Rubriken
Aus Nr.11 - 2008


BENEDIKT XVI.

Die Erbsünde und die Schönheit Mariens


Die Grotte von Lourdes.

Die Grotte von Lourdes.

Zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis am Montag, 8. Dezember, begann der Heilige Vater das Angelusgebet mit folgenden Worten: „Das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das wir heute feierlich begehen, ruft uns zwei grundlegende Wahrheiten unseres Glaubens in Erinnerung: vor allem die Erbsünde und dann den Sieg der Gnade Christi über sie, einen Sieg, der auf wunderbare Weise in der allerseligsten Jungfrau Maria aufscheint. Die Existenz dessen, was die Kirche ‚Erbsünde‘ nennt, ist leider, wenn wir um uns herum und vor allem in uns hineinblicken, von erdrückender Offensichtlichkeit. Die Erfahrung des Bösen ist in der Tat so greifbar, dass sie sich von alleine aufdrängt und in uns die Frage aufkommen lässt: Woher stammt es? Besonders für einen Gläubigen stellt sich die Frage in einem noch tieferen Sinne: Wenn Gott, der die absolute Güte ist, alles geschaffen hat, woher kommt das Böse? Die ersten Seiten der Bibel (Gen 1-3) antworten gerade auf diese grundlegende Frage, die jede menschliche Generation anspricht, mit dem Bericht von der Schöpfung und dem Fall der Ureltern: Gott hat alles ins Sein gerufen, insbesondere hat er den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen; er hat nicht den Tod geschaffen, sondern dieser ist durch den Neid des Teufels in die Welt gekommen (vgl. Weish 1, 13-14; 2, 23-24), der sich zunächst Gott widersetzt und dann auch die Menschen getäuscht hat, indem er sie zur Auflehnung verführte. Es ist das Drama der Freiheit, das Gott aus Liebe bis ins Letzte akzeptiert; dabei jedoch verheißt er, dass ein von der Frau geborener Sohn kommen werde, der die alte Schlange am Kopf treffen wird (Gen 3, 15).“ Abschließend meinte er noch: „Meine Lieben, in Maria, der Unbefleckten Empfängnis, betrachten wir den Abglanz der Schönheit, die die Welt rettet: die Schönheit Gottes, die auf dem Antlitz Christi erstrahlt. In Maria ist diese Schönheit ganz rein, demütig, frei von jeglichem Stolz und aller Eitelkeit. So ist die Jungfrau vor 150 Jahren in Lourdes der hl. Bernadette erschienen, und so wird sie in vielen Heiligtümern verehrt.“




TERRORISMUS.

Indien, das Attentat und die heiligen Spiele der Utopisten


Polzeieinsatz gegen die Terroristen in Mumbai. BR [© Associated Press/LaPresse]

Polzeieinsatz gegen die Terroristen in Mumbai. BR [© Associated Press/LaPresse]

In La Stampa vom 3. Dezember erschien ein Interview mit dem indischen Schriftsteller Vikram Chandra über die Ende November in Mumbai verübten Terroranschläge. Auf die Frage des Journalisten nach den Ursachen der Verschärfung des Antagonismus zwischen Hindus und Muslimen in Indien antwortete Chandra: „Dieser Antagonismus, diese Vorurteile, sind genau das, was mit dem Angriff auf die Spitze getrieben werden soll. Jede Form von Extremismus – ganz gleich welchen Ursprungs – braucht ihre Gräueltaten. In Sacred games [dem jüngsten Werk des Schriftstellers, Anm.d.Red.] versucht der Leader einer hinduistischen Sekte, in Mumbai eine schreckliche Katastrophe heraufzubeschwören und diese den muslimischen Extremisten in die Schuhe zu schieben. Zu welchem Zweck? Damit es zwischen Indien und Pakistan unwiederbringlich zur Eskalation kommt [...]. Der Angriff auf Mumbai verfolgte genau diesen Zweck: zu polarisieren, eine weitere Spirale des Schmerzes und der Rache heraufzubeschwören. Jene, die diesen Konflikt verursacht haben, ziehen daraus Ruhm, Einfluss und Macht. In ihrer Weltanschauung führt dieses ganze Leid zur Utopie, einer Vision des Paradieses hier und im Jenseits.“




LITURGIE.

Vom Betenden zum Handelnden


Jesus und Petrus.

Jesus und Petrus.

„Die nach dem Konzil übersetzten liturgischen Texte zeigen, wie einige Grundkonzepte der katholischen Lehre verändert worden sind. Der Umstand, dass in den Gebetsformeln klassische Begriffe, die das Übernatürliche und den Sinn der christlichen Offenbarung meinen, weniger gebraucht werden oder gar gänzlich verschwunden sind, vor allem der Begriff der Gnade, hat die Säkularisierung des Ritus und der katholischen Mentalität begünstigt. Daher glauben heute nur noch wenige, dass die liturgischen Texte dem Priester dazu dienen, mit Gott zu sprechen: sie sind wie ein Drehbuch, in dem der Priester als Regisseur oder Hauptdarsteller fungiert, Motto der ‚modernen‘ Liturgisten.“ So Paolo Isotta im Corriere della Sera am 3. Dezember.





Alexej II. [© Associated Press/LaPresse]

Alexej II. [© Associated Press/LaPresse]

Papst/1
Die Rührung Benedikts XVI. über den Tod von Alexej II.

„Ich war tief betrübt darüber, die Nachricht über den Tod Seiner Heiligkeit Alexej II., Patriarch von Moskau und aller Russen, zu erhalten, und mit brüderlicher Zuneigung möchte ich dem Heiligen Synod und allen Mitgliedern der russisch-orthodoxen Kirche mein aufrichtiges Beileid zukommen lassen und Ihnen meine geistliche Verbundenheit in dieser Zeit der Trauer bekunden.“ So beginnt das Beileidstelegramm des Heiligen Vaters Benedikt XVI. zum Tod Seiner Heiligkeit Alexej II., das mit folgenden Worten endet: „Während dieser traurigen Zeit des Verlustes, in der seine sterblichen Überreste in der Hoffnung auf die sichere Auferstehung in der Erde bestattet werden, möge die Erinnerung an diesen Diener des Evangeliums Christi für all jene eine Stütze sein, die sich nun in Trauer befinden, und eine Ermutigung für diejenigen werden, die von seinem spirituellen Erbe als Vorsitzender der ehrwürdigen russisch-orthodoxen Kirche profitieren werden.“


Papst/2
Benedikt XVI. und De Gasperi

„Er war eine weise und ausgewogene Führungspersönlichkeit in den schwierigen Jahren des Wiederaufbaus nach dem Krieg und zugleich ein bedeutender und erfahrener Politiker, der es verstand, aus einer umfassenden christlichen Sicht heraus auf Europa zu blicken.“ Mit diesen lobenden Worten bedachte Benedikt XVI. den christdemokratischen Staatsmann Alcide De Gasperi bei der Messe am 1. Adventssonntag (30. November 2008). Anlässlich des 1.750. Jahrestages des Martyriums des heiligen Diakons Laurentius wurde die Messe in der Basilika „San Lorenzo fuori le mura“ zelebriert.


Römische Kurie/1
Kardinal Cañizares neuer Präfekt für den Gottesdienst

Am 9. Dezember nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des nigerianischen Kardinals Francis Arinze an. Arinze, der am 1. November das 75. Lebensjahr vollendete, war aus Altersgründen von seinem Amt als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger bestimmte der Papst den spanischen Kardinal Antonio Cañizares Llovera (63), seit 2002 Erzbischof von Toledo.


Römische Kurie/2
Msgr. Di Felice Protonotar „partecipante“

Am 2. Dezember nahm der Papst den aus den Abruzzen stammenden Msgr. Francesco Di Felice (74), seit 2006 Kanoniker in Santa Maria maggiore und Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Familie ins Kollegium der sieben Apostolischen Protonotare „de numero participantium“ (die Gilde der „Notare“ des Hl. Stuhls) auf.


Kardinäle
Der Tod von Kardinal Dulles

Am 12. Dezember verstarb der amerikanische Kardinal Avery Dulles (90). Der Jesuit und Theologe war 2001 von Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert worden. Damit beläuft sich die Zahl der Mitglieder des Kardinalskollegiums auf 191, 116 davon sind in einem eventuellen Konklave wahlberechtigt. Neun dieser Kardinäle sind Jesuiten, zwei davon wahlberechtigt.


Kultur
Citatis Bewunderung für Papst Wojtyla

„Ich habe Papst Johannes Paul II. sehr bewundert. Er war kein Papst wie alle anderen: ein Papst repräsentiert in erster Linie die Tradition der Kirche und spricht zu ihr. Gewiss, Johannes Paul II. verehrte die christliche Tradition zutiefst. Aber er war auch Mensch: wie es der Papst normalerweise nicht ist. Er aß, fuhr Ski, sprach, betete, lächelte, weinte, wie es kein Papst vor ihm zuvor getan hat. Zugleich war er, oder glaubte es zu sein, eine Reinkarnation Christi: wie sein ganzes Leben beweist, das Attentat, das der Krone Unserer Lieben Frau von Fatima gewidmete Projektil, die Erahnung vonZeichen und Wundern, ja sein Tod – Nachleben der Ereignisse von Golgotha. Aus diesen Gründen waren die Gläubigen von ihm auch so fasziniert.“ So Pietro Citati in la Repubblica (15. Dezember).


Italien
Golser Bischof von Bozen-Brixen

Am 5. Dezember ernannte der Papst Msgr. Karl Golser (65) aus dem Klerus von Bozen-Brixen zum Bischof dieser Diözese. Golser, der 1968 in Rom die Priesterweihe empfing, erwarb 1973 das Doktorat in Moraltheologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana. 1979 habilitierte er sich in Philosophie an der römischen Universität La Sapienza. In der Diözese war er: von 1982 bis 1991 Pfarrer von Sarnes; von 1982 bis heute Professor am „Studio accademico teologico“ von Brixen; von 1991 bis heute Gefängnispfarrer; von 2001 bis 2007 Rektor und Vizerektor des besagten „Studio accademico“; von 2006 bis heute Präsident der italienischen Theologen-Vereinigung für Morallehre. Von 1977 bis 1982 war er Beamter in der Kongregation für die Glaubenslehre.


Diplomatie/1
Neue Nuntien in Bolivien und Mosambik

Am 21. November ernannte der Papst Erzbischof Giambattista Diquattro (54), seit 2005 Apostolischer Nuntius in Panama, zum Apostolischen Nuntius in Bolivien. Er tritt an die Stelle von Erzbischof Luciano Suriani, der im Februar ernannt worden war, dann aber aus gesundheitlichen Gründen das Land verlassen musste.
Am 12. Dezember ernannte der Papst den lombardischen Erzbischof Antonio Arcari (55), seit 2003 Apostolischer Nuntius in Honduras, zum Päpstlichen Vertreter in Mosambik.


Diplomatie/2
Neuer Botschafter Argentiniens

Am 5. Dezember nahm der Papst das Akkreditierungsschreiben des neuen argentinischen Botschafters beim Hl. Stuhl entgegen: der Rechtsanwalt Juan Pablo Cafiero (55) war bereits Abgeordneter im argentinischen Parlament und Minister; in den letzten Monaten Regierungsrat der Provinz Buenos Aires für die politische Reform und den Dialog.


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