Rubriken
Aus Nr.04 - 2005


DOKUMENTE

Die Ansprache von Papst Wojtyla beim Besuch des im Palazzo Montecitorio tagenden italienischen Parlaments


Herr Präsident der italienischen Republik, sehr geehrte Herren Präsidenten der Abgeordnetenkammer und des Senats, Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Abgeordnete und Senatoren! 1 Als eine hohe Ehrung empfinde ich den feierlichen Empfang, der mir heute in diesem bedeutenden Sitz zuteil wurde, in dem das ganze italienische Volk von Ihnen würdig vertreten wird. Allen und jedem einzelnen entbiete ich meinen ehrerbietigen und herzlichen Gruß in dem Bewußtsein der höchst bedeutsamen Anwesenheit des Nachfolgers Petri im italienischen Parlament. Ich danke dem Herrn Präsidenten der Abgeordnetenkammer und dem Herrn Präsidenten des Senats der Republik für die freundlichen Worte, mit denen sie die gemeinsamen Gefühle zum Ausdruck gebracht und auch den Millionen von Bürgern Stimme verliehen haben, von denen ich täglich bei den vielen Gelegenheiten, wo es mir gegeben ist, ihnen zu begegnen, Beweise ihrer Zuneigung empfange. Diese Zuneigung hat mich immer begleitet, seit den ersten Monaten meiner Wahl auf den Stuhl des Petrus. Dafür möchte ich bei dieser Gelegenheit allen Italienern herzlich danken. Schon in meinen Studienjahren in Rom und dann bei den regelmäßigen Besuchen in Italien als Bischof, besonders während des II. Ökumenischen Vatikanischen Konzils, ist in meinem Innern die Bewunderung für dieses Land gewachsen. Denn die Verkündigung des Evangeliums, die seit den Zeiten der Apostel hier Fuß gefaßt hat, hat eine Zivilisation, reich an universalen Werten, und eine Blüte wunderbarer Kunstwerke hervorgebracht, in denen die Geheimnisse des Glaubens in unvergleichlich schönen Bildern Ausdruck finden. Wie oft habe ich, gleichsam aus greifbarer Nähe, die ruhmvollen Spuren berührt, die die christliche Religion den Gewohnheiten und der Kultur des italienischen Volkes aufgedrückt hat, während sie auch in vielen heiligen Männern und Frauen, deren Charisma einen außerordentlichen Einfluß auf die Völker Europas und der übrigen Welt ausübte, konkrete Gestalt annahm. Es mag genügen, den hl. Franz von Assisi und die hl. Katharina von Siena, beide Patrone Italiens, zu nennen.
(Sihe inhaltsverzeichnis)




Die Ansprache von Papst Wojtyla an die Teilnehmer der 69. Konferenz der Interparlamentarischen Union


Herr Präsident! Exzellenzen! Meine Damen und Herren! 1 Ich würdige in besonderer Weise Ihre Anwesenheit hier anläßlich der bedeutenden Konferenz, die die angesehene Institution, deren Mitglieder Sie sind, zur Zeit in Rom abhält und danke Ihnen für Ihren Besuch. Meine verehrten Vorgänger haben es nicht versäumt, ihr Interesse an der Interparlamentarischen Union zu bekunden und ihr Ermutigungen zuteil werden zu lassen. Papst Pius XII. zum Beispiel hob am 9. September 1948 das Bestehen und die Zweckmäßigkeit einer solchen Vereinigung hervor. Und vor zehn Jahren, als die Union ihre letzte Konferenz in Italien abhielt, würdigte Papst Paul VI. offen Ihre Arbeit als Parlamentarier. Nachdem er Ihre politische Arbeit im Hinblick auf die Exekutive, die neuen „Mächte“ der Interessengruppen und Technokraten, eingeordnet hatte, stellte Paul VI. eine gewisse Funktions- und Identitätskrise des Parlaments fest, wünschte aber mit Recht, daß im Rahmen einer notwendigen Entwicklung diese Institution ihre Rolle noch wirksamer erfüllen möge, jenseits von Parteienstreit und unfruchtbarem Spiel. So verstanden, trägt das Parlament in der Tat zur Erhaltung der Demokratie bei. Zeigt die Erfahrung nicht jeden Tag, was eine Nation aufs Spiel setzt, wenn die Regierungsautorität einerseits und die „Pressure-Groups“ anderseits den demokratisch gewählten Vertretern der Gesellschaft – die frei handeln, in dem Bewußtsein, die legitimen Ansprüche ihrer Mitbürger zu vertreten, wobei sie das gemeinsame Wohl des ganzen Volkes im Auge haben und die konkreten Realitäten sowie die Grundrechte der Menschen und ihrer Vereinigungen berücksichtigen – den ihnen von Rechts wegen zustehenden Platz nicht mehr überlassen?
(Sihe inhaltsverzeichnis)




Die Grußadresse des italienischen Staatspräsidenten an den Heiligen Vater anläßlich seines offiziellen Besuchs im Vatikan


Heiliger Vater, ich bin Ihnen dankbar für Ihre väterliche Sorge um Italien, ich danke Ihnen für den liebenswürdigen und herzlichen Empfang und für die anderen Begegnungen, die vor diesem offiziellen Besuch in meiner Eigenschaft als Staatspräsident möglich waren. Dieser fällt mit dem Beginn des 22. Jahres Ihres Pontifikats zusammen: die Erinnerung an jenen 16. Oktober 1978 ist noch allzu lebendig; die Erinnerung an die Hoffnungen, die wir seither im Herzen tragen und die Sie in diesen Jahren Ihrer Sendung vollbracht haben. Das italienische Volk bewundert Ihre geistliche Stärke, Ihre Entschlossenheit, die Tiefe der Werte, die Lebendigkeit Ihrer Glaubensbotschaft, die an das Gewissen aller Menschen appelliert. Es hört auf Ihren unablässigen Aufruf zu einer größeren Gerechtigkeit und mehr Solidarität und anerkennt den Wert der Person, den zu betonen Sie nie müde werden.
(Sihe inhaltsverzeichnis)


Italiano Español English Français Português