Rubriken
Aus Nr.12 - 2011


WEIHNACHTEN

„Unsere ewige Seligkeit hängt von der Annahme einer historischen Tatsache ab“


Der Stern, der den Ort anzeigt, wo Jesus in der Geburtsgrotte geboren wurde, Geburtsbasilika, Betlehem. [© Archivio ETS Milano]

Der Stern, der den Ort anzeigt, wo Jesus in der Geburtsgrotte geboren wurde, Geburtsbasilika, Betlehem. [© Archivio ETS Milano]

„Den tiefen Grund für die Tatsache, dass in dieser Nacht durch die Geburt dieses Kindes die Wohnstatt des Menschen aufgehört hat, “eine dunkle Erde” zu sein, bringt der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief zum Ausdruck: “Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen”. In dem zu Bethlehem geborenen Kind, “ist die Gnade Gottes erschienen”.“ So Kardinal Carlo Caffarra, Erzbischof von Bologna, in seiner Predigt bei der Christmette. Der Kardinal fuhr fort: „Gott hat aufgehört, in einem unerreichbaren Licht zu wohnen. Er hat uns offenbart, was er uns Menschen zugedacht hat: “Gnade und Barmherzigkeit”. In dieser Nacht wurde uns der wahre Name Gottes verraten: “Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen”. Er ist gekommen, um sich eines jeden von uns anzunehmen; um uns an der Hand zu nehmen und dem wahren Leben zuzuführen“. In seiner Weihnachtspredigt hat der Erzbischof außerdem noch gesagt: „Liebe Brüder und Schwestern, auch das gesündeste Auge muss von einer Lichtquelle erhellt werden, um sehen zu können: es kann sich nicht von selbst das Sehen geben. Und so ist auch unser Verstand ein wenig zuverlässiger Führer, wenn er nicht vom Licht des fleischgewordenen Wortes erhellt wird [...].”Allen aber, die ihn aufnahmen”, heißt es im Evangelium weiter, “gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben”. Das ist die wahre Veränderung der Befindlichkeit des Menschen: “Er hat die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden”. Eine neue Beziehung zu Gott wird aufgebaut, und sie gründet auf der Tatsache, dass das Wort, indem es Mensch geworden ist, den Menschen teilhaben lässt an seiner göttlichen Befindlichkeit. “Oh, wie groß ist das Wohlwollen! Wie großdie Barmherzigkeit”, ruft Augustinus aus. “Er war das einzige Kind, und er wollte nicht alleine bleiben... Das einzige Kind, das der Vater gezeugt hat und durch das er alles getan hat – dieses Kind schickte er auf die Welt, damit es nicht allein sei, sondern Adoptiv-Brüder und -Schwestern habe” [Kommentar zum Johannesevangelium 2, 13]. Liebe Brüder und Schwestern, dass unsere ewige Seligkeit von der Annahme einer historischen Tatsache abhängt, ist das ständige Ärgernis unseres christlichen Vorschlags. Aber heute stellt man den christlichen Vorschlag auf eine Art und Weise dar, die jeglichen Ärgernisses entleert wird. Das passiert jedes Mal, wenn das Christentum auf eine religiöse oder moralische Lehre reduziert wird und man die Person des fleischgewordenen Wortes in den Hintergrund stellt [...]. Liebe Freunde, die wahre letzte Frage ist letztendlich nur eine: stimmt es, dass das Kind, das Maria heute geboren hat, wirklich Gott ist?“.





CHRISTENTUM

Der Anglikanische Primas im Britischen Oberhaus: Sorge um die Christen in Nahost


Rowan Williams.

Rowan Williams.

„Die Präsenz der Christen im Nahen Osten ist wichtig für das politische Wohl der Länder dieser Region“. Das bekräftigte Rowan Williams, Primas der Anglikanischen Gemeinschaft, in seiner Ansprache vor dem „House of Lords“ (zusammengefasst im L’Osservatore Romano, 12.-13. Dezember). „Derzeit“, fuhr Williams fort, „ist die Situation der Christen in der Region so prekär wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr“. Eine dramatische Situation, die eine konstante Auswanderungswelle der Christen ausgelöst hat, deren „besorgniserregendster“ Aspekt der „auf die tragische Situation der West-Bank-Region“ zurückzuführende Exodus der Palästinenser ist. Der anglikanische Primas – so die Vatikanzeitung – hat sich auch zum Sprachrohr der verängstigten Christen in Nahost gemacht, die sich „aufgrund ihrer Identität gleich zweifach angegriffen fühlen: auf der einen Seite von einer neuen Generation von Muslimen, die sie behandeln, als wären sie ein Faustpfand des Westens; auf der anderen, weil sie sich als Opfer der westlichen Rhetorik fühlen. Denn die ignoriert sie einfach oder bringt sie in große Gefahr – und zwar immer dann, wenn das, was ein richtiger, ja sogar militärischer Konflikt ist, als Religionskonflikt dargestellt wird.“





Kurznachrichten


Kardinäle in der Sala Clementina beim traditionellen Weihnachtsempfang mit dem Papst. [© Osservatore Romano]

Kardinäle in der Sala Clementina beim traditionellen Weihnachtsempfang mit dem Papst. [© Osservatore Romano]

Kardinäle

Sandovalzurückgetreten. Cheong wird achtzig. Foley verstorben

 

Am 7. Dezember wurde dem Rücktrittsgesuch des mexikanischen Kardinals Juan Sandoval Íñiguez (78) stattgegeben. Seit 1994 bekleidete er das Amt des Erzbischofs von Guadalajara. Zu seinem Nachfolger ernannte Benedikt XVI. Kardinal Francisco Robles Ortega (62), seit 2003 Erzbischof von Monterrey.

Am 7. Dezember vollendete der koreanische Kardinal Nicholas Cheong Jin-Suk, seit 1998 Erzbischof von Seoul, das 80. Lebensjahr.

Am 11. Dezember verstarb der amerikanische Kardinal John Patrick Foley (76), der frühere Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab und ehemalige Präsident des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel.

Ende 2011 setzt sich das Kardinalskollegium aus 192 Mitgliedern zusammen, 109 davon sind zur Papstwahl berechtigt. Am 6. Januar 2012 vollendete der portugiesische Kardinal José Saraiva Martins das 80. Lebensjahr; denselben runden Geburtstag konnte am 13. Januar der chinesische Kardinal Joseph Zen feiern.

 

 

Kardinal Karol Wojtyla, Erzbischof von Krakau, wird am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt.

Kardinal Karol Wojtyla, Erzbischof von Krakau, wird am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt.

Geschichte/1

Die CIA, das Ende der UdSSR und die Wahl Karol Wojtylas

 

„20 Jahre nach dem Ende der UdSSR, das zu Weihnachten 1991 angekündigt und noch vor dem 31. Dezember mit der Auflösung aller sowjetischen Institutionen in die Tat umgesetzt wurde, hat die CIA Dokumente aufgestöbert, die bestätigen, dass die Administration Reagan und Bush Senior dieser Entwicklung mit Hilfe von Papst Johannes Paul II. den Weg geebnet haben. Aus besagten Dokumenten geht hervor, dass sich der Zusammenbruch der UdSSR dank der Implosion ihres Imperiums und der Weigerung Michail Gorbatschows, ihres letzten Präsidenten, diesen Zusammenbruch mit Waffengewalt zu verhindern, früher ereignet hat als vorhergesehen. Die CIA hatte besagte Implosion schon seit 1978, seit der Wahl des polnischen Kardinals Karol Wojtyla zum Papst, für wahrscheinlich gehalten“ (Ennio Caretto, Corriere della Sera am 30. Dezember).

 

 

Die Schlacht von Amoy in China (26. August 1841) im ersten Opium-Krieg.

Die Schlacht von Amoy in China (26. August 1841) im ersten Opium-Krieg.

Geschichte/2

Die Rhetorik des Liberalismus beginnt mit dem Opium-Krieg

 

„Es gibt viele merkwürdige Parallelen zwischen der Situation, wie sie sich Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete, und der heutigen. Damals wie heute hatte die westliche Welt China gegenüber ein großes Handelsdefizit. Das war auch der Grund, warum die britische Ostindien-Kompanie damit begonnen hatte, Opiumnach China zu exportieren – mit für China katastrophalen Folgen. Als die Engländer China dann den Krieg erklärten, behaupteten sie, das im Namen des freien Handels zu tun – obwohl das Hauptexport-Produkt eben gerade jenes unter Staatsmonopol produzierte Opium war. Heute können die westlichen Mächte nicht mehr auf solche Mittel zurückgreifen, schlachten dafür aber die Rhetorik um Themen wie den Freihandel umso reichlicher aus – und vergessen dabei, dass diese Rhetorik zum ersten Mal im Namen des Opiums benutzt wurde. Aber wenn es eine Nation gibt, die das besser wissen sollte als alle anderen, dann ist das gerade China. Deshalb sind die Chinesen ja auch gegen solche Argumente gefeit.“ Soweit ein Auszug aus dem Interview mit dem indisch-stämmigen amerikanischen Romancier Amitav Ghosh (L’Espresso vom 15. Dezember). Der Schriftsteller erklärt weiter: „Es gibt Parallelen zwischen dem Krieg im Irak und dem Opium-Krieg, vor allem in dem, was darüber gesagt worden ist. Die vielen schönen “guten” Absichten, das geheuchelte Mitleid: was wir tun, das tun wir nur zum Wohl der Welt, hieß es. In Wahrheit steckten dahinter aber die schlimmsten Formen von Gewalt, die schrecklichste Raffgier. Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, war diese Art von kapitalistischer Ideologie im Kommen. Damals dachte man tatsächlich, dass der Markt Gott sei. Und es überraschte mich, dass niemand sah, dass der erste Prüfstand für die Verfechter des Freihandels der Opium-Markt war.“

 

 

Geschichte/3

China, USA und die Versuchung eines neuen Kalten Krieges

 

„Der West-Pazifik steht vor einem großen Problem: wie soll man dem zunehmenden Vordringen Chinas in eine Region begegnen, in der die USA seit Ende des Kalten Krieges den Primat behaupten konnten? Werden sich die USA ihre Vorherrschaft in dieser Region streitig machen lassen? Oder sind sie bereit, mit den multilateralen Foren zusammenzuarbeiten, um das Regelwerk wieder aufzustellen? Ihre Entscheidung wird ausschlaggebend dafür sein, ob im Pazifikraum weiterhin Frieden herrscht oder nicht“. So der Beginn eines Kommentars des ehemaligen australischen Ministerpräsidenten Malcolm Fraser (La Stampa, 20. Dezember) zu dem Beschluss der USA, ihre Militärpräsenz im Pazifischen Ozean zu verstärken. In dem Artikel heißt es weiter: „Auf der anderen Seite des asiatischen Pazifikraums wird das Aufstreben Chinas zwar positiv gesehen, aber auch als etwas betrachtet, das es erforderlich macht, dass sich Peking an die allgemeinen internationalen Regeln hält. Etwas, das ohnehin für alle gelten müsste. Wenn China aber nicht an der Aufstellung besagter Regeln beteiligt wird, werden Spannungen unvermeidlich sein [...]. China hat keinerlei Interesse gezeigt, den imperialistischen europäischen Mächten des 19. Jahrhunderts oder den imperialistischen Bestrebungen Japans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzueifern. Solche Ambitionen waren China schon immer fremd.“ Fraser schließt: „Die heutige Situation Asiens ist etwas vollkommen Neues. Und die daraus resultierenden Dilemmas machen neue Lösungen erforderlich – keine überholten Konzepte im Stile eines Kalten Krieges.“

 

 

Nahost

Mossad-Chef: iranische Atomwaffen keine Bedrohung für Israel

 

„Ein Iran, der Atomwaffen besitzt, stellt nicht unbedingt eine Bedrohung für Israel dar. Das behauptet der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, vor einem Publikum von Hunderten israelischer Botschafter. Das berichtet heute die Tagezeitung Ha’aretz unter Berufung auf drei der anwesenden Botschafter.“ Die Nachricht wurde am 29. Dezember von der Presseagentur Adnkronos verbreitet.

 

 

Lateinamerika

Freihandelsabkommen zwischen Mercosur-Ländern und Palästina

 

Am 20. Dezember haben die Mercosur-Länder (Gemeinsamer Markt des Südens) in Montevideo, Uruguay, mit den Repräsentanten der Palästinensischen Autonomiebehörde ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Die Nachricht wurde von der internationalen Presseagentur France Presse verbreitet. Schon bei den im Vorfeld geführten Verhandlungen – so die Agentur – deuteten die vier Länder besagter Organisation (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) an, dass das Abkommen auch die Forderung seitens der palästinensischen Regierung unterstützen solle, die Anerkennung als Mitgliedstaat der Vereinten Nationen zu erreichen. 2007 hat der Mercosur ein ähnliches Abkommen mit dem Staat Israel unterzeichnet.

 

 

Finanz/1

Die wahre Rating-Agentur ist China

 

„Wahrscheinlich werden in kurzer Zeit fast alle großen Wirtschaftsmächte der Welt (außer Kanada) ihr “Triple A”-Rating verloren haben. London eingeschlossen. Das Bewertungskriterium für den Markt wird nicht mehr diese eigentlich recht dumme “Bestnote” sein, sondern eine mehr in die Tiefe gehende Analyse der einzelnen Länder. Und das ist vielleicht ganz gut so. Sicher wird das, was zählt, also die Schuldenzinsen, von einem anderen Faktor bestimmt: der Bereitschaft der großen asiatischen Gläubiger, die Schulden des Westens zu finanzieren. Die wahre Rating-Agentur heißt nicht S&P, sondern China.“ So ein Artikel des Corriere della Sera (16. Dezember) mit dem Titel: Die wahre Rating-Agentur ist China.

 

 

Zeltsiedlungen Obdachloser in Sacramento nach der Subprime-Krise. [© Associated Press/LaPresse]

Zeltsiedlungen Obdachloser in Sacramento nach der Subprime-Krise. [© Associated Press/LaPresse]

Finanz/2

Robert Fisk und die Verbrechen der internationalen Finanz

 

Am 11. Dezember übersetzte der “Fatto Quotidiano” einen Artikel aus der Feder von Robert Fisk (The Independent), einem der namhaftesten britischen Journalisten. In besagtem Artikel steht zu lesen: „Die neuen Diktatoren des Westens sind die Banken und Rating-Agenturen – und sie stehen Mubarak und Ben Ali in nichts nach [...]. Es gehört nicht viel Phantasie dazu zu verstehen, dass die amerikanischen Rating-Agenturen und Banken derart austauschbar sind, dass ihre Manager von einer Agentur zur anderen, von einer Bank zur anderen wechseln und nicht selten sogar einen Posten in der US-Regierung ergattern können. Die Betrüger, die dem Subprime-Kredit und den amerikanischen Derivaten vor 2008 ein “Triple-A”-Rating gegeben haben, spielen ihr schmutziges Spiel nun in Europa weiter und drohen, Regierungen und Banken zu deklassieren. Wann wollen uns die Wall Street-Finanjournalisten endlich aufklären? Wie kommt es, dass BBC, CNN und Al-Jazeera diese Verbrechercliquen behandeln, als wären sie respektable Institutionen? Warum will man nicht wissen, was hinter diesem skandalösen Verhalten steckt und stellt endlich Ermittlungen an?“. Titel des Artikels: Die neuen Diktatoren des Westens.



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