Kurznachrichten
PAPST.
Gebete und Gefühle der Wertschätzung für die chinesische Kirche und das edle chinesische Volk

Matteo Ricci.
PAPST.
Der Mord an Erzbischof Luigi Padovese
![Kardinal Dionigi Tettamanzi, Erzbischof von Mailand, bei der Beerdigungsfeier von Erzbischof Padovese im Mailänder Dom (14. Juni 2010).
[© Associated Press/LaPresse]](/upload/articoli_immagini_interne/1281001251646.jpg)
Kardinal Dionigi Tettamanzi, Erzbischof von Mailand, bei der Beerdigungsfeier von Erzbischof Padovese im Mailänder Dom (14. Juni 2010). [© Associated Press/LaPresse]
KIRCHE.
Die Ohnmacht des Kreuzes und die Allmacht Gottes
![Benedikt XVI. und Scheich Nazim in Zypern. [© Associated Press/LaPresse]](/upload/articoli_immagini_interne/1281001350208.jpg)
Benedikt XVI. und Scheich Nazim in Zypern. [© Associated Press/LaPresse]
NAHER OSTEN.
Appell für den Frieden der jüdischen Diaspora
![Bernard-Henri Lévy. [© Associated Press/LaPresse]](/upload/articoli_immagini_interne/1281001423021.jpg)
Bernard-Henri Lévy. [© Associated Press/LaPresse]

„Hegel ist der christozentrische Denker schlechthin.“
Kardinal Cottier und die Shoah-Religion
Il Foglio vom 3. April veröffentlichte einen Artikel, in dem Kardinal Georges Cottier eine Kritik an der „Shoah-Religion“ Emil Fackenheims äußert. „Das Denken Fackenheims ist eine der wichtigsten Ausdrucksformen der ‚Shoah-Religion‘, wie sie Alain Besançon genannt und analysiert hat. Die Tragödie der Shoah, die das jüdische Volk erdulden musste und die sich unauslöschlich in seine Geschichte eingeschrieben hat, ist derart einzigartig, dass jeder Vergleich mit anderen Tragödien als Blasphemie erscheinen muss [...] Die ‚Shoah-Religion‘ macht aus der von vielen unschuldigen Opfern gemachten Erfahrung des Gotteschweigens eine metaphysische Kategorie. Die Definition der Einzigartigkeit des Ereignisses hat keinen Bezug mehr zu Gott. Was bleibt, ist nur die ‚Treue des jüdischen Volkes zu sich selbst‘ [...]. Wenn die Shoah, wie sie von Fackenheim interpretiert wird, der Mittelpunkt der Geschichte ist, dann bedeutet das, dass sie sich an den Platz Christi stellt. Wie aber kann dieses Ereignis, wenn Gott fehlt, einen erlösenden Wert haben? Entweder gibt es keine Erlösung oder die Erlösung wird zur Selbsterlösung des Menschen, aus der Gott ausgeschlossen worden ist. Hier befinden wir uns im Bereich der Logik des atheistischen Humanismus. Bei Fackenheim, können wir lesen, dass Hegel der christozentrische Denker schlechthin sei. Aber Hegel repräsentiert in Wahrheit eine christologische Gnosis, in der sich der Glaube an Christus nicht wiedererkennen kann.“
Kirche/2
Eine laizistische Verteidigungsrede für den Papst
Am 14. April zeichnete Piero Ostellino das Editorial im Corriere della Sera mit dem Titel Eine laizistische Verteidigungsrede für den Papst. So der Schluss: „Was wir alle vor Augen haben, ist ein offensichtliches Paradox. Derjenige, der die schlimmsten Attacken über sich ergehen lassen muss, ist der Papst. Dabei haben wir es doch ihm zu verdanken, dass er hinsichtlich eines Phänomens, über das viel zu lange geschwiegen wurde, in der Kirche für sehr viel mehr Transparenz gesorgt hat. Trotzdem riskiert Benedikt XVI. heute, als der Papst zu gelten, der Pädophilie-Fälle in Priesterkreisen gedeckt haben soll. Die Unterscheidung zwischen Sünde und Straftat ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur und unserer Zivilisation, auf den wir nicht verzichten können. Sie sanktioniert den Unterschied, die Distanz, zwischen dem liberal-demokratischen Staat, der auf Rechten und Garantien für den Einzelnen basiert, und dem theokratischen Staat: eine Ordnung, die zu Unterdrückung führt wie es die Totalitarismen der jüngeren Vergangenheit getan haben, besteht nicht nur im Bündnis zwischen Thron und Altar, sondern auch und vor allem in der rationalistischen Illusion und in dem freien Wunsch, eine Veränderung der Natur des Menschen erzwingen zu wollen. Angesichts des beunruhigenden Schauspiels, dem wir beiwohnen, ist überraschend, wie viele Zuschauer mit scheinbarer Gleichgültigkeit schweigen. So als habe unsere liberale Demokratie der christlichen Botschaft, die immerhin die Zentralität der Heiligkeit und Unantastbarkeit der Person betont hat, nicht viel zu verdanken.“
Kirche/3
„Die öffentliche Rolle“ und der Preis des kommunikativen Charismas
„Dieser Papst, dem alle trotz der ihn umgebenden kurialen Ehrerbietung ein bisschen die kalte Schulter zeigen, scheint nun doch ein unerwartetes Profil zu finden. In einem für die Kirche in Europa so schwierigen Moment, der nur in unserem oberflächlichen Land nicht erkannt wird. Mag sein, dass sich dieses Profil keiner großen Beliebtheit erfreuen wird, weil es Spiritualitätsdimensionen aufweist, die recht unüblich sind für eine Kirche, die gerne eine ‚öffentliche Rolle‘ spielt und anmaßend genug ist, das Monopol der Moralität gepachtet zu haben. Eine Kirche, die sich noch immer nach dem großen kommunikativen Charisma sehnt, ohne sich bewußt zu werden, welcher Preis dafür gezahlt worden ist.“ Ein Auszug aus dem Editorial in La Stampa (21. Juni).
Kardinäle
Kardinäle Špidlík, Mayer und Poggi verstorben
Am 16. April verstarb der aus Mähren stammende Kardinal Tomáš Špidlík. Der Jesuit war im Dezember 90 Jahre alt geworden. Am 30. April verstarb der deutsche Kardinal Paul Augustin Mayer. Der Benediktiner und emeritierte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung wäre im Mai 99 Jahre alt geworden. Am 4. Mai verstarb der italienische Kardinal Luigi Poggi (92), emeritierter Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche. Am 24. Juni setzte sich das Kardinalskollegium aus 179 Mitgliedern zusammen, 108 davon sind in einem eventuellen Konklave wahlberechtigt.
Kurie
Ein neuer Sekretär und zwei neue Untersekretäre bei den Päpstlichen Räten. Corbellini bei der Disziplinarkommission
Am 6. Mai wurde der italienische Scalabrianer-Pater Gabriele Ferdinando Bentoglio zum Untersekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und die Menschen unterwegs ernannt. Zuvor war er als Generalprokurator und Generalsekretär der Scalabrianer tätig.
Am 14. Juni wurde der Brasilianer José Aparecido Gonçalves de Almeida (50) zum Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten ernannt; seit 1994 war er Offizial des Dikasteriums.
Am 22. Juni erfolgte die Ernennung des Italieners Giovanni Pietro Dal Toso (46) zum Sekretär des Päpstlichen Rates „Cor Unum“. Dal Toso wurde 1989 für die Diözese Bozen-Brixen zum Priester geweiht, trat 1996 dem Dikasterium bei und wurde im Juni 2004 zum Untersekretär bestellt.
Am 11. Mai wurde Bischof Giorgio Corbellini (63), Präsident des „Arbeitsamts“ des Apostolischen Stuhls, auch zum Präsidenten der Disziplinarkommission der Römischen Kurie ernannt.
UNO
Für einen Nahen Osten ohne Atomsprengköpfe
„USA, China, Frankreich, Russland und Großbritannien, die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats mit Veto-Recht, haben sich gestern dafür ausgesprochen, im Nahen Osten eine atomwaffenfreie Zone zu schaffen. In einer Bekanntmachung der UNO, an deren New Yorker Sitz gerade die Konferenz für die Revision des Atomsperrvertrags (NVV) stattfindet, geben die Repräsentanten der fünf Staaten ihre Absicht bekannt, der NVV-Resolution von 1995 entsprechend im Nahen Osten eine Zone zu schaffen, die frei ist von Atom- und Massenvernichtungswaffen. Diese auf Drängen Ägyptens erfolgte Stellungnahme ist eine implizite Form der Druckausübung auf Israel, das die einzige Macht im Nahen Osten ist, die über Atomsprengköpfe verfügt, auch wenn man das offiziell nie zugegeben hat“ ( Corriere della Sera, 7. Mai).
Katyn
Die Annäherung zwischen Polen und Russland
„Am 7. April war ich mit Premierminister Tusk in Katyn. Die Rede Putins hat mich tief beeindruckt. Zum ersten Mal hat er klar gesagt, dass die Schuld für das Massaker beim Totalitarismus zu suchen ist. Wenn die beiden Nationen nicht die Wahrheit anerkennen, kann es keine polnisch-russische Aussöhnung geben [...]. Ich möchte betonen, dass die Wahrheit über Katyn und der Grund, warum die polnischen Politspitzen auf dem Weg dorthin waren, in ganz Russland die Runde macht. Ohne das Wissen Putins und Medvedevs hätte das nicht passieren können. Diese Tatsache ist für Russland und seine Position Europa und der europäischen Kultur gegenüber ungeheuer wichtig [...]. Was da vor unseren Augen geschieht, ist etwas Neues und Gutes.“ Soweit der Kommentar des polnischen Staatsmanns Tadeusz Mazowiecki zur Tragödie von Katyn (Interview in la Repubblica, 14. April über das Ende der Eiszeit zwischen Moskau und Warschau seit der zweiten Tragödie in Katyn).