Rubriken
Aus Nr.10 - 2004


MONTINI.

Der Rosenkranz ist ein einfaches Gebet


Paul VI. betet vor dem Heiligen Grab.

Paul VI. betet vor dem Heiligen Grab.

„Wenn man die Definition des Gebets bedenkt (elevatio... petitio...), die Weisung Jesu Christi (‚non multiloquium...‘ [vgl. Mt 6,7], die unverzüglich ausdrucksvolle liturgische Kunst des Gebets, erscheint der Rosenkranz als ein merkwürdiges, schwieriges Gebet, das ebenso leicht schlecht gebetet wie schwer verstanden werden kann. Warum? Wie soll man den Rosenkranz verstehen? Und dabei ist der Rosenkranz doch ein einfaches Gebet: die Wiederholung ist nur ein Rhythmus; ein Rhythmus ungemein demütiger, in ihrem Innersten einfacher Seelen; aber der Rhythmus macht ein Gedicht naheliegend, also einen Inhalt, und das ist die elevatio... auch sie einfach und vielfältig: die gedachten Geheimnisse. Und dieses Denken, das eine Anrufung wiederholt, fast schon naiv und kindlich in ihrem Sich-kontinuierlichen-Wiederholen, ist moralisch ein Sich-Davon-Überzeugen, daß die Biographie Christi der Prototyp des menschlichen Lebens ist, daß seine Begebnisse, die einen so menschlich und gewöhnlich, die anderen so groß und göttlich, Modelle sind, die immer noch lebendig, nah, konkret unser sind; und es ist ein geistliches Verlangen, praktisch an diese Begebnisse heranzutreten, wie es Maria getan hat. Man muß dieses Gebet wie ein Gedicht nehmen, dann versteht man auch, warum es Rosenkranz heißt (die Quantität ist nichts weiter als der Kanevas, die Qualität ist eine zarte Kontemplation).“ Aus Notiziario Nr. 47, herausgegeben vom Institut Paul VI. (Juni 2004), das einige, bisher unveröffentlichte Notizen Montinis zum Rosenkranz enthält, die dieser in den Jahren 1928, 1934 und 1937 geschrieben hat.




LUCIANI.

Die Lehre Augustinus’ ist die der Bibel, der Kirche


Ambrosius tauft den Augustinus, Kathedrale St. Peter und Paul, Troyes, Frankreich.

Ambrosius tauft den Augustinus, Kathedrale St. Peter und Paul, Troyes, Frankreich.

Die Zeitschrift Humiltas, die alle drei Monate vom Belluner Zentrum für Spiritualität Papst Luciani herausgegeben wird, veröffentlichte in der Juli-Nummer 2004 einen Beitrag Lucianis. Hier ein Auszug daraus: „Augustinus sagte: ‚Er hat dich ohne dich geschaffen; er wird dich aber nicht ohne deine Mithilfe retten.‘ Doch dann fügte er hinzu: ‚Du kannst deine Mithilfe nicht anbieten, wenn er dir nicht vorher hilft. ‘ Und betete: ‚Gewähre mir, oh Herr, das, was du mir befiehlst, und dann befiehl mir, soviel du willst.‘ Die Lehre des Augustinus ist die der Bibel, der Kirche.“

Die Urne mit der sterblichen Hülle des Augustinus wurde von der Kirche San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia in die Kirche Sant’Agostino in Rom übertragen, wo sie von Sonntag, 7.November bis Sonntag, 14. November 2004 bleiben wird.




KIRCHE.

Ein Christentum ohne Christus


In La Repubblica (15. Oktober) stand ein interessantes Editorial zu lesen, geschrieben von Ezio Mauro. Darin äußert sich der Chefredakteur der römischen Tageszeitung zu dem Thema, daß sich in der Kirche ein neuer christlicher Integralismus behauptet. Hier seine Schlußfolgerung: „Es ist ein nie dagewesener neuer christlicher Integralismus, ganz einfach, weil er ohne Gott ist. Es handelt sich in der Tat um eine Art Christentum ohne Christus, eine Konversion ohne Glauben, um dieVerehrung eines leer gedachten Tabernakels, dessen Gebote, aus Kalkül, hochgehalten werden. Die wahren Christen, jene, für welche das Christentum ein ‚Ereignis‘ ist, das konkret in der Zeit und im Raum stattgefunden hat, haben sich immer gegen seine Reduzierung auf eine Philosophie, Moral, Kultur und praktische Anstandsregeln mit seelenlosen Regeln verwehrt. Die Theologen würden dieses moderne Heidentum einer atheistischen Religion als Neuauflage des Pelagianismus definieren. Und in der Tat, das jüngste Wunder des Berlusconismus läßt nicht auf sich warten, ist gerade das. Es fehlt nur noch ein neuer Papst, weder Hirt, noch Steuermann oder Prophet, sondern Krieger: die Herde ist bereit.“




SERMIG.

Jugend des Friedens


Am 3.Oktober wurde Asti Ort eines „friedlichen Überfalls“: durch die 20.000 Jugendlichen des SERMIG (missionarischer Jugenddienst), gegründet und geleitet von Ernesto Olivero. Die aus Italien und dem Ausland gekommenen Jugendlichen (280 aus der Diözese Iasi und der Stadt Baia, in Rumänien; aber auch aus Uganda, Georgien, Jordanien, Brasilien, Afrika, aus Beslan...), haben sich pünktlich zum Weltfriedenstag der Jugendlichen in der norditalienischen Stadt eingefunden. Wo dann, in den verschiedenen Plätzen der Stadt, 10 „Zelte des Dialogs“ errichtet wurden (in dem „der Politik“ meldete sich auch Francesco Rutelli zu Wort). Sie organisierten Straßenfeste, lauschten den Erzählungen von acht Jugendlichen (die „8G“, bzw. „umgedrehten G8“), die wahrlich unter die Haut gehende Geschichten zu berichten hatten (eine 14Jährige aus Beslan, die dem Blutbad vom 1. September entkommen konnte, hat einen Brief und eine Liste mit den Namen von Hunderten von Opfern der dramatischen Geiselnahme in der russischen Schule verlesen). Der Appell „Giustizia preventiva è pace preventivata“ [Präventive Gerechtigkeit ist berechneter Frieden], gezeichnet „Ernesto Olivero und Freunde“, der mit folgenden Worten beginnt: „Wir leben in einer tragischen und grausamen Zeit, die von Präventivkriegen und Terror-Fanatismus gekennzeichnet ist, von Hungertoten, den Opfern von Krankheiten und Umweltdesastern“, wurde u.a. von Giulio Andreotti unterschrieben, von Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Severino Poletto, Ersilio Tonini, Massimo D’Alema und Alex Zanotelli.
Am Ende des Tages, der mit einer von Francesco Guido Ravinale in der Kathedrale gefeierten Messe ausklang, hatten die Bürger von Asti ca. 60 Tonnen Lebensmittel und Schulmaterial gespendet. Das Material wurde noch in derselben Nacht nach Georgien und Rumänien geschickt.





PAPST/1 Jahr der Eucharistie eingeleitet
Am 17. Oktober wird mit einer Eucharistiefeier im Petersdom feierlich das Jahr der Eucharistie beginnen. Dem Tag, an dem in Guadalajara, Mexiko, auch die Arbeiten des 48. Eucharistischen Weltkongresses abgeschlossen werden. Der 8. Oktober schließlich ist der Tag der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens von Johannes Paul II., Mane nobiscum Domine. Thema: Das Jahr der Eucharistie. Am 14. Oktober veröffentlicht die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ein Dokument mit Denkanstößen und Vorschlägen zur Feier des Gottesdienstes im Verlauf des Kirchenjahres.


PAPST/2 Die Frage nach dem Los der ohne Taufe verstorbenen Kinder
„Die für die kommenden Jahre gewählten Studienthemen der Kommission sind von größtem Interesse. Vor allem die Frage nach dem Los der Kinder, die ohne Taufe gestorben sind. Ein Thema, mit dem viele andere grundlegende Themen eng verknüpft sind: der universale Heilsplan Gottes, die einzige und universale Mittlerschaft Jesu Christi, die Rolle der Kirche als universales Sakrament des Heils, die Theologie der Sakramente, die Bedeutung der Lehre von der Erbsünde...“ So der Papst am 7. Oktober bei der Audienz für die Mitglieder der internationalen Theologenkommission. Die Kommission wird sich neben dem Los der ohne Taufe verstorbenen Kinder auch mit dem Thema des natürlichen Moralgesetzes befassen. Den Vorsitz über die Kommission führt Kardinal Joseph Ratzinger, Sekretär ist der 60jährige spanische Jesuit Luis Ladaria, seit 1979 Professor an der theologischen Fakultät der Universität Gregoriana.


PAPST/3 Putin schickt Russische Armee in den Vatikan
So lautete der Titel, mit dem La Stampa (16. Oktober) über den Auftritt des Chores der Russischen Armee im Vatikan berichtete. Anlaß: die Feierlichkeiten zum 26jährigen Pontifikatsjubiläum von Papst Wojtyla. In der Turiner Tageszeitung hieß es weiter: „Im Audienzsaal erklang das Va’ pensiero. Aber auch die ein oder andere Weise, die deutlich weniger zu Ort und Anlaß der Feierlichkeiten passte, wie beispielsweise Der heilige Krieg. Ein russisches Volkslied, das Stalin ganz besonders liebte, und in dem es heißt: ‚Erwache, du großes Land, erhebe dich und kämpfe mit aller Kraft gegen die dunkle Macht des Faschismus und seine verfluchte Horde, das ist der Krieg des Volkes, der heilige Krieg. Fort mit den Unterdrückern, Mördern und Räubern glühender Ideale. Den Peinigern des Volkes‘ [...]. Der Papst hat sich sichtlich gut unterhalten: den Tanz der Kosaken, die auch ihr traditionelles Schwerterduell zum Besten gaben, verfolgte er mit großer Aufmerksamkeit und ließ durch so manches zustimmende Lächeln und manche wohlwollende Geste erkennen, daß er die Unterhaltung sichtlich genoß. ‚Spasibo, spasibo‘, danke, danke, sagte Papst Wojtyla mehrfach und bedachte den Chor und ‚das geliebte russische Volk‘ mit dem Segen Unserer Lieben Frau von Kazan.“


HL. STUHL/1 Lajolo: Krieg im Irak bringt keine sicherere Welt
„Was sagen über den Krieg im Irak? Die Haltung des Hl. Stuhls zu der Militäraktion des Jahres 2002-2003 ist bekannt. Es ist für alle offensichtlich, daß sie weder innerhalb noch außerhalb des Irak zu einer sichereren Welt geführt hat. Der Hl. Stuhl ist der Meinung, daß es nun gilt, die jetzige Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen, in dem Land normale Lebensbedingungen zu schaffen und ein politisches System aufzubauen, das grundlegend demokratisch ist und den Werten seiner historischen Traditionen entspricht.“ So Erzbischof Giovanni Lajolo, vatikanischer „Außenminister“, in seiner offiziellen Ansprache bei der 59. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 30. September in New York.


HL. STUHL/2 Thema des Weltfriedenstages 2005 bekanntgegeben
„Laß dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute“ (Röm 12,21): so lautet, wie das vatikanisches Presseamt am 28. September bekanntgab, das Thema des nächsten Weltfriedenstages am 1. Januar 2005.


HL. STUHL/3 Saraiva Martins: Der sel. Anna Emmerick zugeschriebene Schriften nicht authentisch

„Die Selige [Anna Katharina Emmerick, 1774-1824] hat uns nur drei Briefe hinterlassen, die mit Sicherheit von ihr stammen. Die anderen Schriften, die ihr fälschlicherweise zugeschrieben werden, stammen aus verschiedenen Quellen: die ‚Visionen‘ von der Passion Christi wurden von dem deutschen Dichter Clemens Brentano (1778-1842) nicht nur mit Anmerkungen versehen, sondern auch großzügig und willkürlich umgearbeitet; 1833 wurden sie dann unter dem Titel Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi veröffentlicht [...]. Besagte Werke können also nicht als von Frau Emmerick geschrieben oder diktiert betrachtet werden, und auch nicht als authentische Transkriptionen ihrer Behauptungen und Erzählungen, sondern als literarisches Werk Brentanos, der so viel ‚dazugedichtet‘ hat, daß man unmöglich sagen kann, welches nun der wahre Kern ist, den man tatsächlich der Seligen zuschreiben kann. Folglich spiegeln besagte Schriften natürlich auch nicht das Denken und die mystische Erfahrung der Augustinerin wider. Die einzelnen Behauptungen, und zwar sowohl die, welche eine gesunde Religiosität widerspiegeln als auch jene, welche Merkwürdigkeiten und antisemitische Gefühle aufweisen, sind auf die Kreativität und künstlerische Phantasie Brentanos zurückzuführen.“ So Kardinal Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in einem Artikel, der am 7. Oktober in der italienischsprachigen Ausgabe des Osservatore Romano erschien. Die Selig­sprechung von Frau Emmerick am 3. Oktober hatte einige Polemik seitens der internationalen jüdischen Gemeinschaft ausgelöst. Eine Randbemerkung: unter den offiziell vom Vatikan als unecht erklärten Dokumenten befinden sich auch jene – wie eben Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi – von denen einige Szenen des vieldiskutierten Films von Mel Gibson, The Passion, inspiriert waren.


KIRCHE Ratzinger: Papst Luciani hoffentlich bald seliggesprochen
So lautete der Titel des Artikels (Avvenire, 19. Oktober) mit der Aussage, die Kardinal Ratzinger im Zentrum Papst Luciani in Col Cumano in Belluno gemacht hat, ein Jahr nach Einleitung des Seligsprechungsprozesses von Johannes Paul I.


TERRORISMUS/1 Al Qaeda vom afghanischen Opium finanziert
„Der wahre Krieg gegen den Terrorismus wird dort ausgetragen, wo die Terroristen finanziert werden. In Afghanistan, wo man die aus dem Drogenhandel gezogenen Mittel versiegen lassen muß, von denen Al Qaeda lebt.“ So die Meinung des ehemaligen Staatsanwalts Stefano Dambruoso, der sich jahrelang mit dem Kampf gegen den Terrorismus in Italien befaßte und heute als diplomatischer Berater bei den Vereinten Nationen in Wien tätig ist (Il Tempo, 2. Oktober 2004). In dem Interview meinte Dambruoso auch: „Zu Afghanistan ist zu sagen, daß sich Al Qaeda von den Dealern ein Schutzgzeld für die von ihnen kontrollierten Zonen bezahlen läßt. Laut UNO-Schätzungen fließen Al Qaeda aus diesen Zonen Summen in der Größenordnung von Zehnmilliarden von Dollar zu.“


TERRORISMUS/2 Delly: Ich bitte nur darum, zu beten
In der Nacht von Samstag, 16., auf Sonntag, 17. Oktober, wurden fünf irakische Kirchen von Granatwerfern ins Visier genommen. Ein Angriff, der jedoch keine Opfer forderte. Avvenire gegenüber gab der Patriarch von Babylonien der Chaldäer, Emmanuel Delly, folgende Stellungnahme ab: „Warum sollten wir gehen? Das hier ist unser Land; im Moment sind schwarze Wolken am Himmel aufgezogen, das stimmt – aber sie werden vorübergehen. In diesem geplagten Land wird wieder Frieden einziehen.“ Und dann fügte er hinzu: „Ich möchte noch einen Appell anbringen: ich bitte euch, für den Irak zu beten. Ich verlange nichts anderes als ein Gebet, denn nichts anderes kann vermeiden, daß sich solche Taten wiederholen.“


KARDINÄLE Fresno Larrain und Hickney verstorben, Lorscheider wird achtzig
Am 14. Oktober verstarb im Alter von 90 Jahren der chilenische Kardinal Juan Francisco Fresno Larrain. Fresno Larrain, seit 1985 Kardinal, war von 1983 bis 1990 Erzbischof von Santiago.
Am 24. Oktober verstarb der amerikanische Kardinal James A. Hickey im Alter von 84 Jahren. Von 1980 bis 2000 war er Erzbischof von Washington.
Am 8. Oktober schließlich konnte der brasilianische Kardinal Aloísio Lorscheider seinen 80. Geburtstag feiern. Der 1976 zum Kardinal kreierte Franziskaner war von 1973 bis 1995 Erzbischof von Fortaleza, und von 1995 bis zum vergangenen Jahr Erzbischof von Aparecida.
Das Kardinalskollegium setzt sich somit aus 187 Kardinälen zusammen, von denen 122 in einem eventuellen Konklave wahlberechtigt sind.


FRANKREICH The Independent: Ein Lob auf die Sozialwochen

Zum hundersten Mal jährten sich die Sozialwochen in Frankreich in Lille (23. bis 26. September). Als Sondergesandter des Papstes nahm Kardinal Roger Etchegaray daran teil, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und des Päpstlichen Rates „Cor Unum.“ Ganz besonders lobende Worte für diese wichtige Begegnung der französischen Katholiken fand die englische Tageszeitung The Independent mit einem Kommentar des Journalisten Andrew Whittam Smith (27. September). Besagter Kommentar wurde vom Courier International (7.-13. Oktober) wie folgt kommentiert: „Die französischen Katholiken nehmen zwar nicht offen am politischen Leben teil, machen sich aber sehr wohl Gedanken über Fragen, die die Gesellschaft betreffen. Und das überrascht The Independent offensichtlich sehr.“


ENTCHRISTLICHUNG Mehr als die Hälfte der Mailänder läßt sich einäschern
So lautet die Schlagzeile eines Artikels (Corriere della Sera, 3. Oktober), in dem es heißt: „Zum ersten Mal, in den ersten acht Monaten des Jahres, übersteigt die Zahl der Einäscherungen in Mailand die der traditionellen Bestattungen. Ein Avantgardismus. Nur 7% aller Italiener wollen eingeäschert werden.“


ÖSTERREICH Rücktritt Krenns angenommen
Am 7. Oktober nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des 68jährigen Kurt Krenn, seit 1991 Bischof von St. Pölten, an. Eine Diözese, die – so Radio Vatikan – „in den vergangenen Monaten von einem Sexskandal um das Diözesanseminar erschüttert wurde. Einem Skandal, in den der Rektor und der Vizerektor des Instituts sowie einige Seminaristen verwickelt waren. Auf Computern des Seminars hat man auch pädophiles Pornomaterial gefunden. Das Institut wurde am 12. August, im Zuge der Ermittlungen geschlossen, die der vom Papst ernannte Apostolische Visitator, Msgr. Klaus Küng, angestellt hatte.“ Letzterer wurde nun zum Nachfolger Krenns ernannt. Der 64jährige Küng aus dem Klerus des Opus Dei ist seit 1989 Bischof von Feldkirch. Am 7. Oktober wurde auch der Rücktritt von Heinrich Fasching angenommen, seit 1993 Weihbischof von St. Pölten.


ITALIEN Semeraro Bischof von Albano, Rabitti Erzbischof von Ferrara
Am 1. Oktober wurde Marcello Semeraro zum Bischof der suburbikarischen Diözese Albano ernannt. Der aus der Provinz Lecce stammende 57Jährige, seit 1971 Priester, der an verschiedenen Instituten und Fakultäten Theologie unterrichtet hat, hatte an der Päpstlichen Universität Lateranense auch den Lehrstuhl für Ekklesiologie inne. Seit 1998 war er Bischof von Oria (Brin­disi, Süditalien), im Jahr 2001 wurde er vom Papst zum Sondersekretär der 10. Generalversammlung der Bischofssynode ernannt.
Am 2. Oktober erfolgte die Ernennung von Paolo Rabitti zum Erzbischof von Ferrara-Comacchio.Der 68jährige, aus der Diözese Reggio Emilia stammende Rabitti, war von 1984 bis 1988 allgemeiner kirchlicher Vizeassistent der katholischen Aktion, und war auch als Untersekretär und dann als Sekretär der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche tätig. Seit 1995 war er Bischof von San Marino-Montefeltro.


DIPLOMATIE/1 Neue Nuntien auf den Antillen und in Skandinavien
Am 2. Oktober wurde der Amerikaner Thomas E. Gullickson zum Erzbischof und apostolischen Nuntius in Trinidad und Tobago, Bahamas, Dominica, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und den Grenadinen ernannt. Der 54Jährige, der seit 1976 Priester ist, trat 1985 in den diplomatischen Dienst. Stationen seiner Laufbahn waren: Ruanda, Österreich, Tschechoslowakei, Jerusalem und Deutschland, wo er an der Seite des derzeitigen vatikanischen „Außenministers“ Giovanni Lajolo arbeitete.
Am 16. Oktober wurde der aus den Marken stammende Erzbischof Giovanni Tonucci zum apostolischen Nuntius in Skandinavien ernannt (Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen). Der 63Jährige tritt damit an die Stelle von Erzbischof Piero Biggio, der „aus Gesundheitsgründen“ um seinen Rücktritt angesucht hatte. Tonucci war seit 1996 Nuntius in Kenia und seit 1989 päpstlicher Repräsentant in Bolivien.


DIPLOMATIE/2 Fünfunddreißigster Jahrestag der Beziehungen Hl. Stuhl-Kanada
Der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Giovanni Lajolo, nahm an der Feier teil, die der neue kanadische Botschafter Donald Smith zum 35. Jahrestag der Anknüpfung diplomatischer Beziehungen zwischen Hl. Stuhl und Kanada organisiert hatte. Die Zeremonie fand am Abend des 13. Oktober in der prachtvollen Residenz des Botschafters statt. Ein Anlaß, bei dem sowohl Smith als auch Lajolo eine Ansprache gehalten haben. Der Verantwortliche für die Vatikandiplomatie meinte unter anderem: „Wie schon Raymond Lemieux von der Universität Laval in seiner Studie Le catholicisme blessé, feststellte, war der Katholizismus in Kanada einer der Hauptakteure der kanadisch-französischen Zivilisation, dank der von ihm geschaffenen Institutionen und der von ihm vorangetriebenen moralischen und intellektuellen armature. Nach der sogenannten ‚Révolution tranquille‘ [Periode einer tiefgreifenden sozio-kulturellen Veränderung im französischsprachigen Milieu Kanadas zu Beginn der Sechzigerjahre, Anm.d.Red.], gab es jedoch, durch die Säkularisierung, viele soziokulturelle Veränderungen, und so kam es, daß es – wie übrigens in vielen Ländern der westlichen Welt – sehr schwierig wurde und ist, den Glauben zu leben und zu verbreiten.“


DIPLOMATIE/3 Neue Botschafter Ägyptens, Portugals und Brasiliens
Am 18. September überreichte der neue Botschafter Ägyptens beim Hl. Stuhl sein Beglaubigungsschreiben. Es handelt sich um Frau Nevine Simaika Halim Abdalia. Die 56Jährige Karrierediplomatin (seit 1956) war bereits Konsul in Paris, sowie, in den vergangenen Jahren, Assistentin des Außenministers für kulturelle und wissenschaftliche Angelegenheiten, sowie für die technische Kooperation. Der Ansprache des Papstes an die neue Repräsentantin hat der Osservatore Romano in seiner Ausgabe vom 19. September sogar seine Schlagzeile gewidmet: Irak und Heiliges Land: Für die Rückkehr zur Vernunft und zum Verhandeln, einzig möglicher Ausweg aus den Konflikten unter den Menschen. Die neue Botschafterin dagegen bezeichnete ihre Ernennung als „Beweis für die Entwicklung Ägyptens. Die Förderung der Frau und das Abkommen von jeglicher beruflichen Diskriminierung sind zwei Aspekte der Modernisierung im Respekt der Tradition...“
Am 21. September war der neue Botschafter Portugals an der Reihe. Es handelt sich um den 59jährigen Karrierediplomaten (seit 1968) João Alberto Bacelar da Rocha Paris. Stationen seiner Laufbahn waren: Botschaft von Angola, Brüssel und USA, Zuletzt war er als Generalsekretär des Außenministers tätig. Der Papst hat in seiner Ansprache u.a. gesagt: „Die Repräsentanten der portugiesischen Regierung haben nicht gezögert, zu ihren christlichen Überzeugungen zu stehen und diese zu verbreiten, als sie an der Vorbereitung einer europäischen Verfassung mitarbeiteten. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um meine Dankbarkeit für das Engagement zum Ausdruck zu bringen, das die Regierung Ihres Landes bei der Betonung der christlichen Identität Europas gezeigt hat...“ Der neue Botschafter hat dagegen an die seit Jahrhunderten bestehenden Beziehungen zwischen Rom und Lissabon erinnert, die auf das ferne Jahr 1179 zurückgehen, als Alexander III. mit der Bulle Manifestis probatum die Unabhängigkeit Portugals anerkannte. Er betonte, „beim Pastoralbesuch in Luanda“ [erste Station seiner diplomatischen Laufbahn] 1992 „die Ehre“ gehabt zu haben, „dem Heiligen Vater die Hand zu küssen.“
Am 11. Oktober war der neue brasilianische Botschafter beim Hl. Stuhl an der Reihe. Es handelt sich um Frau Vera Barrouin Machado. Die 58jährige Karrierediplomatin (seit 1968) war in den letzten fünf Jahren Botschafterin in Indien. In ihren Begrüßungsworten an den Papst wies sie auf „die bedingungslose Unterstützung“ hin, die der Hl. Stuhl der jüngst vom brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gestarteten Initiative zur Ausmerzung von Hunger und Armut auf der Welt zukommen läßt. Der Papst dagegen sagte: „Gerne betone ich die Konvergenz, die zwischen Hl. Stuhl und Ihrer Regierung bezüglich dessen besteht, was man über die Bedrohung des Weltfriedens sagt... Ich bete darum, daß die Brasilianer auch weiterhin die Glaubenswerte vorantreiben und verbreiten, vor allem, wenn es darum geht, die Heiligkeit der Familie und den Schutz des ungeborenen Lebens, vom Moment der Empfängnis an, ausdrücklich anzuerkennen.“ Frau Barrouin Machado erinnerte dagegen daran, seit mehr als einem halben Jahrhundert diplomatischer Beziehungen zwischen Rom und Brasilien die erste Frau zu sein, die dieses Amt innehat, und bat den Papst „um den Gefallen, einen Segen für meine Familie auszusprechen, die, den Vorschriften des katholischen Glaubens treu, an diesem für uns alle so besonderen Tag bei mir ist.“


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