Rubriken
Aus Nr.01 - 2007


KIRCHE

Das Christentum und Jesus


Jesus und die Ehebrecherin, Rembrandt, National Gallery, London.

Jesus und die Ehebrecherin, Rembrandt, National Gallery, London.

Im Kulturteil des Corriere della Sera vom 27. Januar stellte Alberto Melloni eine neue Übersetzung der Evanglien vor (I Vangeli a cura di G. Gaeta, Einaudi-Verlag). Melloni: „Mir ist klar, daß es merkwürdig klingen mag – wenn auch nicht allzu sehr –, wenn ich sage, daß es heute im Grunde viel Christentum gibt, das Jesus nicht wirklich zu brauchen scheint, zumindest kein großes Bedürfnis nach seiner Geschichtlichkeit zu haben scheint, wie sie uns in den Evangeliumsberichten vermittelt wird. Ein Christentum, das sich zufrieden gibt mit seiner wiedergefundenen Macht, der Ehrerbietung, die ihm jene entgegenbringen, die es als notwendigen Hüter der ‚natürlichen‘ Prinzipien sehen und das von jenen galvanisiert wird, die es auf diesem Gebiet mit reichlich banalen Argumenten kritisieren.“ Weiter heißt es: „Es gibt da nämlich eine Art und Weise, das christliche Heil zu verkünden, die es unkenntlich macht: jene, die damit beginnt, die moralische Misere und die Enttäuschungen aufzulisten, die uns das Leben beschert und sich darin verrennt, fast als wäre das Heil nur etwas für eine Menschheit, die bereit ist, sich selbst zu leugnen. Und es gibt eine Art und Weise, auf das Heil zu hören, die dagegen auf Jesus konzentriert ist: der Mensch, der voranschreitet, und den die Jünger vor allem von hinten sehen (Pasolini hatte das verstanden!), die Armen das Antlitz, das sich ihnen zum Kuß zuneigt, die Hand, die tröstet: das ist die Art und Weise der Evangelien, in die sich der Glaubende und der Gelehrte vertiefen, der Kommentator und der Prediger, der Einzelgänger und die Gemeinschaft.“ Resumé: „[...] Ich glaube, daß man diesen 1.200 Seiten u.a. zugute halten muß [...], daß sie nicht gewagt haben, sie zu ‚streichen‘ [die Erzählung von der Ehebrecherin: in einigen Handschriften ist sie nicht enthalten, Anm.d.Red.]: wenn diese nicht authentische Erzählung verloren ginge, könnten die Christen nicht existieren, weil niemand anderer ihnen sagen könnte ‚ich verurteile dich nicht‘ und ‚von nun an sündige nicht mehr‘.“




WELTGESCHEHEN

Die Kirche und der Triumph von 1989



Am Montag, 22. Januar, veröffentlichte der Corriere della Sera einen Artikel mit dem Titel: das asiatische Jahrhundert und der Abstieg des Westens. Dort heißt es u.a.: „Vor hundert Jahren regierte der Westen die Welt. Damit ist es nun vorbei: der Vormarsch Chinas war stärker als der ‚Triumph‘ von 1989.“




30TAGE IN KIRCHE UND WELT


Józef Glemp.

Józef Glemp.

Polen
Rücktritt des Erzbischofs von Warschau

Am 6. Januar reichte der 68jährige Stanislaus Wojciech Wielgus, Erzbischof von Warschau, sein Rücktrittsgesuch ein. Seit 1999 war Wielgus Bischof von Plock. Zum Apostolischen Administrator der Diözese wurde bis auf weiteres der emeritierte Erzbischof und Primas von Polen, Józef Glemp, ernannt.


Kardinäle
Kardinäle Etsou und Javierre Ortas verstorben. Suárez Rivera wird achtzig

Am 6. Januar verstarb der 76jährige afrikanische Kardinal Frédéric Etsou-Nzabi-Bamungwabi, seit 1990 Erzbischof von Kinshasa (Demokratische Republik Kongo). Am 1. Februar starb der 86jährige Kardinal Antonio María Javierre Ortas. Der spanische Salesianer war emeritierter Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.
Am 9. Januar konnte der mexikanische Kardinal Adolfo Antonio Suárez Rivera seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Von 1983 bis 2003 war er Erzbischof von Monterrey.
Anfang Februar setzte sich das Kardinalskollegium aus 184 Kardinälen zusammen, 110 davon Wähler.
Am 15. Februar wurde Kardinal Carlo Maria Martini, von 1980 bis 2002 Erzbischof von Mailand, achtzig Jahre alt.


Deutschland
Kardinal Wetter zurückgetreten

Am 2. Februar nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des 79jährigen Kardinals Friedrich Wetter, Erzbischof von München-Freising, entgegen. 1982 hatte Wetter als Nachfolger des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger die Leitung des bayerischen Metropolitansitzes übernommen.


Nahost/1
„Die jüdischen Prinzipien von Recht und Barmherzigkeit“

Hohe Wellen schlug der Appell von 130 jüdischen Intellektuellen, der am 5. Februar auf der Webseite der britischen Zeitung The Guardian erschien und noch am selben Tag vom Corriere della Sera aufgegriffen wurde. Die englischen Juden fordern darin Kritikfreiheit dem Staate Israel gegenüber. In dem Appell, der den Kampf gegen den Antisemitismus als „von vitaler Bedeutung“ bezeichnet, kommt die Befürchtung zum Ausdruck, daß dieser Kampf „auf wackeligen Beinen steht, solange jegliche Kritik an der israelischen Regierung sofort als antisemitisch abgestempelt wird.“ Im Zusammenhang mit dem Drama der Palästinenser heißt es weiter, daß „die Unterstützung einer Besatzungsmacht im Widerspruch zu den jüdischen Prinzipien von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit steht.“


Nahost/2
Die katastrophalen Folgen eines Angriffs auf den Iran

„Ein militärischer Angriff auf Teheran hätte katastrophale Folgen.“ So lautet der eindringliche Appell, der am 4. Februar in der britischen Zeitung Sunday Times zu lesen stand. Gekommen war er von Robert Gard, Josph Hoar und Jack Shanahan, drei pensionierten US-Generälen (wiederaufgegriffen von la Repubblica, Montag, 5. Februar).


Nahost/3
Der kleine Amos und seine Großmutter

Im Corriere della Sera vom 14. Februar fand Amos Oz lobende Worte für den Beschluß des Bürgermeisters von Jerusalem, das Bauprojekt für eine Brücke beim Tal der Moscheen abzublocken, um das es bereits mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden gekommen war. Zum Thema des Religionskonflikts gab er folgende Anekdote zum Besten: „Als ich noch ein kleiner Junge war, erklärte mir meine Großmutter den Unterschied zwischen Juden und Christen mit folgenden, einfachen Worten: Die Christen glauben, daß der Messias schon auf die Erde gekommen ist und eines Tages wiederkehren wird. Die Juden dagegen, daß er erst kommen wird und daß das bald sein wird. Darüber ist viel Blut vergossen worden, hat es viele Verfolgungen, Diskrimination und Haß gegeben. Und wofür? Und dann hatte meine Großmutter die Lösung parat: anstatt Blut zu vergießen, sollte man einfach warten, was passiert. Wenn der Messias kommt und sagt ‚Hallo, schön, dich wiederzusehen,‘ müßten die Juden zugeben, sich geirrt zu haben. Wenn er aber sagt: ‚Schön, deine Bekanntschaft zu machen,‘ dann wäre es an den Christen, die Juden um Entschuldigung zu bitten. Das ist die einzige Lösung für das Tal der Moscheen und für das der Klagemauer: leben und leben lassen.“


Diplomatie/1
Bertello Nuntius in Italien

Am 11. Januar wurde Giuseppe Bertello zum neuen Nuntius in Italien ernannt. Der 64jährige, aus Piemont stammende Bertello wurde 2000 Päpstlicher Vertreter in Mexiko. Etappen seines diplomatischen Dienstes waren: der Sudan, die Türkei und Venezuela. Von 1987 bis 1991 hatte er das Amt des Päpstlichen Vertreters in Ghana, Togo und Benin inne; von 1991 bis 1994 in Ruanda (ein Land, das er wegen der Unruhen verlassen mußte, zu denen es durch den Krieg zwischen Tutsi und Hutu gekommen war). Von 1995 bis 2000 war er Repräsentant beim UNO-Sitz in Genf.


Diplomatie/2
Boccardi Nuntius im Sudan und Eritrea, Mottola in Montenegro

Am 16. Januar wurde Leo Boccardi zum Erzbischof und Apostolischen Nuntius im Sudan ernannt. Boccardi, der 1953 in San Martino in Pensilis (Campobasso) geboren wurde, empfing 1979 die Priesterweihe für die Diözese Larino. Nach Abschluß seines Theologiestudiums trat er 1987 in den diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls. Etappen seiner Laufbahn waren die päpstlichen Vertretungen in Uganda, Papua Neu-Guinea, Belgien und die Sektion für die Beziehungen mit den Staaten des Staatssekretariats. 2001 wurde er Ständiger Repräsentant des Hl. Stuhls bei der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der Organisation zur Überwachung des umfassenden Kernwaffenstopp-Abkommens (CTBTO). Er war als Ständiger Beobachter des Hl. Stuhls bei der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (ONUDI) tätig und beim UNO-Büro Wien. Am 30. Januar wurde der neuernannte Erzbischof Boccardi auch Nuntius in Eritrea.
Am 25. Januar erfolgte die Ernennung von Erzbischof Angelo Mottola zum Nuntius in Montenegro. Seit 1999 war er Päpstlicher Repräsentant im Iran. Obwohl er nicht aus dem diplomatischen Dienst kam, war der 72jährige Mottola aus dem italienischen Aversa (Provinz Caserta) von 1986 bis 1999 auch Delegat der Administration von Propaganda Fide. Zuvor (seit 1963) war er Offizial, auch mit administrativen Aufgaben, der Kongregation für die Orientalischen Kirchen.
Am 22. Januar wurde Mons. Michael W. Banach zum Päpstlichen Repräsentanten beim Wiener UNO-Büro ernannt. Der 1962 in Worcester (USA) geborene Branach empfing 1988 die Priesterweihe. Nach Erwerb des Doktorats in Kirchenrecht trat er 1994 in den diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls. Etappen seiner Laufbahn waren die Päpstlichen Vertretungen in Bolivien und Nigeria und die Zweite Sektion des Staatssekretariats für die Beziehungen mit den Staaten.
Am 30. Januar wurde der amerikanische Erzbischof Charles Daniel Balvo, seit 2005 Nuntius in Neuseeland und anderen kleinen Staaten Ozeaniens, auch zum Päpstlichen Repräsentanten in Nauru ernannt.


Diplomatie/3
Neue Botschafter aus der Türkei, Rumänien, Montenegro, Kolumbien und Costa Rica beim Hl. Stuhl

Am 19. Januar überreichte der neue Repräsentant der Türkei beim Hl. Stuhl, Muammer Dogan Akdur, sein Akkreditierungsschreiben. Der 60jährige Karrierediplomat war in den letzten zwei Jahren Botschafter in Venezuela.
Am 20. Januar war der neue Botschafter Rumäniens an der Reihe. Der 36jährige Marius Gabriel Mazurca war bereits Universitätsdozent für religiöse Anthropologie und vergleichende Literatur, Direktor der Stiftung „Das dritte Europa“ von Timisoara und Leiter des regionalen Kulturzentrums „Arad.“
Am 22. Januar wurde der erste Botschafter von Montenegro vorstellig (dem neuen Staat, zu dem der Hl. Stuhl seit 16. Dezember diplomatische Beziehungen unterhält). Der 57jährige Katholik Antun Sbutega leitete von 1987 bis 1997 die Wirtschaftsabteilung der Universität von Podgorica. Sbutega, der mit seiner Familie nach Italien emigrierte, war von 1994 bis 2006 beim Päpstlichen Missionswerk St. Peter Apostel der Kongregation für die Evangelisierung der Völker tätig.
Am 9. Februar überreichte der neue Botschafter Kolumbiens sein Akkreditierungsschreiben. Der 73jährige Juan Gómez Martínez war Universitätsdozent, Journalist und Politiker, in den letzten vier Jahren Senator der Republik Kolumbien.
Am 10. Februar war der neue Repräsentant Costa Ricas an der Reihe: der 60jährige Luis Paris Chaverri war von 1970 bis 1972 als beigeordneter Sekretär an der Botschaft in Italien tätig.


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