Das breite Spektrum der Maroniten
Die einen beherbergen Seminaristen, die anderen in Rom studierende Priester – und manch einer hat sein Kloster in ein Heiligtum verwandelt, das den großen maronitischen Heiligen gewidmet ist.
von Pina Baglioni
![Panoramablick von der Klosterterrasse. [© Paolo Galosi]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/41-04-05-011.jpg)
Panoramablick von der Klosterterrasse. [© Paolo Galosi]
Außer dem Päpstlichen Kolleg gibt es in Rom noch eine ganze Reihe von Prokuren und Priesterkollegien der wichtigsten Maroniten-Orden.
Der libanesische Maronitenorden befindet sich in einem kleinen Konvent in der Nähe der Cestius-Pyramide, gleich neben der Pfarrei, die der hl. Marcella geweiht ist, einer römischen Edeldame, die – wie die maronitischen Mönche – im 4. Jahrhundert mit ihren Freunden nach der Regel des hl. Abts Antonius lebte.
Auf dem Oppio-Hügel, vor der Basilika „San Pietro in Vincoli“ beim Kolosseum, erhebt sich das Kloster des hl. Abts Antonius, der Sitz der Mariamitischen Maroniten von der seligen Jungfrau Maria. Sie sind seit 1753 hier, seit sie das Haus und die Kirche der Hll. Marcellinus und Petrus in der Via Labicana verlassen haben. An der Via Portuense beim Trullo-Viertel dagegen befindet sich das Priesterkolleg des Antoninischen Maronitenordens des hl. Jesaja. An verschiedenen kirchlichen Instituten studieren und arbeiten in Rom die Patres des Libanesischen Maroniten-Missionsordens. Da er nicht dem päpstlichen, sondern dem patriarchalen Recht unterstellt ist, hat er in Rom kein Generalat.
Ende des 17. Jahrhunderts waren der Libanesische Maronitenorden und der Maronitenorden von der seligen Jungfrau Maria im Libanesischen Aleppinischen Orden zusammengeschlossen worden. Dieser Orden war am 10. November 1695 von drei jungen Syrern aus Aleppo gegründet worden: Gabriel Hawwa, Abdallah Qara’li und Joseph El-Betn. Sie hatten sich im Kloster Unserer Lieben Frau von Qannoubine im Qadisha-Tal, im Norden des Libanon, niedergelassen.
In Rom hatte der Aleppinische Orden bereits 1707 von Clemens XI. die Kirche der Hll. Marcellinus und Petrus an der Via Labicana erhalten, was er nicht zuletzt dem erfolgreichen Ausgang einer Mission zu verdanken hatte, die Gabriel Hawwa vom Papst übertragen worden war. Der nämlich, einen koptischen Bischof wieder dem Gehorsam zu Rom zuzuführen. In der Zwischenzeit waren so viele junge Männer aus Damaskus, Jerusalem, Sidon und zahlreichen Städten Ägyptens in den Libanon gekommen, dass es nicht nur notwendig geworden war, in das größere Kloster von Saint Elysées in Becharre umzuziehen, sondern auch Klöster außerhalb der Landesgrenzen zu gründen.
Patriarch Estephan El Douaihy, ein großer Förderer des Maroniten-Ordens, schrieb die Ordensregel nieder. Diese lehnte sich zwar in großen Zügen an die des hl. Abts Antonius an, war aber zu sehr an die der lateinischen Orden angeglichen worden. Diese Regel sollte am 31. März 1732 von Clemens XII. approbiert werden.
Den Mönchen, die an das harte Leben auf dem Land gewöhnt waren, übertrug der Patriarch die Verantwortung für die libanesische Diaspora in Europa, Ägypten und in der Neuen Welt. Die maronitische Kirche hat die Nähe des Volkes zum Christentum vor allem der Heimatverbundenheit und dem Papsttum zu verdanken. Und der Instruktion der Bauern und der Armen: die Schulen in den Dörfern entstanden im Schatten der Klöster und der Pfarrkirchen.
Im Laufe der Zeit war es im Innern des Ordens jedoch zu Kontrasten gekommen, die zwei Strömungen entstehen ließen: die eine wollte, dass das Amt des Pater General auf Lebenszeit übertragen wurde und dass der Orden einen missionarischen Charakter annehmen sollte. Die andere dagegen vertrat die Meinung, dass die Amtsdauer zeitlich begrenzt sein müsste und dass der Orden am kontemplativen Leben festhalten sollte.
Die Divergenzen konnten nicht beseitigt werden, und am 19. Juli 1770 entstanden zwei verschiedene Zweige: der missionarisch inspirierte Antoninische Aleppinische Maronitenorden, und der Libanesische Maronitenorden, der einer kontemplativen Berufung folgt. Jeder mit eigenen Mitgliedern, eigenen Klöstern und Besitzungen. 1969 sollte der Aleppinische Orden den Namen „Mariamitischer Maronitenorden von der seligen Jungfrau“ annehmen.
Die Spaltung des Ordens bewirkte, dass die Aleppiner zunächst im Kloster der Hll. Marcellinus und Petrus blieben und später in den Sitz an der Piazza San Pietro in Vincoli umzogen. Der Libanesische Maronitenorden verlegte sich nach Zypern und kümmerte sich um die Seelsorge für die auf dieser Insel lebenden Maroniten. Die Anwesenheit der Maroniten in Zypern ging auf das 11. Jahrhundert zurück, als ein kleiner Teil der Maroniten aufgrund der Verfolgung in Syrien nach Zypern geflüchtet war, der Großteil der Flüchtigen hatte jedoch in den Bergen des Libanon Zuflucht gefunden.
Der Orden des Patriarchen: die Maroniten von der seligen Jungfrau Maria
Nur einen Steinwurf vom Kolosseum entfernt befindet sich das Kloster des hl. Abts Antonius. Hier ist nicht nur die Procura des Mariamitischen Maronitenordens von der seligen Jungfrau Maria untergebracht, sondern auch das Kolleg für die Priesterausbildung. Die mariamitischen Patres sind bei unserem Besuch sichtlich gut gelaunt: schließlich gehört der eben erst gewählte Patriarch, Seine Seligkeit Béchara Boutros Raï, ihrem Orden an. „Die Wahl kommt meiner Meinung nach vom Heiligen Geist. Er ist der richtige für jeden Libanesen, ob er nun Christ ist oder nicht, und für die maronitische Kirche: Er ist so weitblickend, hat so viel Charisma, eine so große Bereitschaft zum Dialog mit allen“, sagt Pater François Nasr, Ökonom und Postulator des Ordens. Er befasst sich derzeit mit dem Prozess des Dieners Gottes Pater Antonios Tarabay. „In seinem Priesterleben hat sich dieser Ordensmann mit der geistlichen Leitung der Schwestern Johannes des Täufers im Libanon befasst. Als eifriger Verehrer des Allerheiligsten Altarsakraments praktizierte er die Askese und die Kontemplation. Auch im Kloster von Qannoubine im Heiligen Tal lebte er in vollkommener Einheit mit Jesus Christus. Als er schwer erkrankte, ertrug er auch dieses Leiden auf heldenhafte Weise: er verkörpert das Charisma unseres Ordens, lebt also eine perfekte Synthese zwischen dem missionarischen Leben im Alltag und dem mystischen Leben, das gemacht ist aus Verzicht, Gebet und Kontemplation“.
Nicht selten wohnen im Kolleg auch Seminaristen, die nach einem zweijährigen Philosophiekurs im Libanon nach Rom kommen. „Bis vor kurzem konnten unsere Studenten in Rom auch das Biennium absolvieren. Wir nehmen Bischöfe und Pilger aus der ganzen Welt auf“. Am römischen Kolleg kann man das Triennium in Theologie absolvieren, und sich dann in Spiritualtheologie, kanonischem Recht und Humanwissenschaften spezialisieren. Oder in Mariologie – und das auch schon allein wegen unserer Denomination, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil übernommen wurde, dank der Hartnäckigkeit von Pater Genadios Mourani (unser Mitbruder, der bei einem Terroranschlag im Libanon 1959 ums Leben kam und der für seine große Spiritualität bekannt war). Er wollte unseren Orden vor allem unter den Schutz der Gottesmutter stellen.“
Im Libanon werden diese Studenten als Rektoren der verschiedenen Universitätscampusse des Ordens tätig sein, die heute 6000 Einschreibungen verzeichnen können – als Direktoren von Schulen mit 7000 Schülern, als Rektoren von Seminaren, oder vielleicht auch als Pfarrer. „Unser Kolleg in Rom war schon immer ein gastfreundlicher Ort für die libanesischen Maroniten und die Studenten anderer christlicher Kirchen. Am Sonntagmorgen kommen viele zur Messe in unsere Kapelle, angezogen von der alten syrisch-antiochenischen Liturgie“.
Das Kloster-Kolleg kann sich einer Bibliothek rühmen, die zahlreiche Texte aus dem 13. Jahrhundert ihr eigen nennt, darunter arabische Literatur. Im Eingangszimmer zeigt Pater François auf ein Gemälde der hl. Therese vom Kinde Jesus. „Im Libanon wird sie sehr verehrt: das erste Kloster, das ihr nach der Heiligsprechung geweiht wurde, war ein mariamitisches Männerkloster. Der Generalpater des Ordens, der an der Zeremonie im Vatikan teilgenommen hatte, war von ihrem vorbildlichen Leben tief beeindruckt. Ihre Reliquien sind derzeit gerade in Palästina. Und wie ich höre, bewirkt die hl. Therese dort Großes“.
![Die Fassade des Klosters an der Piazza San Pietro in Vincoli. [© Paolo Galosi]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/42-04-05-011.jpg)
Die Fassade des Klosters an der Piazza San Pietro in Vincoli. [© Paolo Galosi]
Obwohl der Libanesische Maronitenorden vom Hl. Stuhl abhängt, erhielt er erst relativ spät eine Procura in Rom. „Wir hatten schon lange den Wunsch, nach Rom zu kommen. Aber das wurde immer wieder verschoben, vielleicht, weil man meinte, die Präsenz der Mariamiten in der Ewigen Stadt sei ausreichend“, erklärt uns Pater Elias Al Jamhoury, Postulator der Heiligsprechungsprozesse des Ordens und Generalprokurator in Rom. Was diese Mönche nach Rom „gebracht“ hat, war die Kausa des hl. Charbel Makhlouf, der am 9. Oktober 1977 von Paul VI. heiliggesprochen wurde. Das war vor 60 Jahren, und damals war es notwendig, einen Postulator einzusetzen, der die Kausa Charbels verfolgte – dieses heiligen Mannes, der 1828 in Bkaakafra, im Norden des Libanon, geboren wurde und 1898 starb. Der Libanon und die Maroniten auf der ganzen Welt sind diesem Mönch dankbar für die vielen Wunder, die durch seine Fürsprache gewirkt wurden.
„Der hl. Charbel ist wie der Zedernbaum im Libanon, der zu unserem Wahrzeichen geworden ist. Jeder Maronit hat auf die eine oder andere Weise mit diesem Heiligen zu tun. Auch wenn seine Jünger inzwischen auf der ganzen Welt verstreut sind. Es ist so ähnlich wie bei eurem Padre Pio“, bestätigen zwei junge Mönche des Klosters – die natürlich Charbel heißen. Einer ist Doktorand in christlicher Archäologie, der andere in Bibelwissenschaften. Die beiden wohnen im Kolleg der Sant’Anselmo-Universität zusammen mit den anderen vier Mitgliedern ihres Ordens, die ihre Studien hier in Rom vervollständigen wollen. Wann immer es ihnen das Studium erlaubt, greifen die beiden Charbels Pater Elias unter die Arme. Im Kloster gehen nämlich seit einiger Zeit viele Telefonate und Briefe aus ganz Italien ein, in denen der hl. Charbel und die anderen Heiligen des Ordens um Gnaden gebeten werden: die hl. Rafka Rayes, eine Ordensfrau, die 2001 heiliggesprochen wurde, und Nimatullah Al-Hardini, der große Theologe, der 2004 zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Sie könnten bald Gesellschaft bekommen: den seit 27. Juni 2010 seligen Bruder Estephan Nehmé.
In der kleinen Kapelle bei dem Kloster an der Cestius-Pyramide befinden sich die Reliquien von drei Heiligen. Viele Römer kommen hierher, um Gnaden zu erbitten. „Wir würden diesen Ort gern in ein wahres Heiligtum für den hl. Charbel verwandeln – natürlich nur, wenn es die Kongregation für die Orientalischen Kirchen gut heißt: der Pilgerfluss reißt nicht ab!“, berichtet uns Pater Elias. „Der hl. Charbel hat schon am Tag nach seinem Tod Wunder gewirkt. So ist es kein Wunder, dass die Kausa bereits 1926 eingeleitet wurde. Im Heiligen Jahr 1950 gab es 30.000 Wunder. In einem engen geistlichen Zusammenhang mit den Wundern Unserer Lieben Frau von Lourdes. An diesem Punkt angelangt wurde 1951 beschlossen, dass man nicht mehr warten könne und die Sache endlich nach Rom weiterleiten müsse“.
Die Antonianer des hl. Jesaja und die Freundschaft mit dem drusischen Volk
Der maronitische Orden der Antonianer des hl. Jesaja hat neben seinen vielen anderen Berufungen auch eine, die in unserer Zeit wirklich mehr als aktuell ist: den Dialog und die Aufgeschlossenheit anderen Konfessionen gegenüber.
„Alles begann mit Bischof Gebraël Blouzani, dem späteren Patriarchen der maronitischen Kirche, der 1673 beschloss, das Kloster Unserer Lieben Frau in Tamiche, im Norden des Libanon, zu gründen und es zu seinem Bischofssitz zu machen“, erzählt Pater Maged Maroun. „Nachdem er viele junge Menschen nach der Regel des monastischen Lebens des Orients erzogen hatte, schickte er sie aus, damit sie auf einem Hügel namens Aramta das Kloster des hl. Jesaja in Broumana bauen konnten. Am Himmelfahrtsfest des Jahres 1700 wurde hier die erste Messe gefeiert. Die Gegend war hauptsächlich von Drusen bewohnt, einem Volk, das aus Ägypten geflohen war und eine Religion angenommen hatte, die nicht schiitischer oder sunnitischer, sondern muslimischer Herkunft war. Sie hatten sich im Jahr 1300 in den libanesischen Bergen niedergelassen – ca. 500 Jahre nach den Maroniten –, um den Verfolgungen durch die Sunniten zu entgehen. Emir Abdullah Abillamah, drusisches Oberhaupt der Region, hieß die Ankunft der Mönche nicht nur gut, sondern beschloss zusammen mit anderen Emiren der Zone sogar, seine Kinder bei den Antonianer-Mönchen studieren zu lassen. Viele dieser Schüler baten darum, getauft zu werden. So kam es, dass Papst Clemens XII. unseren Orden am 17. Januar 1740 mit der Bulle Misericordiarum Pater approbierte. In dem berühmten Kloster des hl. Jesaja im Libanon, das als Mutterhaus des Antoninischen Maronitenorden gilt, absolvieren die jungen Priesterkandidaten ihr Noviziat. Nach Rom sind sie 1906 gekommen, mit einem ersten Seminar auf dem Gianicolo-Hügel. Dann, 1958, in der Via Boccea. Und schließlich 1998 in der Via Affogalasino, zwischen den Vierteln Portuense und Trullo.
„Heute studieren 7 Priester in Rom, sie befassen sich mit Kirchenmusik und kanonischem Recht“, erklärt Pater Maged. „Sie spezialisieren sich vor allem in orientalischen kirchlichen Studien und islamisch-christlichem Dialog am Päpstlichen Orientalischen Institut und am Päpstlichen Institut für arabische und islamische Studien. Neben dem Studium arbeiten sie in den Pfarreien der Zone und machen Krankenbesuche. Zu Ostern sind sie beispielsweise die Wohnungen der Bewohner des Viertels segnen gegangen“. Wenn sie in den Libanon zurückkehren, werden sie an den Schulen und Universitäten des Ordens unterrichten. Oder als Pfarrer im Libanon und bei den Maroniten der Diaspora tätig sein. „Der Berufung der Anfänge treu, müssen sie ein Kommunikationskanal für alle sein, Christen oder auch nicht. Wie auch unsere neuen Statuten und unsere Geschichte besagen“, meint der Ordensmann zum Abschluss.
![Der Eingang zum Kloster des Libanesischen Maronitenordens mit der Statue von Charbel Makhlouf, der 1977 von Paul VI. seliggesprochen wurde. [© Paolo Galosi]](http://www.30giorni.it/upload/articoli_immagini_interne/48-04-05-011.jpg )
Der Eingang zum Kloster des Libanesischen Maronitenordens mit der Statue von Charbel Makhlouf, der 1977 von Paul VI. seliggesprochen wurde. [© Paolo Galosi]
Die Priester der Kongregation der Libanesischen Maroniten, die auf verschiedene kirchliche Institute in Rom verteilt sind, stellen ein religiöses Männerinstitut patriarchalen Rechts dar. Sie werden auch Kreimisten genannt: gegründet wurden sie nämlich am 22. Mai 1884 im Kloster von Kreim, in Ghosta, auf dem Monte Libanon, von Youhanna Habib. Dieser Priester der Eparchie von Baalbek wollte die jungen Maroniten unterrichten und auch den Nicht-Glaubenden das Evangelium verkünden. Eines der Merkmale ihrer Mitglieder ist es, dass sie den Schwur leisten, keine hohen kirchlichen Ämter anzustreben. Außer im Libanon sind die Libanesischen Missionare auch in den maronitischen Gemeinden in Brasilien, Argentinien, Südafrika, USA und Australien tätig.
„Wir schicken unsere Priester zum Studieren in die Missionsgebiete. So helfen sie schon einmal den Maroniten in der Diaspora. Nach Rom kommen nur jene, die sich auf verschiedene Fächer spezialisieren wollen, die man nur hier studieren kann wie Dogmatik, kanonisches Recht oder Bibelwissenschaften“. Msgr. Hanna Alwan, dem wir bereits als emeritiertem Rektor des Päpstlichen Maronitischen Kollegs begegnet sind, ist unter anderem auch Verantwortlicher der Kongregation der Libanesischen Maroniten für Europa. Auch er kommt aus dem Norden des Libanon, der Wiege der Kirche des hl. Maron. Im Alter von 16 Jahren traten er und sein Zwillingsbruder in die Kongregation ein. „Die Maroniten ließen sich im Norden nieder, nachdem sie zuerst vor den Byzantinern und dann vor den Muslimen geflohen waren. Und das war eine kluge Entscheidung: im Libanon blieben die Türken, die die Berge fürchteten, an der Küste und in den Städten des Südens zurück und gaben die Verfolgung auf. Hier waren die Maroniten in Sicherheit“.
Der Gründer der Kongregation der Libanesischen Maroniten, Youhanna Habib, war Ende des 19. Jahrhunderts ein Richter des türkischen Reiches. Als seine Beamten erkannten, wie schwierig es war, den Maroniten die Befolgung der islamischen Gesetze aufzuzwingen, richteten sie ein Gericht für die Maroniten und eines für die Muslime ein. Damit wollte man verhindern, dass die Fälle vom Gericht in Istanbul verhandelt wurden. Habib wurde zum Richter der Maroniten gewählt. Als er jedoch beim Emir in Ungnade fiel, legte er dieses Amt nieder, um Jesuit zu werden. Doch der Patriarch verweigerte ihm die Genehmigung. Er weihte ihn zum Priester, gab ihm eine Handvoll Priesterbrüder zur Seite und schickte sie in die Mission. Es war die Zeit der großen Emigrationswelle. Viele Maroniten wanderten nach Amerika aus. Und der Patriarch fürchtete, dass sie, wenn sie erst einmal dort waren, vom Glauben abfallen könnten.
Dann wurde Youhanna Habib zum Bischof ernannt. Nach dem Tod des Patriarchen wählte ihn die Synode zu seinem Nachfolger. Er nahm das Amt nicht an, und so konnte es auf seinen Vorschlag 1899 zur Wahl eines seiner Freunde kommen: Elias Boutros Hoyek, ein Bischof, der 1890 nach Rom gekommen war, um den Baugrund für das Päpstliche Maronitische Kolleg zu erwerben.
Aber nicht nur das: Hoyek gründete auch die Kongregation der Heiligen Familie, Ordensfrauen, deren besondere Sendung die Erziehung der Kinder ist und die Unterstützung der Pfarrer in der Familienpastoral. Die geistliche Leitung der Kongregation der Heiligen Familie ist der Kongregation der Libanesischen Maroniten anvertraut.
„Ein Merkmal der libanesischen Missionare ist der große Lerneifer. Darin ähneln sie den Jesuiten,“ erläutert Msgr. Alwan mit unverhohlenem Stolz. Am Ende fragen wir ihn, ob seine Missionare auch in Zukunft viel zu tun haben werden – schließlich reißt die Auswanderungswelle der Maroniten nicht ab. Und was wird der Heilige Stuhl tun? „Das Interesse Roms ist stärker geworden, als man erkannt hat, dass die Muslime im Libanon und in den anderen Kirchen des Nahen Ostens eine immer stärkere Präsenz zu werden begannen. Als sie sich die Zahlen angesehen haben, wurde ihnen das klar. Die Nahost-Synode letzten Oktober war sehr wichtig. Allein schon aus dem Grund, weil nun die Presse auf der ganzen Welt aufmerksam wurde. Wir warten jetzt auf das Nachsynodale Apostolische Schreiben von Benedikt XVI. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das, was in Nahost und in Nordafrika passiert, Gutes bringt. Ich bin überzeugt davon, dass diese jungen Menschen, die wir auf den Plätzen gesehen haben, Freiheit und Arbeit wollen. Und das ist nur recht und billig. Und wir hoffen, dass diese Sehnsucht auch für die Christen positive Auswirkungen haben mag.“