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Aus Nr.10 - 2004

Briefe aus den Missionen




EL SALVADOR Kalifornisches Gericht verurteilt Mörder Romeros Im September verurteilte ein kalifornisches Gericht den ehemaligen Kapitän der Streitkräfte El Salvadors, Alvaro Rafael Saravia, für den Mord an Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Saravia war der rechte Arm von Roberto D’Aubuisson, verstorbener Kopf der Todesschwadronen, die es in der Zeit der Militärdiktatur zu zweifelhaftem Ruhm gebracht hatten. Der Staatsanwalt, der die Ermordung Romeros als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnete, verurteilte Saraiva zur Zahlung einer Schadensersatzsumme von insgesamt 10 Millionen Dollar. Eingeleitet hatte das Strafverfahren das „Centre For Justice And Accountability“ von San Francisco, eine Vereinigung für den Schutz der Menschenrechte, die es dank eines amerikanischen Statuts des 18. Jahrhunderts gibt. Msgr. Romero war am 24. März 1980 ermordet worden, als er gerade die Messe zelebrierte.

INDIEN Spannung in Kerala: Schwestern von Mutter Teresa mißhandelt Am Samstag, 25. September, wurden drei Missionarinnen der Nächstenliebe Mutter Teresas und zwei Mönche derselben Kongregation angegriffen, als sie gerade in Calicut Nahrungsmittel an die Armen verteilten, zum Glück aber nicht schwer verletzt. Nach dem Zwischenfall meinte Msgr. Joseph Kalathiparambil: „Wir haben hier in der christlichen Gemeinschaft keine Angst, ein Angriff auf Christen ist bei uns etwas überaus Seltenes. Die religiösen Gemeinschaften haben bisher immer harmonisch zusammengelebt.“ Im Staat Kerala, genau gesagt in Chalakudy, wurde am 28. August Pater Job Chittilappilly – kurz vor der Meßfeier – von einem Fanatiker ermordet. Der Täter hatte gestanden, ein Menschenopfer dargebracht zu haben, um die Götter für die Wiedereröffnung eines vor 20 Jahren geschlossenen Hindu-Tempels günstig zu stimmen. Zur Ermordung des Priesters gab der Sekretär der indischen Bischofskonferenz, Msgr. Percival Joseph Fernandez, folgende Stellungnahme ab: „Die Christen in Kerala haben jahrhundertelang in Frieden und Harmonie gelebt, und die Ermordung von Pater Job ist der Versuch in böser Absicht handelnder Menschen, Zwietracht unter den Gemeinschaften zu säen.“

SAMBIA Die Bischöfe: Begriff „christliche Nation“ nicht in neue Verfassung aufnehmen Am 14. Oktober schickten die Bischöfe Sambias einen Appell an die 41 Mitglieder der Kommission für die Revision der Verfassung (CRC), in dem sie verlangten, die Definition des Landes als „christliche Nation“ nicht in die zukünftige Verfassung aufzunehmen. Das Dokument wurde vom Präsidenten der Bischofskonferenz, Erzbischof Lusaka Telesphore Mpundu, wie auch von anderen Bischöfen unterzeichnet. Die Bischöfe verwiesen insbesondere darauf, daß die nicht-christlichen Bürger im Falle eines Verweises auf die christlichen Wurzeln in der Verfassung, zu „Bürgern zweiter Klasse“ degradiert werden könnten, was Spannungen schaffen würde, die wiederum den Fundamentalismus nähren.

SUDAN Darfur: Afrika will den Konflikt selbst lösen Mitte Oktober wurde in Libyen ein Gipfel zur humanitären Krise im Darfur abgehalten, jene Region im Westen des Sudan, die von den Auseinandersetzungen zwischen den Rebellen der SLA (Sudan Liberation Army) und JEM (Justice and Equality Movement) und den regierungstreuen Milizen Janjaweed in Mitleidenschaft gezogen wird. An dem Gipfel nahmen – außer den Vertretern der Gastgeberregierung – auch Vertreter der Regierungen Nigerias (dem Staat, der derzeit den Vorsitz über die Afrikanische Union hat), Ägyptens, des Tschad und des Sudan teil. Beschlossen wurde die Bereitstellung von ca. 3.500 Soldaten verschiedener Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union, es wurde aber nicht geklärt, ob diese Truppen nur die Rolle von Beobachtern haben sollten oder ob man vorhat, sie bei peacekeeping-Operationen einzusetzen. Am Ende des Gipfels erklärte der sudanische Außenminister Mustafa Osman Ismail: „Afrika ist bereit, alle Verantwortung zu übernehmen und will keine ausländische Einmischung.“ Am 22. Oktober wurden in Abuja (Nigeria), unter Schirmherrschaft der Afrikanischen Union, Gespräche zwischen Repräsentanten der Regierung und den Rebellen eingeleitet. Zweck: ein beiderseitiges Protokoll aufzustellen, mit dem humanitäre Hilfen für die ausgelaugte Bevölkerung garantiert werden können. Laut UNO-Daten hat die Krise bisher 30.000-50.000 Menschen das Leben gekostet (15% davon starben bei den bewaffneten Auseinandersetzungen); die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen dagegen beläuft sich inzwischen auf mehr als eine Million.

BURUNDI Bischofsvikar ermordet Am 18. September wurde in Nyanza Lac (Süden Burundis) Pater Gerard Nzeyimana ermordet, Bischofsvikar der Diözese Bururi. Das Auto des Priesters, der sich in Begleitung von drei Schwestern und einem jungen Mädchen befand, war von bewaffneten Unbekannten angehalten worden, die die Insassen zuerst ausraubten und den Priester dann kaltblütig ermordeten. Msgr. Herménégilde Ndoricimpa, Generalvikar der Diözese Burundi, gab folgenden Kommentar ab: „Wir können nicht verstehen, warum man ihn umgebracht hat: er hat alles ausgehändigt, was man von ihm verlangte – und doch mußte er sterben. Er hat sich stets für den Frieden eingesetzt, und niemand hat eine Erklärung dafür, warum man ihn umgebracht hat, einfach so, ohne offensichtliches Motiv.“ Laut Msgr. Joachim Ntahondereye, Bischof von Muyinga, handelte es sich um „eine gezielte Tötung.“ Das Verbrechen wurde in einem Land verübt, in dem es – wenn auch ein Friedensprozess eingeleitet wurde – noch ein weiter Weg zur Normalität ist. Die Auseinandersetzungen zwischen den gegnerischen Faktionen haben bisher, von 1993 bis heute, mehr als 300.000 Menschen das Leben gekostet.


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