer Pfarrei ein auch noch so kleines Charisma gibt, dann helft ihm, zu wachsen, anstatt es zu unterdrücken.
Sie haben nicht nur zur Fokolar-Bewegung gute Kontakte, sondern auch zur Sant’Egidio-Gemeinde.
Ja. Ich schätze Andrea Riccardi sehr und hoffe, der Gemeinde schon bald einen Besuch abstatten zu können.
Ein in der letzten Zeit weit verbreitetes Phänomen sind die neuen Institute geweihten Lebens, die manchmal ein gespaltenes Verhältnis zu den Bischöfen und zu ihren Landeskirchen haben.
Mir ist nie sehr wohl dabei, wenn eine Gruppe beginnt zu sagen: wir sind die einzigen, die die wahre Kirche und die Tradition verteidigen. Wir besitzen das Licht Gottes, die anderen besitzen es nicht. So funktioniert das in der Kirche nicht. Und Gott arbeitet nicht so. Er verteilt seine Gaben, hat seine Gnade nie einer einzigen Person geschenkt. Wenn wir an die Erfahrung denken, die Gott mit seinem Volk gemacht hat, dann sehen wir, dass auch in der Bibel nicht von einer Elite die Rede ist, sondern von Geduld und Erbarmen jenem benachteiligten Volk gegenüber, das sich auf seinem Weg verirrt hat. Wie lange hat es gewartet, wie oft wurde es enttäuscht... Und wenn man die Heiligen betrachtet, sieht man, dass die wahren Heiligen immer freundschaftliche Gefühle füreinander hegen. Sie mögen verschieden sein, manchmal vielleicht auch streiten, doch dann bitten sie auch immer um Vergebung und arbeiten miteinander. Auch die Heiligen unserer Zeit wie Don Giussani und Chiara Lubich.
PDF-Datei dieses Artikels herunterladen