Kurznachrichten
DIPLOMATIE
Mennini Nuntius in Großbritannien
![Wladimir Putin und Antonio Mennini. [© Associated Press/LaPresse]](/upload/articoli_immagini_interne/1299687706123.jpg)
Wladimir Putin und Antonio Mennini. [© Associated Press/LaPresse]

Alcide De Gasperi bei den Arbeiten der Verfassungsgebenden Versammlung (1946).
Die italienische Verfassung und die “Laizitätslizenz”
Im Corriere della Sera (19. Dezember) hinterfragt Alberto Melloni die Beziehung zwischen Kirche und Politik und brandmarkt gewisse, in der Presse grassierende Banalisierungen, laut denen “die Kirche” eine bestimmte Partei oder ein bestimmtes politisches Projekt unterstützen würde. Ein – wie er meint – negatives “Ziel”, das auch von “Überzeugungen” und Haltungen bestimmt wird, die gewisse Vertreter der Kirche einnehmen. Auf diesem Ziel lastet – so Melloni – „die Aufhebung jener “Laizitätslizenz”, die die republikanische Verfassung – das einzige kulturelle Programm, das der italienischen Katholizität gelungen ist, die letzte Leidenschaft des Politikers Dossetti – der christdemokratischen Ära Italiens (von Andreatta zu Andreotti) beschert hat und die für die verschiedensten Zwecke benutzt wurde.“
Kirche/2
Die Werte-Lobby
Wird die Kirche auf eine “Werte-Lobby” verkürzt? Diese Frage stellt sich der Verfasser des Editorials in der italienischen Tageszeitung La Stampa vom 28. Dezember, Gian Enrico Rusconi. In der Turiner Tageszeitung heißt es: „Man muss nicht die “Rückkehr der Religion ins post-säkulare Zeitalter” heraufbeschwören, um feststellen zu können, wie präsent die “Kirchenreligion” (also jene religiöse Ausdrucksform, die von den Strukturen der katholischen Kirche diktiert wird) im öffentlichen Leben unseres Landes ist. Aber die öffentliche Bedeutung der Religion, die besonders bei “hoch-ethischen” Themen zum Tragen kommt, wird von einer grundlegenden Schwerfälligkeit beim Vermitteln der theologischen Inhalte begleitet, auf die derartige Themen eigentlich gegründet sein sollten. Mit anderen Worten: auf die theologischen Inhalte wird nur dann verwiesen, wenn sie zur Moral anhalten sollen. Wir haben es mit einer ent-theologisierten Religion zu tun, die in einer neuen Betonung der “Spiritualität” einen Ausgleich sucht. Die aber zeigt sich als überaus zerbrechliches Phänomen, das von einer ausgesprochen subjektiven Ausarbeitung traditioneller religiöser Motive bis zu Therapien psychischen Wohlbefindens reicht. Die darin enthaltenen starken und relevanten “Religionswahrheiten” – die Begriffe Offenbarung, Heil, Erlösung, Ursünde (von anderen, komplexeren Dogmen ganz zu schweigen) –, die in ihrem dogmatischen Wortlaut die spirituelle und christliche Entwicklung des christlichen Abendlandes nachhaltig beeinflusst haben, werden aus dem öffentlichen Diskurs verbannt. Für die Gläubigen sind sie nur noch etwas im Hintergrund Vorhandenes, ein “narratives”, illustrierendes Hilfsmittel, das noch keine Grundlage für die rituelle Praxis ist. Die Geburt Christi, die wir erst vor Kurzem gefeiert haben, beruht auf dem theologischen Dogma von Christus, “wahrer Gott und wahrer Mensch”. Es handelt sich um eine “Wahrheit”, die Jahrhunderte lang Generationen von Gläubigen geprägt und geformt hat. Heute wird sie wieder ins Gespräch gebracht – eingelullt in ein Klima oberflächlicher Sentimentalität –, ohne den Sinn einer Wahrheit zu erfassen, die mit den dem öffentlichen Diskurs zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr vermittelt werden kann. Dabei fragt man sich unweigerlich, ob das, was die Kirchenmänner mit ihrem öffentlichen Diskurs bezwecken wollen, einzig und allein die Verteidigung dessen ist, was sie tout court “Werte” nennen, also das, was Themen wie das “Leben”, die “natürliche Familie” und die bioethischen Probleme betrifft, die Bestandteil der offiziellen Lehre der Kirche sind. Und nichts anderes.“
Weltgeschehen
Kamikaze mit Spitzen-Killergehalten
„Das “Durchschnittsgehalt” eines Al-Qaeda-Kamikaze in Afghanistan lag 2006 bei 50-100.000 Dollar, manchmal sogar bei “einer Million”. [...] Das verraten die im Rahmen der Wikileaks-Enthüllungen 2010 bekannt gewordenen US-Militär-Depeschen in Sachen Irak und Afghanistan“ (Ansa, 30. Dezember).
Kurie
Neue Sekretäre bei Propaganda Fide, bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und der Kongregation für den Klerus
Am 23. Dezember ernannte Benedikt XVI. den Salesianer Savio Hon Tai-Fai zum Erzbischof und Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Damit wurde zum ersten Mal ein Chinese in die Römische Kurie berufen. Don Hon wurde am 21. Oktober 1950 in Hongkong geboren. Nach seiner Schulzeit an Salesianer-Instituten legte er 1969 die ersten Gelübde ab und 1975 die ewige Profess. 1982 empfing er in Hongkong die Priesterweihe. Seinen Bachelor in Philosophie erwarb er 1977 an der University of London, das Doktorat in Theologie 1988 an der Päpstlichen Universität Salesiana. Seine Fremdsprachenkenntnisse perfektionierte er vor Ort: in Paris und in Bonn. Er wurde auch als Gastprofessor zu verschiedenen Seminaren Kontinentalchinas geschickt und hat zahlreiche Publikationen auf Chinesisch, Englisch und Italienisch verfasst. Mit einem Artikel im L’Osservatore Romano kommentierte er 2008 den Brief, den Benedikt XVI. an die Kirche in China geschickt hat. Er wirkte auch an der Übersetzung des Katechismus der Katholischen Kirche ins Chinesische mit. Er gehört der Salesianer-Provinz für China an (zu der Kontinentalchina, Hongkong, Macao und Taiwan gehören) und war von 2001 bis 2006 deren Provinzial. Seit 1999 war Hon Tai-Fai Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie, seit 2004 der internationalen Theologenkommission. Er unterrichtete Theologie am Seminar von Hongkong.
Am 29. Dezember wurden verschiedene Ernennungen für die Römische Kurie bekanntgegeben: Benedikt XVI. ernannte Marcello Bartolucci (66) zum Erzbischof und neuem Sekretär der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Er wird der Nachfolger von Michele Di Ruberto, der im August vergangenen Jahres 76 wurde. Der aus der Provinz Perugia, Diözese Assisi, stammende Bartolucci ist seit 1968 Priester. Das Doktorat in Theologie erwarb er an der Lateran-Universität, das Lizentiat in kanonischem Recht am Angelicum. Nach 10 Jahren Seelsorgedienst war er seit 1977 in der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse tätig, seit 2007 als Untersekretär und Nachfolger von Di Ruberto. Zum neuen Untersekretär der Kongregation wurde der Pole Boguslaw Turek (46) ernannt, seit 1989 Priester der Kongregation San Michele Arcangelo. Er ist seit 1994 in besagtem Dikasterium tätig (seit 2009 als Bürovorsteher). Papst Benedikt XVI. ernannte auch den Spanier Celso Morga Iruzubieta (63) zum Erzbischof und Untersekretär der Kongregation für den Klerus. Celso Morga Iruzubieta, der seit 1972 Priester ist, erwarb das Doktorat in kanonischem Recht an der Universität des Opus Dei in Navarra und ist seit 1987 in besagtem Dikasterium tätig: seit 2000 als Bürovorsteher und seit 2009 als Untersekretär. Auch der kanadische Msgr. Serge Poitras (61) wurde zum beigeordneten Untersekretär der Kongregation für die Bischöfe ernannt. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1973 für die Diözese Chicoutimi in Quebec, war Poitras in den letzten zehn Jahren Mitarbeiter der Nuntiatur in Ottawa; seit vergangenem Oktober war er Offizial des Dikasteriums. In dieses Amt berufen wurde er von dem kanadischen Kardinal Marc Ouellet, der am 30. Juni zum Präfekten der Kongregation für die Bischöfe ernannt wurde.

Diplomatie
Francesco Maria Greco neuer Botschafter Italiens
Am 17. Dezember überreichte der neue Botschafter Italiens beim Hl. Stuhl Benedikt XVI. sein Beglaubigungsschreiben: Francesco Maria Greco (60), aus dem süditalienischen Siracusa. Greco trat 1974 in den diplomatischen Dienst und war in verschiedenen Büros des italienischen Außenministeriums tätig, u.a. in Belgrad, Brüssel, Bangkok und Madrid. Seit 2000 war er Berater für die internationalen Angelegenheiten der Außenminister Sergio Mattarella (Regierung D’Alema und Amato) und Antonio Martino (Regierung Berlusconi); von 2002-2006 war er Botschafter in Indonesien. Seit 2009 war er am Ministerium für Äußeres tätig. Er ist Verfasser der Buches Grande crisi e ordine internazionale. L’Italia fra Europa e Stati Uniti (Esi-Verlag, Neapel 2003), das an verschiedenen Universitäten als Lehrbuch für künftige Diplomaten verwendet wird.