30TAGE IN KIRCHE UND WELT
WELTGESCHEHEN
Der Tod bin Ladens und Hitlers
![Osama bin Ladens <BR>[© Associated Press/LaPresse]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/96-04-05-011.jpg )
Osama bin Ladens
[© Associated Press/LaPresse]
ITALIEN/1
Pisapia und Don Giussani
![Giuliano Pisapia vor der Wahlurne (Regionalwahlen Mailand, Berchet-Gymnasium, 29. Mai 2011). [© LaPresse]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/99-04-05-011.jpg)
Giuliano Pisapia vor der Wahlurne (Regionalwahlen Mailand, Berchet-Gymnasium, 29. Mai 2011). [© LaPresse]
Über seine Beziehung zu Don Giussani hatte Pisapia bereits in einem anderen Interview gesprochen (in der italienischen Wochenzeitschrift Vita, 28. Februar 2005), vor allem über ihre erste, überraschende Begegnung: „Er kam ins Klassenzimmer und fragte uns, ob wir es für richtig hielten, dass katholische Eltern ihre Kinder nach den Prinzipien des katholischen Glaubens erzögen. Einer von uns drehte den Spieß um und fragte ihn: Halten Sie es denn für richtig, wenn ein Kommunist seine Kinder nach kommunistischen Prinzipien erzieht? Die Antwort Giussanis kam wie aus der Pistole geschossen: Ja. Seither – so Pisapia in dem Interview weiter – begann er den Priester und die Gruppe von Jungen, die er um sich scharte, zu frequentieren: „Sonntags fuhren wir immer auf Land, in eine strukturschwache Zone bei Mailand. Dort pflegten wir ein richtiges Gemeinschaftsleben, aßen miteinander, machten Gesellschaftsspiele. Wir sprachen auch viel über den Glauben, aber immer ohne jeglichen Anspruch auf Indoktrinierung [...]. Don Giussani hatte ein enormes menschliches Charisma. Formalitäten waren ihm ein Gräuel. Seine Stärke war der Dialog. Er wollte, dass wir wir selber sein konnten, dass wir den Mut hätten, unsere Ideen zu verteidigen, auch wenn es nicht die seinen waren. Er ging niemals von den Dogmen aus, wie es andere Priester taten. Er wollte, dass wir frei sind. Wir konnten über alles mit ihm reden, auch über ganz private Dinge, die nichts mit dem Glauben zu tun hatten“. Pisapia aber war ein anderer Weg bestimmt: da war das 68er Jahr, das Engagement in der Politik, besonders in der italienischen Linken. Dennoch misst Pisapia dieser Begegnung in seiner Jugendzeit eine wichtige Bedeutung bei, wie er auch in dem Interview mit Giuseppe Frangi unumwunden zugibt: „Ohne Giussani hätte ich nicht verstanden, was es bedeutet, auf der Seite der Schwachen zu sein. Er hat mir beigebracht, dass Erfahrung mehr zählt als jede Lektüre. Und diesen Wert habe ich in der Linken wiedergefunden. Zum ersten Mal erkannt habe ich es aber in jenen unbeschwerten Tagen im Umland von Mailand.“
ITALIEN/2
Napolitano, Obama und “die günstige Gelegenheit”
![Giorgio Napolitano und Barack Obama in Warschau (27. Mai 2011). [© Presseamt der italienischen Republik]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/101-04-05-011.jpg)
Giorgio Napolitano und Barack Obama in Warschau (27. Mai 2011). [© Presseamt der italienischen Republik]
Kurznachrichten
Kirche/1
Etchegaray, Papst Benedikt XVI. und die Neuanfänge des Christentums
„Manchmal hat man den Eindruck, alles von Papst Benedikt zu wissen, angefangen bei seinem unglaublichen theologischen Schaffensdrang. In Wahrheit aber haben wir gerade erst angefangen, ihn kennenzulernen bzw. zu verstehen, wie ein Papst in der vollen Ausübung seiner pastoralen Aufgaben ist, also ein Hirte, der seine Herde vor allem durch stürmische Zeiten führt. Nach seiner Wahl zum Papst ist aus Benedikt ein Pfarrer geworden. Die Kirche hat den Seelsorger in ihm entdeckt, nicht nur den Theologen; die Welt einen unverzichtbaren Bezugspunkt [...]. Ja, genau so ist es. Oder hat er sich selbst am Anfang vielleicht nicht als einen “einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn” bezeichnet? Beispielhaft in diesem Sinne war seine Predigt zum Palmsonntag: er hat von der Demut Gottes gesprochen, der den Weg des Kreuzes gewählt hat, um auf extreme Weise seine Liebe zu zeigen. Das ist der Weg, den das Pontifikat Papst Benedikts geht.“ So Kardinal Roger Etchegaray in Avvenire vom 19. April. Der weiter ausführt: „Das Gespräch mit Peter Seewald enthält eine entscheidende Passage: “Der heutige Papst will, dass sich seine Kirche einer Art Grundreinigung unterzieht... Die Aufgabe heiße: den Menschen Gott zu zeigen und ihnen die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit über die Geheimnisse der Schöpfung. Die Wahrheit über die menschliche Existenz. Und die Wahrheit über unsere Hoffnung, die über das rein Irdische hinausgeht” [...] All das könnte sich in folgendem Gedanken zusammenfassen lassen: “Das Christentum befindet sich in einem Zustand des steten Neubeginns”.
![Bartholomaios I. <BR>[© Associated Press/LaPresse]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/94bis-04-05-011.jpg)
Bartholomaios I.
[© Associated Press/LaPresse]
Bartholomaios I., die Naturkatastrophen und die spirituellen Perversionen
„Die Zerstörungen der Natur durch Erd- und Seebeben, die drohende Atomkatastrophe nach der Explosion eines Atomkraftwerkes; die Kriege und die Terrorakte, die so viele Todesopfer fordern – all das zeigt, dass unsere Welt eine Zeit der Angst und des Schreckens erlebt. Und diese Angst ist auf die Entfesselung der Naturgewalten und der spirituellen Kräfte des Bösen zurückzuführen [...]. Dennoch ist die Auferstehung Christi wirklich real. Sie birgt für den gläubigen Christen die Gewissheit und für den Rest der Menschheit die Möglichkeit, die schlimmen Folgen der Naturkatastrophen und der spirituellen Perversionen zu transzendieren“ (ein Auszug aus der Predigt des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. in der Osternacht; Avvenire am 26. April).
Kardinäle
Kardinäle Saldarini und García-Gascoverstorben
Am 18. April verstarb Kardinal Giovanni Saldarini (86), Erzbischof von Turin (1989 - 1999). Am 1. Mai verstarb der spanische Kardinal Vicente Agustín García-Gasco (80), von 1992 bis 2009 Erzbischof von Valencia. Mit Vollendung des 80. Lebensjahres der Kardinäle Bernard Panafieu (26. Januar), Ricardo J. Vidal (6. Februar), Camillo Ruini (19. Februar), William H. Keeler (4. März) und Sergio Sebastiani (11. April) besteht das Kardinalskollegium am 31. Mai aus 198 Kardinälen, 115 davon wahlberechtigt.

Fernando Filoni.
Filoni Präfekt von Propaganda Fide und Becciu Substitut im Staatssekretariat
Am 10. Mai wurde der aus Apulien stammende Erzbischof Fernando Filoni (65) zum Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker ernannt. Er tritt somit die Nachfolge des indischen Kardinals Ivan Dias an, der das 75. Lebensjahr vollendet hat. Nach seiner Priesterweihe 1970 in der Diözese Nardò trat Filoni 1981 in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. 2001 wurde er zum Erzbischof und Apostolischen Nuntius in Jordanien und im Irak ernannt. 2006 wurde er Nuntius auf den Philippinen, 2007 Substitut für die allgemeinen Angelegenheiten des Staatssekretariats. Letzteres Amt wurde am 10. Mai mit dem sardischen Erzbischof Giovanni Angelo Becciu (63) besetzt, der seit 1972 als Priester in der Diözese Ozieri tätig war und 1984 in den diplomatischen Dienst des Vatikans trat. 2001 wurde Becciu zum Erzbischof und Apostolischen Nuntius in Angola ernannt, 2009 zum Päpstlichen Repräsentanten in Kuba.
![Schimon Peres und Giorgio Napolitano in Jerusalem (15. Mai 2011). Dem italienischen Staatspräsidenten wurde der Dan-David-Preis verliehen. <BR>[© Presseamt der italienischen Republik]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/98-04-05-011.jpg)
Schimon Peres und Giorgio Napolitano in Jerusalem (15. Mai 2011). Dem italienischen Staatspräsidenten wurde der Dan-David-Preis verliehen.
[© Presseamt der italienischen Republik]
Peres, das Abkommen zwischen Hamas und Fatah und der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern
Für Schimon Peres sind Verhandlungen mit der Hamas möglich. In einer Reihe von Interviews in der israelischen Presse hat der israelische Staatschef das Abkommen kommentiert, das die beiden wichtigsten Palästinenser-Parteien am 4. Mai in Kairo unterzeichnet haben: die Hamas, die in Gaza das Sagen hat und von den Israelis als Terrororganisation bezeichnet wird, und die Fatah, die im Westjordanland die Macht hat. „Wenn sie sich vereinen wollen, sollen sie es ruhig tun“, so Peres. „Als ich angefangen habe, mit Arafat zu verhandeln, haben alle zu mir gesagt, das sei hoffnungslos.“ Dasselbe gilt heute für dieHamas. Der Name interessiert mich nicht, für mich zählt die Substanz. Möglich ist alles.“ Die Verhandlungen sollen aber nach Möglichkeit fernab vom Scheinwerferlicht stattfinden: „In der Öffentlichkeit muss jeder seinen Leuten zeigen, wie stark und aggressiv er ist. Tief in ihren Herzen wissen die Leader jedoch, dass es keine Alternative zum Frieden gibt. Und genau aus diesem Grund müssen wir zwischen Schein und möglichem Potential unterscheiden.“
Nahost/2
Das Ende des Embargos in Gaza und die US-Politik
„Gaza, der palästinensische Gebietsstreifen der Heimatlosen, ist seit gestern kein Gefängnis mehr. Nach vier Jahren wurde der Grenzübergang Rafah an der ägyptischen Grenze wieder geöffnet. Jener Übergang, den der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak als Vergeltungsaktion auf die Revolte der Hamas-Fundamentalisten gegen die ANP des laizistischen Präsidenten Abu Masen geschlossen hatte. Gestern hat die ägyptische Militärjunta, die im Kielwasser des sogenannten “arabischen Frühlings” entstand, beschlossen, das Verbot aufzuheben“. So der Beginn eines Artikels im Corriere della Sera (29. Mai), der wie folgt endet: „Es ist auch klar, dass das Vorgehen in Gaza auf jenen internationalen Druck hin erfolgte, der von Obama ausgeht und der auf die Zwei-Staaten-Lösung abzielt, laut der Israel und Palästina in Frieden und Sicherheit zusammen leben.“
Mittelmeerraum/1
Bettiza und der neokoloniale Krieg in Libyen
„Wie es auch immer ausgehen mag, die Geschichte wird den unglückseligen Ausgang des neokolonialen Eingriffs in Libyen sicher in Erinnerung behalten, eingedeckt von der Phraseologie des ach so toleranten Tigellinus aus dem Élysée-Palast, Bernard-Henri Lévy, der sich bekanntlich aufs Zünden “humanitärer Bomben” versteht. Dabei hat sich ein franko-britisches Einschreiten schon einmal als Schuss nach hinten erwiesen: das Einschreiten 1956 in Suez bewirkte letztendlich nur, dass dem Panarabismus-Anhänger Nasser letztlich sogar noch der Rücken gestärkt und Chruschtschow ein perfektes Alibi dafür geliefert wurde, die ungarische Revolution mit Waffengewalt niederzuschlagen, was wiederum die sowjetische Besatzung im Nahen Osten begünstigt hat“. So der Wortlaut des Editorials (la Stampa, 11. April) aus der Feder von Enzo Bettiza.
Mittelmeerraum/2
Todorow: der Krieg in Libyen, der politische Messianismus und die Ursünde
„Ich glaube, dass der Krieg leider eine eigene Logik besitzt, die es ihm unmöglich macht, räumlich so eindämmbar zu bleiben, wie die behaupten, die ihn wollen. Vor dem 19. März waren die Truppen Gaddafis drauf und dran, in Bengasi ein Massaker anzurichten – wie Präsident Sarkozy behauptete, um den Westen von der Notwendigkeit einer militärischen Intervention zu überzeugen. Die ersten Bomben waren daher durchaus gerechtfertigt – jene also, die das Regime in seine Schranken gewiesen haben. Dann aber verwandelte sich das pseudo-humanitäre Eingreifen in etwas ganz anderes“. So der Philosoph Tzvetan Todorov im Corriere della Sera (12. April). Er führt weiter aus: „Wir sind in eine neue Phase des politischen Messianismus eingetreten. Die erste war die napoleonische, die Goya auf Leinwand bannte. Die zweite messianische Welle war die des Kommunismus [...]. Und nun erleben wir ein drittes Wiederaufleben des politischen Messianismus: der erste Golfkrieg war eine Art “Probelauf”, das Einschreiten im Kosovo, ohne UNO-Mandat, die Generalprobe, und jetzt haben wir Afghanistan und den Irak“. Auf die Frage, ob man den Krieg kategorisch ablehnen könne, antwortet er: „Nein, ich glaube nicht, dass das gut wäre. Der Ehrgeiz, das Böse ausrotten zu wollen, wäre noch viel schädlicher: es ist Aufgabe der Ursünde, uns an das zu erinnern, was Romain Gary sagte: dass es einen “unmenschlichen Teil der Menschheit” gibt. Dennoch müssen wir die nicht vermeidbaren Kriege weitestmöglich reduzieren. Wie den in Libyen beispielsweise“.

Die Flaggen der Türkei und der Europäischen Union vor der Nur-u Osmaniye- Moschee in Istanbul.
Patten, die Krise der Europäischen Union und die Türkei
In la Stampa vom 5. April steht eine sachliche Analyse der Situation der Europäischen Union zu lesen. Der Artikel stammt aus der Feder von Chris Patten, ehemaliger britischer Gouverneur von Hongkong, Europakommissar für Äußeres und Rektor der Universität Oxford. Thema: die Zerbrechlichkeit der Europäischen Union im internationalen politischen Kontext. Was ist die Antwort auf eine solche Krise, fragt sich Patten? „Für mich liegt die Antwort in der Türkei“, heißt es in besagtem Artikel. „Ein Europa mit der Türkei als Mitglied hätte natürlich eine dynamischere Wirtschaft. Die Türkei ist ein energetischer Bezugspunkt für die Region. Sie hat Gewicht und genießt in ihrer Region Respekt, weil sie gute Karten hat. Vor allem aber ist die Türkei heute ein Modell für andere islamische Gesellschaften, die mit der Demokratie zu Rande zu kommen versuchen, mit den Freiheiten der Bürger, dem Rechtsstaat, einer freien Marktwirtschaft, dem Pluralismus und der Religion. Als EU-Mitglied müsste die Türkei eine neue Dimension von großer geschichtlicher Bedeutung mit einbringen. Die Europäer würden zeigen, dass es möglich ist, eine islamische Demokratie anzunehmen und eine solide Brücke zwischen Europa und Zentralasien zu bauen. Das wiederum könnte eine neue europäische Identität schaffen und der EU in diesem Jahrhundert einen neuen Daseinsgrund geben – eine Art und Weise, die Teilungspolitik der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.“
![Wladimir Putin. <BR>[© Associated Press/LaPresse]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/103-04-05-011.jpg)
Wladimir Putin.
[© Associated Press/LaPresse]
Putin zitiert Franz von Assisi
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin gab in einer öffentlichen Stellungnahme bekannt, dass es noch nicht an der Zeit sei, sich für die nächsten Präsidentschaftswahlen aufstellen zu lassen – was auch für den derzeitigen Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitrij Medvedev, gelte: „Wenn wir jetzt falsche Zeichen geben, legt die halbe Administration und mehr als die halbe Regierung – in Erwartung der baldigen Veränderungen – die Arbeit nieder“. Dabei müssten es doch alle – wie er meinte – „ein jeder an seinem Platz, dem hl. Franz nachtun und ihren eigenen Garten bestellen“ (Avvenire, 14. April).